17. Juni 2024

Schulz und Schulz Architekten: THM Gießen – Neubau Institutsgebäude C15 und C16

(c) Gustav Willeit

Leipzig (pm) – Gießen war das Zentrum der Produktion keramischer Fliesen in Deutschland. Der umtriebige Zigarrenfabrikant Wilhelm Gail gründete 1891 die „Gail’sche Dampfziegelei und Tonwarenfabrik“. Bis ins Jahr 2002 wurde hier glasierte Verblendkeramik produziert und an Olympiabauten, Elbtunnel oder Space Shuttles verbaut. Doch auch in die Heimatstadt wurde geliefert, denn Gießen ist voll von gefliesten Fassaden. Die neuen THM-Gebäude greifen diese Tradition auf und erinnern an die ruhmreiche Epoche der Stadtgeschichte.

Das Innere ist nach dem Prinzip Rohbau = Ausbau gestaltet. Foto: Gustav Willeit 

Seit den 1960er Jahren befindet sich die Technische Hochschule Mittelhessen auf dem Areal an der Wiesenstraße. Wie im übrigen stark kriegszerstörten Gießen ist auch hier das Erscheinungsbild von der Architektur der 60er und 70er Jahre geprägt. Der Wunsch nach Neuordnung des Campus schlug sich in einem Masterplan nieder, der höhere Verdichtung und verbesserte Anbindung an die Umgebung verfolgt. Die beiden Fachbereiche Maschinen- und Energietechnik sowie Bauwesen sind deshalb in zwei Gebäuden angeordnet. Das macht den Campus durchlässiger und bindet an die kleinteilige Umgebung an. Durch die einheitliche Gestaltung zeigt sich ein zeitgleich entstandenes Ensemble.

Die tiefen Labore und Werkstätten erfordern hohe De- ckenspannweiten.
Foto: Gustav Willeit 

Die unterschiedlichen Raumanforderungen und die notwendige Anpassungsfähigkeit des Inneren erzeugen Grundrisse auf einheitlichem Raster und mit wenigen Tragelementen. Aufgrund
der großen Spannweiten und der außergewöhnlich hohen Deckenlasten in den Labors und Werkstätten sind die Gebäude als Stahlbetonkonstruktionen konzipiert. Durch die Auflösung der vertikalen Tragstruktur und den Einsatz von Hohlkörperdecken konnte der CO2-Ausstoß der Herstellung gegenüber konventionellen Tragkonstruktionen um rund ein Drittel gesenkt werden. Zudem sind die Decken monolithisch, also ohne mehrschichtige Aufbauten wie beispielsweise Estrich, um die Rezyclierfähigkeit der Konstruktion zu vereinfachen und Abfälle zu minimieren.

(c) Gustav Willeit

Pressemitteilung: Schulz und Schulz Architekten GmBH

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