13. Juli 2024

Sauerbruch Hutton: Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung


Berlin (pm) – Der neue Campus der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, bestehend aus einem Hochschulgebäude und zwei Wohnriegeln, liegt auf einem schönen, baumbestandenen Grundstück in Rostock-Lichtenhagen. Dieser 13.000 Einwohner zählende Stadtteil gehört neben Groß-Klein, Lütten-Klein und Schmarl zu den großen Rostocker Stadterweiterungsprojekten der 1970 Jahre, die in der DDR zu ihrer Zeit als vorbildlich galten. Die modernen Wohnsiedlungen sind gekennzeichnet von großmaßstäblichen, Gebäudefiguren – im Falle von Lichtenhagen in Form großer Mäander-, die ein differenziertes System von öffentlichen und halböffentlichen Außenräumen beschreiben. Das Grundmotiv dieser Großwohnsiedlungen ist das gut versorgte und verdichtete Wohnen im Grünen für alle Bevölkerungsgruppen.

Das Projekt reagiert auf diesen Kontext und entwickelt die städtebaulichen Prinzipien weiter: So besteht der neue Hochschulcampus aus einem öffentlichen, autofreien Park, der von den neuen Hochschul- und Wohngebäuden eingerahmt wird. Dieser Park gliedert sich in zwei differenzierte Außenräume: Ein Gartenplateau zwischen den beiden Wohnheimen steht in erster Linie den Studierenden der Hochschule als Wohnumfeld zur Verfügung; zwischen den Unterkünften und dem Hochschulgebäude befindet sich ein grünes Zentrum, das auch für die Nachbarschaft und die 600 Studierenden einen zentralen Begegnungsort zum Lernen, für Freizeit und Sport abgeben wird. Der ganze Bereich ist autofrei, da sich auf der Nordseite des Hochschulgebäudes eine großzügige Vorfahrts- und Anlieferungsstraße befindet, die durch dichten Baumbewuchs der benachbarten Wohnbebauung verborgen bleibt. Die Zufahrt zu der Parkgarage unter den Wohnriegeln erfolgt direkt von der Möllner Straße im Süden. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der Wohnanlagen in der Nachbarschaft, bieten die Neubauten des Campus offene Erdgeschosse, die den Einblick in die Innenräume der Gebäude zulassen und somit mit einfachen Mitteln auch den Außenraum beleben und animieren.

Das 130 m lange Hochschulgebäude wurde als „Groundscraper“ konzipiert, der im Erdgeschoss dem Campus eine durchgehende, harte Raumkante bietet (ganz im Sinne der Logik des Quartiers). In den Obergeschossen löst sich diese Kante etwas auf, da hier einzelne Pavillons mit Höfen alternieren. Die Gebäudestruktur ist auf allen Etagen entlang einer zentralen Erschließungsachse orientiert, die wie eine interne Straße eine Vielzahl von Gebäudeteilen verbindet und so unkompliziert alle Funktionen dieser modernen Bildungseinrichtung unter einem Dach zusammenhält. Im Außenraum verläuft parallel zu dieser Hauptstraße eine überdachte öffentliche Durchwegung des Grundstücks, die analog zum Innenraum ebenfalls Zugang bzw. Einblick in die Mensa, den Eingangsbereich, Hörsäle, sowie die Bibliothek (und in der Zukunft optional eine Sporthalle) erlaubt. In den Obergeschossen liegen an der 4- geschossigen Magistrale -übersichtlich aufgereiht- die Lehrräume und Verwaltungseinrichtungen der verschiedenen Fakultäten, wobei die Magistrale selbst eine Vielzahl weiterer Orte für das informelle und selbstorganisierte Lernen bietet. Da zwischen den Raumclustern immer wieder offene Höfe angelegt sind, werden die großzügigen Erschließungs- und Aufenthaltsflächen auf der ganzen Länge natürlich belichtet und bieten immer wieder Blicke in die nähere und weitere Umgebung.

Die beiden siebengeschossigen Wohnriegel, die sogenannten „Wohnzwillinge“ schließen einen erhöhten Teil des Parks ein, den man über eine Freitreppe erreicht. Um den aufwendigen Eingriff in das Grundwasser zu vermeiden, wurden die erforderlichen Parkplätze für PKW und Fahrräder sowie Lager- und Technikflächen unter diesem künstlichen Hügel angeordnet. In den darüber befindlichen, erhöhten Erdgeschosszonen befinden sich wettergeschützt weitere Fahrradstellplätze, offene wie geschlossene Freizeitbereiche und Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer und ein Fitnessraum, der allen Bewohnern zur Verfügung steht. In den Obergeschossen liegen die Zimmer der Studierenden (Ost-West-orientiert) auf beiden Seiten eines zentralen Flurs. Durch die leicht geknickte Form der Gebäuderiegel sind diese Flure in übersichtliche Abschnitte gegliedert, von denen jeder einer Gemeinschaftsküche sowie zwei Wohnungen für besondere Bedürfnisse enthält.

Bei der Konzeption dieses Projektes wurde besonderen Wert auf Aspekte der Nachhaltigkeit gelegt. So wurde nicht nur darauf geachtet, den Betrieb der Gebäude durch energiebewusste Gestaltung der Fassaden und den Einsatz von Fernwärme und erneuerbaren Energien klimafreundlich zu halten, sondern auch im Bereich der grauen -eingebetteten- Energie geht das Konzept neue Wege: Das gesamte Projekt wird in einer ressourcenschonenden, weitgehend CO2 reduzierten und emissionsarmen Holz-Hybrid- und Holzmodulbauweise errichtet, was bei einem Umfang von 1000 Moduleinheiten bislang ohne Beispiel ist. Diese Materialwahl wird auch von außen sichtbar sein: Es ist vorgesehen, die Wohnriegel in Holz zu verkleiden, die offene Holzkonstruktion im Innenraum des Hochschulgebäudes wird außen mit einer recycelten Blechverkleidung versehen werden.

Projektbeteiligte

Architekt
Sauerbruch Hutton, Berlin
Matthias Sauerbruch, Jürgen Bartenschlag, Tom Geister, Peter Apel,
Alessandro Bucchi, Zirui Fu, Mina Gospavic, Asya Güney, Hannah Idstein,
Krenare Juniku, Philipp Koch, Denis Kolesnikov, Isis Perez Martin,
Ilona Priwitzer, Amelie Schleifenheimer, Gregory Then, Lu Zhang

in Kooperation mit
Kaufmann Bausysteme GmbH mit Primus Developments GmbH
Achim Nagel, Christian Kaufmann, Lorenz Nagel, Marie Kryska, Thomas Bereuter

Landschaftsplaner
ST raum a., Berlin
Tobias Micke, Nicholas Beloso, Djordje Ilic

Tragwerk
Merz Kley Partner, Dornbirn
Konrad Merz, Bertram Käppeler
Wetzel & von Seht, Hamburg
Ingo Mathyl

TGA / Energiekonzept
Drees & Sommer, Berlin
Henryk Wolisz, Johannes Wiesinger, Petra Losemann, Yvonne Schwarz,
Florian Albrecht, Heiko Bailleu, Alexander Voigt, David Mayer

Brandschutz
Dekra Automobil GmbH, Industrie, Bau und Immobilien, Hamburg
Jörg Scherbening

Quelle: Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbh

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