17. Juni 2024

Kein Abriss, sondern Umbau- Columbus Cruise Terminal in Bremerhaven: gmp gewinnt Vergabeverfahren

Hamburg (pm) – Im VgV-Verfahren überzeugte der Entwurf der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp): Das Columbus Cruise Terminal (CCB) wird nun saniert und erweitert, und nicht wie ursprünglich geplant abgerissen. Als geschichtsträchtiger und bei Bürger:innen, wie Tourist:innen beliebter Ort hat das Terminal an der Columbuskaje großes Potenzial. Schon seit dem 19. Jahrhundert starteten von hier Seereisende und Auswanderer zu neuen Ufern. Auch Elvis Presley ging hier im Jahr 1958 von Bord, um in Deutschland seinen Militärdienst zu leisten – umjubelt von tausenden Fans. Heute wird das Columbus Cruise Terminal vor allem von Kreuzfahrtschiffen angesteuert und ist ein wichtiger wirtschaftlicher und touristischer Knotenpunkt für die Stadt.

© loomn Architekturvisualisierung

Für acht Millionen Menschen war der Hafen seit seiner Gründung 1827 Ausgangspunkt für den Aufbruch in die Neue Welt ­– und damit ein attraktives Geschäftsfeld für die lokalen Reedereien. Mit der Eröffnung der traditionsreichen Columbuskaje 1927 stärkte der Standort seine Position im Transatlantikverkehr zwischen Deutschland und Amerika. Von 1952 bis 1958 entstand das heutige Terminal, mit dem boomenden Flugverkehr in den 1960er-Jahren endete die Zeit der klassischen Atlantik-Passagierfahrt jedoch. Bereiche südlich der Fahrgastanlagen wurden daher nicht fertiggestellt, auf dem dafür vorgesehenen Grundstück wurde eine Lagerhalle errichtet. So besteht das CCB heute aus Bauelementen unterschiedlicher Nutzung. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollen diese durch einen Umbau erhalten und dem ursprünglichen, bisher nicht realisierten Entwurfsgedanken entsprechend weiterentwickelt werden.

© gmp Architekten

Die Stahlbetonstruktur des Hochhauses wird so beispielsweise mit Hilfe einer innovativen und nachhaltigen Tragstruktur bis auf den ursprünglich einmal geplanten und im Fundament gerechneten 14. Geschoss ergänzt. Gleichzeitig werden ikonografische Innenräume wie der Erste-Klasse-Wartebereich und die zentrale Wartehalle mit flankierenden Läden erhalten bleiben. Die Funktionen des Cruise Terminal könnten um weitere Nutzungsmöglichkeiten ergänzt werden – etwa durch Räume für Kultur, Gastronomie und Veranstaltungen. Eine recycelbare Parkpalette östlich des Columbus Cruise Terminal im hochwassergeschützten Bereich wird für die notwendigen Stellplätze sorgen. Im Zuge der Mobilitätswende könnte sie mittelfristig zerstörungsfrei rückgebaut werden. Mit einer „Gangway“ wird eine direkte Anbindung an das CCB und die neuen, öffentlichen Nutzungsflächen geschaffen. Ein Park bietet Schiffreisenden, aber auch Tagesgästen, künftig die Möglichkeit, sich die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken und den Ausblick auf das Treiben am Terminal zu genießen.

© gmp Architekten

Das ganzheitliche Konzept von gmp sieht so auf lange Sicht die Umsetzung eines auf einem Baukastenprinzip basierenden Standortentwicklungsplans vor, der den gesamten Ort stärken wird. Während des Umbaus wird darüber hinaus der Betrieb des Columbus Cruise Terminals aufrechterhalten werden; Passagierabfertigungen können weiterhin erfolgen.Der Erhalt des Bestands nutzt die in der Konstruktion bereits enthaltene graue Energie. Nicht nur dieser Ansatz macht das neue alte Columbus Cruise Terminal zu einem nachhaltig gedachten Projekt. Zusätzlich sorgen der Einsatz erneuerbarer Energien, die Meerwasserentnahme zum passiven Heizen und Kühlen sowie die Nutzung von Photovoltaik zur Stromerzeugung für eine positive CO2-Bilanz.

© gmp Architekten

Quelle: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner

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