27. September 2020

„The Post Corona City“: Gewinner des NXT A-Ideenwettbewerbs stehen fest

Sieben Gewinner wurden am 20. August bei der digitalen Preisverleihung ausgezeichnet. Ausstellung aller Einreichungen ab 5. Oktober im Foyer des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr.

(c) Georg Media

München (pm) – Wie sieht die Welt nach Corona aus? Wie soll die „neue Normalität“ in den Städten aussehen? Das war die zentrale Fragestellung des Ideenwettbewerbs „The Post Corona City“, den das junge Architekten Netzwerk NXT A während der Hochphase der Corona-Pandemie ins Leben gerufen hat. Gemeinsam mit Schirmherrin Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, luden NXT A und das Staatsministerium im Juni Architekten, Künstlerinnen und Designer ein, ihre Vision der Post-Corona-City einzusenden. Die Münchner Stiftung Federkiel stellte großzügig die Preisgelder zur Verfügung.

Dr. Ute Strimmer, Editor in Chief NXT A und Isa Fahrenholz, Projektmanager New Monday, JuryVorsitz NXT A-Ideenwettbewerb, beide Georg Media, München zum Wettbewerb: „Wir freuen uns, dass unser NXT A-Ideenwettbewerb zur Post-Corona-City auf so viel Resonanz gestoßen ist und junge ArchitektInnen zu ihrer Arbeit motiviert – und inspiriert hat. Die Städte von morgen stehen aktuell vor großen Herausforderungen, deshalb brauchen wir engagierte Gestalter. Ihre Architektur-Konzepte werden wir in der gleichnamigen Ausstellung im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr präsentieren.“

94 Einreichungen und sieben Gewinner – Wie sieht sie aus, die Welt nach Corona?

Fast 100 Entwürfe und ein Film erreichten die NXT A-Redaktion innerhalb weniger Wochen. Die Jury tagte und beriet sich mehrfach in digitalen Sitzungen und entschied sich für sechs Einsendungen, die bei der digitalen Preisverleihung gestern Abend gleichberechtigt als Gewinner zusammen mit dem Reader-Award des Wettbewerbs ausgezeichnet werden.

Covid-19 bleibt. Für einen noch nicht absehbaren Zeitraum wird sich die Menschheit mit dem Virus leben müssen. Es wird zunächst keine Welt nach, sondern eine Welt mit Corona sein. Und die Krise hat vor allem eins gezeigt: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft – unser Zusammenleben muss sich ändern, um den Herausforderungen der Pandemie entgegenzutreten. Denn die Menschheit wird gezwungen zu überdenken, wie sie künftig leben will.

Wie Metropolen und das Zusammenleben der Menschen aussehen und neu organisiert werden könnten, zeigen die sechs Gewinner-Projekte des NXT A-Ideenwettbewerbs. Die Bandbreite der Einreichungen reicht von konkreten Entwürfen für Stadtmobiliar bis zu Utopien und wissenschaftlichen Konzepten. Insgesamt entwerfen die Arbeiten sehr positive und gemeinschaftliche Zukunftsvorstellungen mit vertikalen Städten, neue Vernetzungen der Bewohnerschaft und einer Neuverteilung von Flächen im öffentlichen Raum. Die Vision des Zusammenlebens heißt „Sharing Economy“: tauschen, teilen, leihen bis hin zur gemeinsamen Teilhabe an globalen Allgemeingütern. Ein Entwurf schlägt beispielsweise vor, für jede Straße nur wenige Autos anzuschaffen, die die Bewohner gemeinschaftlich nutzen.

Die Gewinner-Projekte im Überblick:

Wie man die Stadt als Lebensraum neu definiert, präsentiert Anna Maria Mayerhofers Entwurf. „Balkonien“ ist eine Vision für die Erschließung zusätzlicher Erholungsflächen im Wohnviertel und soll mehr Lebensqualität ermöglichen. So wird am konkreten Beispiel die Parkzone der Münchner Blutenburgstraße mit einer Gerüstarchitektur überbaut. Diese schafft im ersten Stock und teilweise auf Straßenebene Ersatz für die fehlende Privatterrasse und dient als Ausweichoption für überfüllte öffentliche Plätze.

„Räume ohne Eigenschaften“ heißt das Projekt von Schulte Architekten aus Köln und Paris. Die Stadt soll eine kleinteiligere Mischung aus Büro-, Gewerbe- und Wohnflächen umfassen, es gibt nutzungsoffene Grünflächen und erweiterte Fortbewegungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer. Innerhalb von Wohngebäuden dienen Räume ohne Eigenschaften der Hausgemeinschaft z.B. als Coworking-Space, Werkraum oder Besucherappartement. Interessanter Realisierungsansatz: Die zusätzliche Fläche wird durch staatliche Mittel beziehungsweise den
Arbeitgeber finanziert.

Das Referat für Stadtverbesserung, ein Kollektiv aus Architektur- und Urbanistik-Studierenden der TU München – Annika Hetzel, Magdalena Schmidkunz, Michelle Hagenauer, Linus Schulte, Markus Westerholt, Maximilian Steverding – reichte die Arbeit „Die 1,5-MeterGesellschaft“ ein. Vorgestellt werden Konzepte eines kurzfristigen, krisensicheren und vor allem ganzheitlichen Straßenumbaus am Beispiel der Schwanthalerstraße in München. Das langfristige Ziel des Entwurfs, der u.a. von der NGO Green City e.V. unterstützt wird, ist die autofreie Stadt.

„Die Zeit nach Corona – wann wird das sein?“, fragen sich Lea Yasemin Koch und Julia Maria Simon. Statt den Weg zurück zur Globalisierung verfolgen die beiden Architektinnen mit ihrer „Kollektiven Insel“ den Plan zur „Glokalisierung“. Die wachsende Sehnsucht nach Heimat und Nachbarschaft wird durch neue Vernetzungen der Bewohnerschaft, produktive Quartiersgärten und miteinander verbundenen Grünräumen erfüllt.

Paulina Knobe und Alexandra Tishchenko entwerfen ein konkretes Konzept für die Post-Corona-City. Die beiden fügten ihrem Lageplan ein Interview mit NXT A bei, in dem sie auf Fragen
des Wettbewerbs Antworten fanden.

Technisch innovativ – und inspirierend ist der eingereichte Film „Zahn in Zahn“ der Architekturstudentinnen Agnes Schultz-Bongert, Mathilda Louisa Hoffmann und Valerie Sophie Mayer. Er vermittelt in drei Minuten, wie es ist, wenn die Welt stillsteht. Die Gebäude der Architektinnen bewegen sich wie Zahnräder. Trotz allem entsteht so ein Gemeinschaftsgefühl in der Isolation.

Der NXT A-Reader-Award

Von der Idee einer Second City – einer vertikalen Erweiterung der Stadt, eine neue Ebene der Stadtstruktur, die erschlossen wird – ist Ferdinand Holz überzeugt. Denn eine Stadt, die funktioniert, entsteht nun mal nicht über Nacht. Wenn es plötzlich zu einem Stillstand in unserem Alltag kommt, wie es die kürzlich aufkommende Pandemie geschehen ließ, funktionieren städtische Strukturen plötzlich nicht mehr. Überall werden neue Flächen für Funktionen benötigt, an die vorher niemand gedacht hat. Aber nur so entwickelt sich, laut Ferdinand Holz, eine Stadt weiter. Sie ist schließlich das Abbild einer Generation, die sie bewohnt.

Mitglieder der Jury waren Prof. Dr. Benedikt Boucsein, TU München, Urban Design/BHSF Architekten, Prof. Dr. Christine Hannemann, Universität Stuttgart, Fakultät I, Architektur und Stadtplanung, Prof. Katja Knaus, Freie Architektin BDA, Akademie der Bildenden Künste, München, Lehrstuhl für Entwurf und Darstellung, Ingo Schötz, Ministerialrat, Leiter des Referats Zukunftsfragen des Wohnens und der Mobilität, Demografischer Wandel im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie Isa Fahrenholz, Projektmanagerin New Monday, und Dr. Ute Strimmer, Editor in Chief NXT A.

Ein Beitrag zum NXT A-Ideenwettbewerb ist in der aktuellen Ausgabe von „Garten + Landschaft“ erschienen. In der Septemberausgabe von BAUMEISTER werden die Gewinner-Projekte ausführlich vorgestellt. Beide Publikationen erscheinen ebenso wie die Plattform NXT A bei Georg Media. Die Gewinnerentwürfe werden Anfang Oktober im Rahmen einer Ausstellung im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr präsentiert. Die Ausstellung der Gewinner, die Nominierten der Shortlist und weitere Einreichungen des Wettbewerbs werden dort zu sehen sein.

Vernissage: 5. Oktober 2020, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie in Kürze auf www.nxt-a.de.

Pressemitteilung: Georg Media