17. Juni 2024

one&twenty: Rat für Formgebung verleiht in Mailand die „Best of Best“- Auszeichnung des Newcomer-Wettbewerbs an „The Essence of Biocement“

(c) Designer*in: Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach/Deutschland

Mailand (pm) – Als „Best of Best“ der Newcomer kürte der Rat für Formgebung heute die deutschen Jung-Designerinnen Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach für ihr Projekt „The Essence of Biocement“. Das von ihnen entwickelte Sitzmöbel besteht zu 100 Prozent aus selbstproduziertem Biozement. Im Zuge ihres Designstudiums an der Bauhaus-Universität Weimar suchten die Preisträgerinnen nach klimaneutraleren Herstellungsverfahren für ihre Produktdesigns. Das Projekt hat ein Möbelstück von eindrucksvoller Formensprache hervorgebracht, das beispielhaft zeigt, wie zukunftsweisendes Design immer mehr durch die Forschungsimpulse des Nachwuchses entstehen kann.

Jedes Jahr vergibt der Rat für Formgebung in Mailand den internationalen Newcomer-Preis „one&twenty“, bisher bekannt als „ein&zwanzig“, für herausragende Entwürfe junger Designerinnen. Unter den 545 Einreichungen der Designstudierenden und Absolventinnen prämiert eine renommierte Jury die 21 besten Produkt- und Projektideen. Eines der Projekte erhält außerdem die Sonderauszeichnung „Best of Best“. Die Projekte der Gewinner*innen sind einsehbar unter: http://one-and-twenty.de/

Best of Best: Biozement – Baustoff aus dem Labor

Der noch vielerorts unbekannte Biozement weist einige Vorteile gegenüber dem klassischen Zement auf, der mit immensen Folgen für das Klima in der Baubranche eingesetzt wird. Zum einen benötigt dessen Herstellung große Mengen an Hitze und somit Energie. Zum anderen wird bei der chemischen Reaktion im Zementofen Kohlendioxid freigesetzt. Biozement muss nicht gebrannt werden und emittiert weniger CO2, da es mithilfe eines Bakteriums hergestellt wird, das Urea abbaut und Kalk herstellt. Ein Rohstoff wie Sand vermischt mit Calciumchlorid erhärtet mithilfe dieses Prozesses ohne Brennvorgang. Gerlach und Huhnholz verzichteten für ihren Entwurf zudem auf Sand. Dieser wird durch die hohe Zement- und Betonproduktion immer knapper – weltweit werden jährlich circa 50 Milliarden Tonnen Sand verbraucht, so ein UN-Bericht. Stattdessen recycelten die Designer*innen Ziegelsteine, die auf ihrem Hochschulgelände nicht mehr gebraucht wurden.

Forschungsprojekt: Vom Material zum Möbelstück

Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach widmeten sich dem Biozement im Zuge ihres Designstudiums – ohne vorherige Erfahrungen in der Mikrobiologie. Zunächst erforschte das Duo die Zement-Alternative und entwickelte im zweiten Schritt in monatelangen Versuchen eine komplexe Maschine, die ihnen half, die mehrstufige Produktion zu vereinfachen. Die Bakterien müssen unter anderem alle zwei Stunden „gefüttert“ werden. Im Nachgang erarbeiteten Gerlach und Huhnholz Methoden zur Formgebung von Biozement. Die geschwungenen Konturen ihres Möbelstücks erreichten sie durch eigens hergestellte Schalen, die sie im 3D-Druck fertigten – in diesen erhärtet die Biozement-Masse. „Unser Ziel war es, dieses Material durch unser Objekt erlebbar und verständlich zu machen“, so das Duo. Lutz Dietzold, Geschäftsführer des Rat für Formgebung, ist überzeugt: „Immer mehr Unternehmen müssen dem Ruf nach ressourcenschonenden Materialalternativen folgen und ihre Produktionsprozesse überdenken. Deswegen sind die Impulse der Jungdesigner*innen auch für die Einrichtungsbranche relevant und richtungsweisend.“

„The Essence of Biocement“ sowie die weiteren 20 Winner-Projekte sind noch bis zum 23. April in der mailändischen Zona Tortona (Via Tortona 31, Opificio 31) ausgestellt. Das Design der Ausstellung stammt von dem dänischen Studio TABLEAU.

Die one&twenty Winner 2023:

Best of Best:

Projekt: The Essence of Biocement
Designer*in: Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach/Deutschland
https://www.friedrichgerlach.de
https://www.instagram.com/ju.huhn

Winner:

Projekt: NakedPak
Designer*in: Naama Nicotra/Israel
https://naamanicotra.com

Projekt: Woven Change, Shifting Expressions
Designer*in: Sophie Jungkvist/Schweden
https://sophiejungkvist.myportfolio.com

Projekt: E2022
Designer*in: Tim Schütze/Deutschland
http://timschuetze.com

Projekt: cellular – the breathing facade tile
Designer*in: Vivian Tamm/Deutschland
https://viviantamm.com

Projekt: GRAT
Designer*in: Jan Wagemann und Julia Ribic/Deutschland und Kroatien
https://www.jan-wagemann.de
https://www.instagram.com/juliaribic/

Projekt: Individualisierbare Urnen
Designer*in: Cora Schmidt

Projekt: Urban Coolspo
Designer*in: Julia Sulikowska/Polen
https://kh-berlin.de/projekte/projekt-detail/3630

Projekt: Maßbandleuchte
Designer*in: Josua Roters/Deutschland
https://josuaroters.de

Projekt: NOMAD – solar lamp
Designer*in: Moritz Walter und Michelle Müller/Deutschland
https://www.moritz-walter.com/nomad.html
https://www.instagram.com/m__miclle/

Projekt: DSR_01
Designer*in: David Blumberg/Deutschland
http://davidblumberg.de

Projekt: Vaask: System zur Liegend-Haarwäsche immobiler Menschen
Designer*in: Helena Kiefer/Deutschland
https://www.instagram.com/helenakiefer.design/

Projekt: Woven Forms
Designer*in: Leonie Burkhardt/Deutschland
https://www.leonieburkhardt.com

Projekt: teg-radio
Designer*in: Justus Hilfenhaus/Deutschland
http://www.justushilfenhaus.com

Projekt: AIROLID
Designer*in: Magdalena Fahrner/Deutschland
https://www.instagram.com/magdalena.fahrner/

Projekt: scoria
Designer*in: Marc Roman Page/Deutschland
https://marcromanpage.com

Projekt: Philips One – Products as a Service
Designer*in: Jakob Kohnle und Stijn van Cuijk/Deutschland und Niederlande
https://stijnvancuijk.com

Projekt: Expandable rug
Designer*in: Emma Tietze/Deutschland
https://www.linkedin.com/in/emma-tietze-9a3823249/

Projekt: Elevation Lamp
Designer*in: Alexander Schul/Deutschland
http://alexanderschul.com

Projekt: Bing!
Designer*in: Manuel Steffan/Deutschland
https://www.instagram.com/manuelsteffan_/

Projekt: 2Light
Designer*in: Felix Pape/Deutschland
https://www.instagram.com/felix_pape/

Pressemitteilung: Rat für Formgebung

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