6. Februar 2023

Klimaneutraler Neubau mit Betonfertigteilen

Prof. Angelika untersucht in ihrem Teilprojekt unter anderem das Potenzial zur Erreichung von Energie- und Klimaschutzzielen (Foto: BTU, Ralf Schuster)

Cottbus (pm) – In einem interdisziplinären EU-Projekt erarbeiten Forschende und Unternehmen aus Finnland, Schweden und den Niederlanden gemeinsam mit BTU-Professorin Angelika Mettke innovative Technologien und digitale Tools für die Wiederverwendung von Beton aus Abrissbauten.

Ob beim Bau neuer Brücken, Hochhäuser oder Straßen: Beton ist aus der Bauindustrie nicht mehr wegzudenken. Für das Klima ist das ein Problem. Denn bei der Herstellung wird eine große Menge des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. Im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „ReCreate – Reusing precast concrete for a circular economy“ untersucht Prof. Dr. Angelika Mettke, Arbeitsgebiet Bauliches Recycling, an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) wie bereits verbaute Betonelemente beschädigungsfrei rückgebaut und in neuen Gebäuden wieder verwendet werden können.

 

Das Projektteam an der BTU Cottbus-Senftenberg (von links nach rechts): Jakob Fischer, Viktoria Arnold, Prof. Angelika Mettke (Koordinatorin und Arbeitsgebietsleiterin), Christoph Henschel (Foto: BTU, Ralf Schuster)
Das Projektteam an der BTU Cottbus-Senftenberg (von links nach rechts): Jakob Fischer, Viktoria Arnold, Prof. Angelika Mettke (Koordinatorin und Arbeitsgebietsleiterin), Christoph Henschel (Foto: BTU, Ralf Schuster)

 

Aufgrund der hervorragenden Eigenschaften von Beton wird der Baustoff auf der ganzen Welt eingesetzt. Beton ist beliebig formbar, haltbar und wirtschaftlich. Doch wie lässt sich der CO2-Fußabdruck des Baustoffs vermindern? Das Bindemittel Zement verursacht mit über 90 Prozent den größten Teil der CO2-Emissionen bei der Herstellung Beton.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das zirkuläre Bauen zunehmend an Bedeutung. „Die Wieder- und Weiterverwendung gebrauchter Betonbauteile spart bis zu 97 Prozent an CO2-Emissionen ein, die bei der Herstellung von Betonelementen entstehen“, sagt Prof. Dr. Angelika Mettke. „Zudem wird der industriell errichtete Gebäudebestand zum Ressourcenreservoir für künftige Bauvorhaben, dem Urban Mining.“

Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, eine digitale Datenbank zu etablieren, die es ermöglicht, demontierte Betonelemente bei zukünftigen Bauvorhaben passgenau abrufen zu können. Baurechtliche Regelungslücken sollen für bereits in Nutzung gewesene beziehungsweise gebrauchte Betonbauteile als Bauprodukte erfasst und anerkannt werden. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler*innen unter anderem an der Herausgabe einer entsprechenden DIN SPEC, einer Art Vorstufe zur DIN NORM, mit.

Über das Projekt

Das auf vier Jahre angelegte internationale Forschungsprojekt wird im Rahmen des EU-Programms Horizont 2020 mit insgesamt 12,5 Millionen Euro gefördert. Die Projektkoordination hat die Tampere University in Finnland inne. Weitere Projektpartner sind die Königliche Technische Hochschule Stockholm in Schweden und die Technische Universität Eindhoven in den Niederlanden. Kommunikationspartner ist das Green Building Council aus Kroatien.
Das deutsche Projekt leitet und koordiniert Prof. Dr. Angelika Mettke, Arbeitsgebiet Bauliches Recycling, an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Die BTU wird in Höhe von 2,01 Millionen Euro gefördert.

Renommierte Unternehmen der Bauwirtschaft sind im Cluster in Deutschland involviert:

  • Ecosoil Ost GmbH: Demontage und Remontage
  • P. Jähne Ingenieurbüro GmbH: statische Berechnung neuer Verbindungselemente und Baudokumentation

Pressemitteilung: Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg