22. Juni 2024

Jury trifft Entscheidung im Realisierungswettbewerb für das künftige Exilmuseum Berlin

Berlin (pm) – Die Entscheidung für die Architektur des künftigen Exilmuseums Berlin am Anhalter Bahnhof ist gefallen. Eine zehnköpfige Jury, bestehend aus Architekt*innen und Vertreter*innen aus Politik und Gesellschaft, hat beim Preisgericht am 13. August 2020 aus neun eingereichten Entwürfen einen Sieger gekürt. Gewonnen hat das Büro Dorte Mandrup aus Kopenhagen. Zur Realisierung des Neubaus unter Einbeziehung der Portalruine am Anhalter Bahnhof wurden zehn international renommierte Architekturbüros mit Erfahrung im Museumsbau eingeladen. Die Eröffnung des neuen Museums ist für 2025 geplant.

 

1. Preis:
Dorte Mandrup Arkitekter A/S, Kopenhagen
Verfasserin: Dorte Mandrup
Mitarbeiter*innen: Lars Almgren, Lise Gandrup Jørgensen, Senta Schrewe, Otto Lutz Lundberg, Amalie Rafn Mogensen, Jiakun He
Berater, Fachplaner, Sachverständige: Dipl.-Ing. Martin Rein-Cano (Landschaftsarchitekt, Topotek 1); Sebastian Nagel (Architekt und Ingenieur, Höhler+Partner Architekten); Paul Roberts (Ingenier, Buro Happold Engineering)

 

2. Preis:
Diller Scofidio + Renfro New York

 

3. Preis:
Bruno Fioretti Marquez, Berlin

 

In der Auslobung des Wettbewerbs wurden die Architekturbüros gebeten, ca. 3.500 qm Nutzfläche einzuplanen, um allen Bereichen des Museums wie Dauerausstellung, Sonderausstellungen, Gastronomie und Museumsvermittlung Platz zu geben. Auch ist im Foyer ein eintrittsfrei zugänglicher „Raum des Ortes“ geplant, in dem die Geschichte des Anhalter Bahnhofs beleuchtet wird. Darüber hinaus sind ca. 700 qm Fläche für Freizeit- und Kulturangebote durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und Dritte vorgesehen. Laut Auslobung wird derzeit von Baukosten von rund 27 Millionen Euro für Baukonstruktion und technische Anlagen ausgegangen.

Das künftige Exilmuseum nimmt in seiner Dauerausstellung jene Menschen in den Blick, die aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten fliehen konnten und im Ausland Zuflucht suchten. Dieses Thema blieb im Nachkriegsdeutschland lange vernachlässigt und war ein Nebenthema im Schatten der Erinnerung an den Holocaust. Die Flucht- und Migrationsbewegungen der jüngeren Zeit haben eine neue Sensibilität für Vertreibung, Emigration, Exil und Völkermord geweckt. Sie lassen auch einen neuen Blick in die deutsche Vergangenheit zu. Das Exilmuseum wird sich im Kern mit dem Exil nach 1933 beschäftigen, aber stets mit einem Brückenschlag ins Heute. Vor allem die Frage nach der menschlichen Erfahrung des Exils bringt die Exilgeschichten verschiedener Zeiten und Orte zusammen.

Neben den historischen Fakten und Zusammenhängen werden viele Einzelbiografien vorgestellt und die verschlungenen, tragischen und überraschenden Lebenswege von Exilant*innen nachgezeichnet. Dabei wird sich das Museum weniger auf das Ausstellen von Objekten konzentrieren, sondern sehr medial und mit szenografisch inszenierten Räumen arbeiten. So soll eine Nahsicht auf das Thema erzeugt und die Exilgeschichte unmittelbar erfahrbar gemacht werden.

Im Rahmen einer Ausstellung werden alle neun eingereichten Architekturentwürfe für das Exilmuseum Berlin vom 29. September bis zum 17. Oktober 2020 in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße gezeigt.

Pressemitteilung: ARTEFAKT Kulturkonzepte