27. November 2022

Interview mit Vanja Schneider über das Cradle to Cradle Projekt Moringa in der HafenCity Hamburg

In der HafenCity Hamburg entsteht das von kadawittfeldarchitektur entworfene Moringa Ensemble in Wasserlage am Baakenhafen. Das begrünte Holzhybrid-Wohnhaus besteht aus 3 Baukörpern mit bis zu 12 Vollgeschossen, davon sind etwa 17.700 m2 für Wohnen bestimmt. Darüber hinaus sind Gemeinschaftsflächen, KiTa, Gastronomie und Co-Working vorgesehen. Das Ensemble nimmt die Rolle als Vorzeigeobjekt für einen richtungsweisenden Bau ein. Es ist das erste Wohnhochaus deutschlandweit, das nach dem Cradle to Cradle Prinzip geplant wurde.
Bau- und Wirtschaftsingenieur Vanja Schneider ist Geschäftsführer der zum Unternehmensverbund der Aachener Landmarken AG zugehörigen Moringa GmbH, die dieses besondere Vorhaben realisiert.

 

Vanja Schneider (c) Moringa GmbH
Vanja Schneider (c) Moringa GmbH

 

Moringa ist der Name einer strauch- und baumartigen Pflanzengattung, die unter anderem in Afrika vorkommt. Ist der Name eine Erfindung des Marketings oder steht dahinter eine Geschichte?

Vanja Schneider: Die Idee für diese Namensgebung ist von unserer großen Schwester, der Landmarken AG, entstanden und leitet sich von dem von der Unesco ausgezeichneten „Wunderbaum“ Moringa Olifeira ab. Diese Pflanze gilt als sehr nahrhaft und gesundheitsfördernd, da sie nahezu alle Nährstoffe enthält, die der menschliche Körper benötigt und darüber hinaus auch noch Krankheiten vorbeugen soll. Außerdem ist der Baum sehr witterungsbeständig und kann den afrikanischen Temperaturen trotzen. Der Name ist demnach Programm.

 

Die Moringa GmbH verschreibt sich als Projektentwickler dem Cradle to Cradle Prinzip. Das Moringa Ensemble in der HafenCity Hamburg ist das Pilotprojekt und befindet sich derzeit in der Bauphase. Wieviel und hauptsächlich welches Material kann nach der Nutzungsdauer wieder in den ökologischen und technischen Kreislauf zurückgeführt werden?

Vanja Schneider: Ich bin inzwischen 8 Jahre mit diesem Bauprinzip vertraut und stelle erfreulich fest, dass sich die Branche erkennbar weiterentwickelt hat und es heute sehr viele passende technische Lösungen gibt, die kreislauffähig sind. Insbesondere im Bereich der Bau- und Ausstattungsmaterialen der KGR 300 nach DIN 276 haben die meisten Hersteller erkannt, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Es werden neue Produkte entwickelt werden, die CO2 arm produziert und nach Gebrauch unkompliziert sowie zerstörungsfrei demontiert werden können.

Wir gehen da ganz gezielt auf diejenigen Hersteller zu, die die passenden Antworten darauf haben und vereinbaren bereits in einer frühen Projektphase Rahmenvereinbarungen, über die nicht nur die Bereitstellung der ökologischen Qualität geregelt wird, sondern zugleich auch die Rücknahme des Materials nach Gebrauch verpflichtend vereinbart ist. Somit stellen wir heute bereits den geschlossenen Kreislauf sicher. Über diese Herangehensweise können wir nach derzeitigem Planungsstand bis zu ca. 70 % der Bau- und Ausstattungsmaterialien der KGR 300 leicht demontierbar, sortenrein trennbar und somit wiederverwendbar konzipieren. Die technische Ausstattung KGR 400 ist da leider noch nicht so weit und wie ich finde bisher auch nicht kreativ genug. Low Tech ist da nur eine Teilantwort. Warum stellen Gerätehersteller z.B. keine Lüftungsgeräte her, bei denen das Gerät oder zumindest einzelne Komponenten daraus wiederverwendet werden können?

 

Kann das Cradle-to-Cradle Konzept verhindern, dass am Ende der Kreislaufwirtschaft doch die thermische Wiederverwertung steht?

Vanja Schneider: Das muss das Ziel sein. Wir bauen ja idealerweise für die Ewigkeit. Wir schauen bei der Anwendung des Cradle-to-Cradle Prinzips v.a. auf Instandhaltungen, Revisionen und Umbauten, die während des Lebenszyklusses anstehen und vermeiden somit Abfallaufkommen, Ressourcenverschwendung und thermische Wiederverwertung. Dass Materialien ewig einsetzbar und wiederverwendbar sind, ist aktuell und in den meisten Fällen noch eine Idealvorstellung, da es noch zu wenig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Veränderung der Materialeigenschaft im Laufe des Lebenszyklusses gibt. Aber auch hierzu stelle ich erfreulicherweise fest, dass die Hersteller den Weg der Kreislaufwirtschaft und der Rücknahme trotzdem pragmatisch mitdenken und mitgehen. Das Moringa Gebäude nimmt für diese Hersteller sogar eine Art Laborfunktion wahr, bei dem die Frage der Veränderung der Materialeigenschaft aus Sicht der Hersteller bewertet und beantwortet werden kann und wichtige Erkenntnisse für die Wiederverwendung gewonnen werden.

 

 

(c) Moringa GmbH
(c) Moringa GmbH

 

Werden auch Materialien mit recyceltem Anteil verbaut?

Vanja Schneider: Ja. Sekundärmaterial kommt im Bereich der Klinkerfassade, im Innenausbau und in der Inneneinrichtung zu Tragen. In Summe etwa 10 % der Gebäudemasse. Der geringe Anteil zeigt, dass recyceltes Material aktuell leider noch nicht so verfügbar ist, wie wir es z.B. bei einem Gebäudekomplex mit über 20.000 m² benötigen. Das wird sich perspektivisch deutlich verbessern und die Kreislaufwirtschaft wird ja auch den nötigen Beitrag dazu beisteuern. Die Professionalisierung nimmt wie bereits erwähnt deutlich zu und wird durch entsprechende Anbieter, wie concular oder restado, sinnvoll ergänzt. Wir müssen jedoch dahin kommen, dass wir für unsere Gebäude einen Materialpass verpflichtend erstellen, aus dem die Materialeigenschaft, der anstehende Zeitpunkt der Demontage und die Wiederverwendungsmöglichkeiten ablesbar sind. Neben einem „Abbruchkataster“ wäre das eine wesentliche Grundlage, Materialverfügbarkeiten transparent zu machen und das gebrauchte Material der Branche bereitzustellen.

 

Das Moringa hat an den Fassaden und Dächern mehr begrünte Fläche als das bebaute Grundstück Quadratmeter hat. Das ist keine Pflicht, die sich aus den Vorgaben des Bebauungsplanes ergibt. Welchen Beitrag leistet die Begrünung?

Vanja Schneider: Wir erfahren in unseren Städten eine zunehmende Versiegelung von Grundstücken. Statistiken belegen, dass in den letzten Jahren der Anteil an überbauten Grünflächen deutlich zugenommen hat. Das heisst, es wird der Umwelt bewusst Biomasse weggenommen und diese durch z.B. Stein oder Beton ersetzt. In vielen Fällen führt das dazu, dass nicht nur der Temperaturanstieg noch stärker beeinflusst wird, sondern auch die Luftqualität darunter leidet. Wir wollen mit unserem Ansatz bewusst einen sichtbaren Gegentrend dazu setzen.

Inzwischen denken auch einige Kommunen und Städte darüber nach, dass „Zubetonieren“ von Vorgärten zu untersagen. Z.B. denkt die Stadt Frankfurt darüber nach, künftig alle Bauherren von Hochhausneubauten zu verpflichten, vertikale Fassadenflächen zu begrünen. Ich persönliche finde das mit Blick auf unsere Klimaziele richtig. Neben dem ökologischen Aspekt zu den Grünfassaden sehe ich aber auch einen gesundheitsfördernden Ansatz. Gerade in verdichteten urbanen Lagen ist es für Psyche und Stressabbau förderlich, wenn natürliches Grün im direkten Umfeld vorhanden ist und man nicht auf den grauen Beton schauen muss.

 

Einer der Baukörper hat 12 Vollgeschosse. Was war die größere Herausforderung im Brandschutz für das Hochhaus, die Holzhybrid-Bauweise oder die begrünte Fassade?

Vanja Schneider: Die Stadt Hamburg ist da sehr erfahren im Umgang mit Brandschutzanforderungen zum Holzmaterial. Die Vorgaben an das Brandschutzkonzept sind sehr unkompliziert. Ganz anders sieht es da bei der Grünfassade aus. Zugegebenermaßen mache ich das in Hamburg auch zum ersten Mal. Allein in der Planungsphase waren hier insgesamt 6 Fachdisziplinen involviert: neben dem Landschaftsarchitekten haben wir einen auf das Brandverhalten von Grünfassaden spezialisierten Brandschutzsachverständigen involviert, einen Windgutachter, der Rückschlüsse auf die Konstruktion liefert, einen Biologen, der uns bei der richtigen Pflanzenauswahl behilflich ist, einen FM-Berater, der uns bei der Ausarbeitung eines effizienten Pflegekonzeptes unterstützt und nicht zuletzt einen Fachmann für Biodiversität, damit wir auch Antworten auf die durch die Grünfassade angezogene Fauna erhalten, beauftragten müssen.

Darüber hinaus haben wir uns freiwillig dazu entschieden, bis zu 6 Jahre im Betrieb ein Monitoring der Grünfassade zu machen, bei dem in regelmäßigen Abständen Luftqualität und Temperatur gemessen und mit einem Referenzgebäude abgeglichen wird. Insbesondere sollen dabei Erkenntnisse für künftige Grünfassaden gewonnen werden.

 

Gebäudeensemble dieser Größe brauchen ein eigenes Energiekonzept. Wieviel Energie wird der Gebäudekomplex mit 20.000 m2 BGF verbrauchen? Wie wird sie erzeugt?

Vanja Schneider: Die HafenCity Hamburg ist da sehr vorbildlich ausgestattet. Wir haben in diesem Quartier einen Fernwärmeanschluss, welcher 92 % seines Primärenergiebedarfs über erneuerbare Energien einspeist. Darüber hinaus haben wir auf den Dachflächen eine Photovoltaikanlage und reduzieren den Energieverbrauch über eine Wärmerückgewinnungsanlage. Die Anforderungen an das Gebäudeenergiegesetz und die damit einhergehende Förderung werden selbstverständlich erfüllt.

Allerdings haben wir uns zum damaligen Zeitpunkt bewusst gegen eine signifikante Unterschreitung der Vorgaben (z.B. GEG 40 EE) entschieden, da wir die Wärmedämmschicht hätten deutlich stärker ausführen müssen, was zum einen gegen das cradle-to-cradle Prinzip spricht und außerdem ein signifikanter Mietflächenverlust bedeuten würde. Allein dieses Beispiel zeigt auf, wie komplex die Abwägungen zwischen ökologischen und ökonomischen Aspekten ist. Das Gebäudeenergiegesetzt ist mir da mit Verlaub auch zu einseitig, da es leider „nur“ auf die Reduzierung des Energieverbrauchs ausgerichtet ist und Vermeidung von Abfallaufkommen, Ressourcenverschwendung und Reduzierung von CO2-Emissionen nicht betrachtet werden. In vielen Fällen werden durch diese Vorgaben auch Wärmedämmverbundfassaden ausgelöst, die aus zusammengeklebten Materialschichten bestehen, die teilweise gesundheitsschädlich sind und am Ende des Lebenszyklus auf der Sondermülldeponie entsorgt werden müssen. Das finde ich nicht sehr nachhaltig.

 

 

Moringa in der HafenCity
(c) Moringa GmbH

 

 

Das Thema Nachhaltigkeit steht bei vielen Unternehmen auf der Agenda. Wie sieht die Zusammenarbeit hinsichtlich der Reduzierung von Treibhausgasen und der Optimierung des Materialeinsatzes in der Praxis mit Planern und bauausführenden Unternehmen aus?

Vanja Schneider: Auch hierzu stelle ich erfreulich fest, dass es inzwischen eine sehr breite Fachexpertise unter Planern und Fachingenieuren im Bereich der ressourcenschonenden Bauweise gibt. Die Akteure haben nicht nur erkannt, dass Handlungsbedarf besteht und wir uns in einem dringend erforderlichen Schwellenprozess befinden. Vielmehr geht es dabei auch um die Identität des Unternehmens bzw. des Projektteams. Insbesondere für Mitarbeitergewinnung und -motivation ist es förderlich, Mitglied eines Unternehmens oder Teams zu sein, welches für die Planung und Umsetzung zukunftsweisender und ökologisch anspruchsvoller Projektvorhaben tätig ist.

Ebenso stelle ich fest, dass sich die bauausführenden Unternehmen zunehmend diesem Prinzip öffnen; was nicht zuletzt durch die aktuelle Materialknappheit ausgelöst wird. Wenn ich doch ein Gebäude wie ein Rohstofflager konzeptioniere, habe ich zumindest perspektivisch eine Antwort auf die Verfügbarkeit von Materialien. Die bauausführenden Unternehmen haben das erkannt und es leiten sich daraus zukünftig Wettbewerbsvorteile und neue Geschäftsmodelle ab.

 

Welche Erfahrungen haben Sie in der Planung dieses nachhaltigen Cradle to Cradle Gebäudes gemacht, auch im Gegensatz zu konventionellen Projektentwicklungen?

Vanja Schneider: Der wesentliche Unterschied zu konventionellen Projekten liegt darin, dass ich mir bereits in einer sehr frühen Planungsstufe – idealerweise noch im Vorentwurf – Gedanken über Konstruktionsweisen und Materialien machen muss. Wenn ich doch einem Architekten vorgebe, mindestens eine zu 100 % reziklierbare Fassade zu planen, müssen leicht demontierbare Konstruktionen und die damit einhergehenden passenden Materialien berücksichtigt werden. Üblicherweise werden diese Planungsvorgaben erst in der Ausführungsplanung abgearbeitet. Bei unserem Hamburger Projekt haben wir uns für eine elementierte, nicht tragende Vorhangfassade entschieden, deren äußere Schicht ein cradle-to-cradle zertifizierter Keramikstein ist und die innere Schicht komplett aus Holz besteht. Leider ist diese Herangehensweise in der HOAI nicht abgebildet und es kommen dazu häufig unnötige Diskussionen auf.

 

Wurde das Projekt mit BIM und / oder einem virtuellen Datenraum geplant?

Vanja Schneider: Einen virtuellen Datenraum haben wir für alle Beteiligten bereitgestellt. BIM wird bei diesem Projekt aus unterschiedlen Gründen heraus leider nicht angewendet. Spätestens aber bei den folgenden Projekten ist BIM obligatorisch. BIM und Cradle-to-Cradle gehören aus meiner Sicht unbedingt miteinander verknüpft. Neben den Vorteilen in der Abstimmung der komplexen Planungsprozesse sehe ich v.a. BIM als eine sinnvolle Ergänzung zu einem Gebäudepass, bei dem ich Materialinformationen z.B. zur ökologischen Eigenschaft und der Demontage des jeweiligen Materials sehr gut integrieren kann.

 

Sind Änderungen des Planungs- und Bauordnungsrechts sowie des technischen Regelwerks erforderlich, um derartige Vorhaben einfacher umzusetzen?

Vanja Schneider: Ja, das ist längst überfällig. Die einzige gesetzliche Verpflichtung, die uns zwingt, Gebäude ökologisch nachhaltig zu planen, zu bauen und zu bewirtschaften, ist das GEG Gebäudeenergiegesetz. Das ist nach meinen Erfahrungen heraus aber, wie bereits erwähnt, zu wenig. Wir benötigen zusätzlich Vorgaben an CO2-Reduktion und an die Höhe des Anteils an reziklierbarem Material. Ich finde die fehlenden gesetzlichen Vorgaben politisch gesehen sehr fraglich, da wir in der Bau- und Immobilienwirtschaft mit einem Anteil von über 50 % am weltweiten Abfallaufkommen, 40 – 50 % Ressourcenverbrauch sowie knapp 40 % CO2 Emmissionen hauptverantwortlich für unsere Umweltprobleme sind. In anderen Branchen, wie z.B. der Automobilindustrie, gibt es verpflichtend einzuhaltende Vorgaben an den CO2-Ausstoß in der Produktion und im Betrieb. Warum nicht für uns?

Außerdem richten wir uns heute bei der bauphysikalischen Ausrichtung von Gebäuden nach Extremwitterungsverhältnissen (-10° / + 36°). Tendenz aufgrund der Klimaveränderung leider steigend. Das führt jedoch dazu, dass wir die Gebäudehülle dicker dämmen und die Innenräume stärker klimatisieren, beheizen und lüften müssen. Die Konsequenzen daraus sind: höhere Baukosten, mehr Energiebedarf, mehr ungesundes Material, höhere Produktionsmasse zur Herstellung der Geräte und somit höherer CO2-Ausstoß etc. Diese Extremwetterverhältnisse kommen über das Jahr verteilt aber vielleicht nur zu ca. 20 % vor. Warum gehen wir nicht hin und reduzieren diese Vorgaben. Es gibt inzwischen gute Praxisbeispiele, wie man über low-tech und Verzicht auch einen entsprechenden Komfort bieten kann. Hierzu verweise ich u.a. auf das bereits im Jahre 2014 fertiggestellte Bürogebäude von Baumschläger Eberle Architekten im österreichischen Lustenau oder das Forschungsprojekt von Architekt Florian Nagler in Bad Aibling.

 

Unter welchen Voraussetzungen lassen sich zukünftig mehr Gebäude dieser Art errichten? Wie lassen sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinen?

Vanja Schneider: Insbesondere in heutigen Zeiten ist das eine sehr gute Frage. Nach meinen Erfahrungen ist die ökologische Bauweise im Vergleich zur konventionellen bis zu 30 % teurer. Das liegt zum einen an der Komplexität des Planungsaufwandes und der damit einhergehenden sehr speziellen Fragestellungen und zum anderen an den aktuell noch bestehenden hohen Materialpreisen. Beispielsweise ist ein CO2-reduzierter Beton heute leider teurer als ein konventionelles Produkt.

Wir müssen aber insgesamt endlich davon wegkommen uns zu fragen, was uns Investitionen in Nachhaltigkeit kosten, sondern wir müssen dahin kommen uns zu fragen, was es uns kostet, wenn wir das nicht tun. In dieser banalen Aussage ist viel vereint. Hierzu müssen wir unsere Finanzwelt „radikal“ nach Nachhaltigkeitsansätzen ausrichten. Unsere etablierten Wertermittlungen für Gebäude sehen heute eher eine stichtagsbezogene Herangehensweise vor: Summe der Planungs- und Baukosten (= Sachwert) oder alternativ Mietertrag mal Jahresrohertragsvervielfältiger (= Ertragswert). Unsere Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen müssen vielmehr auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ausgerichtet werden, bei dem Rohstoffrestwerte und CO2-Reduktionen eine wesentliche wertbeeinflussende Größe darstellen. Wenn wir da mal angekommen sind, stellt sich die Frage nach den Mehraufwendungen nicht mehr. Die EU-Taxonomieverordnung ist ein erster richtiger und sinnvoller Schritt. Das ist aber nur eine Vorstufe. Künftig werden die Gebäude, die CO2 arm geplant, gebaut und bewirtschaftet werden, belohnt und die Gebäude, die das nicht vorweisen eher bestraft.

 

Was geben Sie Bauherrn auf den Weg, die ebenfalls so ein nachhaltiges Projekt realisieren wollen?

Vanja Schneider: Wir sind als Hauptverursacher für unsere Umweltprobleme aber gleichzeitig auch verantwortlich, Teil der Lösung zu sein. Ich kann jeden Bauherrn nur animieren, mutig zu sein und diesen Weg konsequent mitzugehen.

 

Vielen Dank für das Interview.