Stuttgart / Bad Saulgau / Erding (pm) – Das Architekturbüro LRO GmbH & Co. KG, Stuttgart, realisiert im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) gemeinsam mit dem Unternehmen Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau, den Neubau des Zentraldepots für das Deutsche Museum in Erding. Die beiden Partner haben den Zuschlag für dieses technologisch anspruchsvolle Großprojekt erhalten, das die langfristige Sicherung nationaler Kulturgüter gewährleistet.
Der offizielle Baustart ist für den 14. September 2026 geplant.
Ein sicheres Fundament für die Technikgeschichte
Das Gebäude dient künftig als zentrale Lager-, Restaurierungs- und Arbeitsstätte für die Schätze des Deutschen Museums und stärkt den Standort Erding als zentralen Forschungs- und Depotstandort.
Zunächst werden auf fünf Vollgeschossen rund 14.180 qm hochmoderne Depotfläche umgesetzt, dazu Funktionsflächen für Exponatanlieferung, Digitalisierung, Konservierung und Restaurierung mit gut 3.000 qm.
Besonderes Augenmerk liegt auf der zukunftsorientierten Architektur: Das Gebäude ist modular konzipiert und kann mit den Anforderungen der Sammlung wachsen. Die Planung ermöglicht eine flexible Erweiterung der Nutzfläche auf bis zu 44.700 qm. Die Gesamtgröße des Gebäudes ergibt sich aus der maximalen Ausnutzung des Grundstücks unter den Vorgaben des Bebauungsplans.
Erschließung
Der vorgelagerte Vorplatz ist gegenüber der Straße abgeschirmt und bildet einen geschützten Außenraum mit Aufenthaltsqualität zum Ankommen und Verweilen. Gemeinsam mit der klar konturierten Ostfassade entsteht ein prägnanter erster Eindruck, der sowohl die Wertigkeit des Gebäudes als auch seine Zugehörigkeit zum Deutschen Museum vermittelt.
Die Hauptpforte an der Gebäude-Ostseite überblickt die Anlieferzufahrt und den Personeneingang am verbindenden Vorplatz. Von hier aus kann, je nach Anliegen oder Berechtigung, in die gesicherten Bereiche weitergeleitet werden. Über kurze Wege sind in den oberen Geschossen eines Kopfbaus u. a. die Projekträume, der Verwaltungs- und der Konservierungsbereich erreichbar.
Die minimierten Erschließungsflächen sind in allen Geschossen klar, logisch und einheitlich organisiert. Entlang der Nordfassade verläuft ein großzügiger, mit Tageslicht versorgter Flur, der Depotflächen, Treppenhaus und Aufzüge sowie dienende Räume einbindet.
Effiziente Konstruktion
Die klare und einfache Konstruktion in Stahlbeton-Skelettbauweise mit aussteifenden Kernen ist Grundlage für die wirtschaftliche und materialsparende Herstellung. Modularität und Verwendung von Betonfertigteilen gewährleisten ausreichende Steifigkeit und Tragfähigkeit sowie eine hohe Ausführungsqualität bei schneller Montage.
Das Stützenraster mit einem lichten Stützenabstand von 7,80 m erweist sich im Hinblick auf die maximale Ausnutzung der Brandabschnittsgrößen als besonders effizient und ermöglicht gleichzeitig eine hohe Flexibilität, auch bei der Aufstellung von Rollregalen.
Die vorfabrizierten Fassadenelemente aus einer recycelten Aluminiumwelle und Betonfertigteilplatten im geschosshohen Sockelbereich ermöglichen eine langlebige, robuste und pflegeleichte Fassade, die zur Reduktion von Betriebs- und Wartungskosten beiträgt und im Sockelbereich auch eine Begrünung erlaubt.
Der Eingangsbereich zeigt den Schriftzug des Deutschen Museums, ein markanter Balkon mit vorstehender Rundung prägt das Erscheinungsbild und definiert den Zugang.
Gezielt gesetzte Fassadenöffnungen sind im Sinne einer energieeffizienten Gebäudehülle auf das funktional erforderliche Mindestmaß reduziert.
Nachhaltigkeit und Low-Tech im Fokus
Ein zoniertes Klimakonzept mit in sich geschlossenen klimatischen Einheiten sowie ein Schwerlast-Logistiksystem stellen sicher, dass empfindliche Instrumente ebenso fachgerecht gelagert werden können wie tonnenschwere Maschinen.
Nachhaltigkeit spielt beim Neubau eine zentrale Rolle: Das Konzept setzt auf eine wartungsarme „Low-Tech“-Bauweise, den Einsatz von Recyclingbeton sowie Photovoltaikanlagen auf dem teilbegrünten Dach. Der Einsatz von nur wenig Anlagentechnik ermöglicht Wirtschaftlichkeit in Bau und Betrieb, genauso wie die serielle Bauweise in klarer, kompakter Struktur mit minimierter Erschließung, durchdachten Schachtführungen und gezielt gesetzten Fassadenöffnungen.
ÖPP
Die Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau, wird das Zentraldepot für das Museum nicht nur planen und bauen, sondern auch finanzieren und betreiben. Das Deutsche Museum wird die Finanzierungskosten über einen Zeitraum von 25 Jahren ablösen. Die bisherigen Kosten für angemietete Depotflächen werden dadurch eingespart.
Die bauliche Fertigstellung ist für den 10. November 2028 vorgesehen, die feierliche Übergabe erfolgt am 8. Dezember 2028.
Wolfgang Müller, Geschäftsführer der Georg Reisch GmbH & Co. KG., fasst zusammen: „Wir schaffen in Erding den hochspezialisierten baulichen Rahmen, der notwendig ist, um nationale Technikgeschichte für künftige Generationen zu sichern und Spitzenforschung zu ermöglichen.“
Katja Pütter, geschäftsführende Gesellschafterin der LRO GmbH & Co. KG., betont:
„Die Aufgabe an sich ist spannend und nicht alltäglich: Es geht darum, unter Einsatz von nur wenig Technik ideale klimatische Bedingungen zur bestmöglichen Aufbewahrung und Konservierung unterschiedlichster Exponate aus Wissenschaft und Technik zu schaffen; dies wird möglich durch eine bis ins Detail wohl überlegte Gebäudestruktur und eine durchdachte Gebäudekubatur.“
Katja Pütter präzisiert:
„Weniger ist mehr: Der Low-Tech-Ansatz mit nur wenig Anlagentechnik trägt zur Ressourcenschonung bei und zahlt auf die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes ein, beim Bau wie auch im Betrieb. Dazu kommen u. a. die serielle Bauweise in klarer Struktur, gezielt gesetzte Öffnungen in den energetisch optimierten Fassaden und minimierte Erschließung bis hin zu durchdachten Schachtführungen. Man erhält mehr an klimatisch robuster Depotfläche.“
Quelle: LRO GmbH & Co. KG