Frankfurt am Main (pm) – Der BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland fordert angesichts der anhaltend schwachen Neubautätigkeit und weiterhin wachsender Wohnungsengpässe einen klaren Vorrang für den Wohnungsneubau. Trotz erster Reformschritte der Politik bleibe der Neubau hinter dem Bedarf zurück – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. „Die politischen Signale sind da – aber sie reichen noch nicht aus“, erklärt BFW-Geschäftsführer Gerald Lipka.
Wohnraummangel wird zum Standortproblem
Die jüngsten Wahlen in Rheinland-Pfalz sowie die Kommunalwahlen in Hessen habe die Wohnraumfrage erneut in den Fokus gerückt. Gleichzeitig bleibe die Bautätigkeit deutlich hinter dem Bedarf zurück – vor allem in den Ballungsräumen. „Fehlender Wohnraum entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Rhein-Main und darüber hinaus“, so Lipka. Unternehmen fänden immer schwerer Fachkräfte, wenn Wohnen unbezahlbar werde. Eine Absage erteilte der BFW bundespolitischen Ideen einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft. „Wer glaubt, der Staat sei der bessere Unternehmer, ist auf dem Holzweg, das haben viele Beispiele in der Vergangenheit gezeigt“, so Lipka.
Gestiegene Baugenehmigungszahlen stehen auf tönernen Füßen
Die im Februar 2026 bundesweit gestiegenen Baugenehmigungszahlen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Genehmigungen vor dem Iran-Krieg beantragt wurden. „Durch die gestiegenen Bau- und Transportkosten, aber auch durch höhere Zinsen und Inflation ist es nicht sicher, dass auch wirklich gebaut wird. Gerade private Haushalte werden durch die aktuell schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verunsichert. Dies gilt für selbstnutzende Eigentümer ebenso wie für institutionelle private Anleger“, erklärt Lipka. Auf das finanzielle Engagement dieser privaten Akteure könne der Wohnungsneubau jedoch nicht verzichten.
„Jetzt ist die Zeit für eine echte Wohnbau-Offensive“
Der BFW appelliert vor diesem Hintergrund an die politischen Entscheidungsträger in Hessen und Rheinland-Pfalz, die neuen Wahlperioden für entschlossene Reformen zu nutzen: „Die Rahmenbedingungen sind bekannt, die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es den politischen Willen, sie konsequent umzusetzen“, so Lipka. „Nur so kann es gelingen, den Wohnungsbau wieder anzukurbeln und bezahlbaren Wohnraum in ausreichendem Maße zu schaffen.“
Baupakete sind richtige Schritte – aber nicht ausreichend
Der BFW begrüßt ausdrücklich die Reformansätze der hessischen Landesregierung, insbesondere die Novelle der Landesbauordnung im Rahmen der bisherigen Baupakete. „Das Baupaket I war ein wichtiger Schritt, um Verfahren zu beschleunigen und Kosten zu senken“, so Lipka. „Aber an einigen Stellen hätten wir uns noch mehr Mut gewünscht.“ Kritisch sieht der Verband insbesondere die weiterhin hohen Kosten durch regulatorische Vorgaben, etwa bei Stellplatzregelungen: „Wir bauen weiterhin Tiefgaragen, die gerade in Städten oft gar nicht gebraucht werden – die Kosten dafür schlagen sich direkt auf die Mieten nieder“, so Lipka. „Hier braucht es mehr Flexibilität und wirtschaftliche Vernunft.“
Klare Forderungen für mehr Wohnungsbau
Der BFW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland fordert von der Politik auf Landes- und kommunaler Ebene eine weitere Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, eine konsequente Digitalisierung in den Genehmigungsbehörden, Reduzierung kostentreibender Vorschriften, besonders bei Stellplätzen und Standards, mehr Flexibilität für Kommunen bei der Umsetzung von Bauvorgaben, eine Stärkung privater Investitionen durch verlässliche Rahmenbedingungen sowie schnelle Umsetzung eines dritten Baupakets in Hessen mit spürbaren Entlastungen.
Dialog mit Politik und Wirtschaft bei der ImmoLounge
Vor diesem Hintergrund hatte der BFW am 21. April 2026 nach Frankfurt am Main ins Haus am Dom zur öffentlichen ImmoLounge eingeladen. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung diskutierten die Mitglieder des Verbandes mit Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Forschung über Wege aus der Wohnungsbaukrise. Zu den Gesprächspartnern zählten Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, Reiner Braun, Empirica Institut und Max Witte, bulwiengesa.
Quelle: BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/ Rheinland-Pfalz/Saarland