Berlin (pm) – Wie kann Berlin wieder mehr Wohnungen bauen und das schneller, wirtschaftlicher und in hoher städtebaulicher Qualität? Mit seiner neuen Vortragsreihe „Wohnraum schaffen“ widmet sich der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) einer der drängendsten Herausforderungen der Hauptstadt. In mehreren Veranstaltungen diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft, Architektur, Ingenieurwesen und Verwaltung, welche politischen, planerischen und baulichen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit dringend benötigter Wohnraum tatsächlich entsteht. Die ersten drei Veranstaltungen sind der Auftakt zu einer Reihe, die im nächsten Jahr fortgeführt wird.
„Über den Wohnungsmangel wird seit Jahren diskutiert. An Konzepten und Ideen fehlt es nicht, wohl aber an deren Umsetzung. Wir wollen mit unserer Reihe zeigen, welche Lösungen bereits auf dem Tisch liegen, welche Hindernisse überwunden werden müssen und was sich konkret verändern muss, damit wieder mehr gebaut werden kann“, so Philip Engelbrecht, Vorstandsmitglied des AIV und Initiator der Vortragsreihe. „Dabei geht es uns ausdrücklich nicht um eine weitere abstrakte wohnungspolitische Debatte. Wir wollen die Menschen zusammenbringen, die aus unterschiedlichen Perspektiven zur Lösung beitragen können und den Blick auf das Machbare richten.“
Die neue Reihe setzt bewusst auf unterschiedliche Perspektiven und konkrete Handlungsansätze. Denn die Ursachen für den stockenden Wohnungsbau sind vielfältig: hohe Baukosten, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, komplexe regulatorische Anforderungen und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Gleichzeitig bieten der Gebäudebestand, neue Bauverfahren und veränderte rechtliche Instrumente Chancen, zusätzliche Wohnungen zu schaffen.
Vom Bauturbo bis zur Umnutzung von Gewerbeimmobilien
Zum Auftakt am 29. Oktober spricht Maren Kern, Vorständin des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, über die aktuelle Marktsituation und die wohnungspolitischen Perspektiven für die neue Legislaturperiode. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Berlin den Wohnungsneubau wieder in Gang bringen und zugleich die Bezahlbarkeit des Wohnens sichern kann.
Am 9. November steht der Bauturbo im Fokus. Fachleute aus Bundes- und Landespolitik, Architektur und Recht diskutieren die Möglichkeiten der neuen gesetzlichen Instrumente zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und deren praktische Anwendung. Zu den Referierenden gehören Tine Fuchs von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Dr. David Meurers vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Sebastian von Oppen von der Bundesarchitektenkammer, Prof. Dr. Matthias Hellriegel sowie Elise Pischetsrieder vom Architekturbüro weberbrunner pischetsrieder.
Am 19. November widmet sich die Reihe der Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnraum. Nils Wenk von Baumschlager Eberle Architekten Berlin und Prof. Dr.-Ing. Christoph Gengnagel von Bollinger+Grohmann Ingenieure beleuchten die planerischen und konstruktiven Möglichkeiten, aber auch die Grenzen solcher Umwandlungen.
Weitere Veranstaltungen im nächsten Jahr sind unter anderem zu Baukultur, dem Hamburger Standard, den besonderen Herausforderungen des Berliner Wohnungsmarktes und dem generationengerechten Bauen vorgesehen.
Mehr Wohnraum schaffen ohne die Baukultur aus dem Blick zu verlieren
Für den AIV ist die Wohnungsfrage nicht allein eine Frage der Quantität. Entscheidend sei auch, welche Stadt durch den Neubau und die Weiterentwicklung bestehender Quartiere entstehe. „Berlin braucht dringend mehr Wohnungen. Aber die Antwort auf den Wohnungsmangel darf nicht darin bestehen, städtebauliche und architektonische Qualität gegen Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit auszuspielen“, betont Christian Müller, Vorstandsvorsitzender des AIV. „Wir müssen Wege finden, wie wir einfacher, schneller und kostengünstiger bauen und zugleich lebenswerte, funktionierende und langfristig attraktive Stadtquartiere schaffen können. Als AIV sehen wir es als unsere Aufgabe, hierfür den fachlichen Austausch zu fördern, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und konstruktive Impulse für die Stadtentwicklung zu geben.“
Mit der Vortragsreihe will der AIV über einzelne Veranstaltungen hinaus einen kontinuierlichen Dialog über die Zukunft des Wohnungsbaus etablieren. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Frage, welchen Beitrag Architektur, Ingenieurwesen und Stadtplanung selbst leisten können. „Wir wollen weg von der reinen Problembeschreibung und hin zu Lösungen, die sich in der Praxis bewähren“, so Engelbrecht. „Wenn es gelingt, Erfahrungen aus realisierten Projekten, neue Ansätze und die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten zusammenzubringen, können daraus wichtige Impulse für den Wohnungsbau in Berlin entstehen.“
Die ersten drei Veranstaltungen im Überblick
29. Oktober 2026, 18 Uhr: Berlin nach der Wahl – Marktsituation und wohnungspolitischer Ausblick auf die neue Legislaturperiode, mit Maren Kern (BBU)
9. November 2026, 18 Uhr: Bauturbo – Chancen und Herausforderungen der beschleunigten Wohnraumschaffung
19. November 2026, 18 Uhr: Gewerbe zu Wohnen – Potenziale und Herausforderungen der Umnutzung von Bestandsimmobilien
Quelle: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV)