15. August 2022

Wie die Verkehrswende gelingen kann

Die Departments und der Förderverein Architektur und Bauingenieurwesen diskutierten beim 10. Siegener Bautag über neue Mobilität auch an Beispielen aus Siegen und Burbach.

Prof. Dr. -Ing. Horst Görg (links) und Dipl.-Ing. Thomas Drössler (rechts) vom Förderverein für Architektur und Bauingenieurwesen an der Universität Siegen, überreichten die Preise für herausragende Abschlussarbeiten an: Gerd Penner (2. v.l. und dann folgend), Philip Nikesch, Vladimir Keller, Alexander Umlauf und Dr. Benjamin Ankay. (Foto: Universität Siegen)

Siegen (pm) – Beim 10. Siegener Bautag stand das Thema „Neue Mobilität, Stadt und Verkehrsplanung“ im Mittelpunkt. Die gemeinsame Veranstaltung der Departments und des Fördervereins für Architektur und Bauingenieurwesen an der Universität Siegen fand nach zwei Jahren Pandemie in Präsenz am Campus Paul-Bonatz-Straße statt. „Der Bautag lebt von Interaktion“, betonte Prof. Dr.-Ing. Horst Görg, der gemeinsam mit Dipl.-Ing. Dietmar Winkel, dem 1. Vorsitzenden des Fördervereins, rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis begrüßen konnte.

Wie kann die Verkehrswende gelingen und wie muss sich Mobilität verändern? Beim Bautag stellten Expertinnen und Experten Zustand und Ziele, Konzepte und Konsequenzen, Machbares und Durchsetzbares vor.

Beispielhaft erläuterte Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann die Pläne für die künftigen Campus-Standorte Süd (Löhrtor) und Nord (Friedrichstraße). Im Rahmen dieser baulichen Veränderungen durch die Erweiterungen des Campus Unteres Schloss soll der motorisierte Verkehr aus der Innenstadt herausgehalten werden. Die sogenannte „letzte Meile“ werden Studierende und Uni-MitarbeiterInnen anders bewältigen. „Zu Fuß, mit E-Rollern oder Shuttle-Fahrzeugen“, zählte Schumann Möglichkeiten auf. Mikromobilität lautet das Stichwort für die verschiedenen Alternativen. Das Fahrrad werde künftig eine andere Rolle einnehmen. Entsprechend gut ausgestattete Stellplätze samt Spinden und Umkleide, vielleicht sogar Duschmöglichkeiten für RadfahrerInnen seien geplant. Mehr Radwege, bessere Anbindung beim ÖPNV, breite Gehwege, das sei von BürgerInnen auch bei einer Online-Umfrage für die Zukunft gewünscht worden, erklärte Schumann.

In der Gemeinde Burbach hat man sich individuelle Lösungen überlegt. Der Klimaschutzbeauftragte Samuel Reuter stellt das „Hickenmobil“ vor, ein E-Bürgerauto, das durch einen ehrenamtlichen Fahrdienst betrieben und gut angenommen wird.

Die Beispiele aus der Praxis ergänzte die im Department Bauingenieurwesen neu berufene Prof. Dr.-Ing. Kerstin Lemke vom Lehrstuhl für Verkehrsplanung und Mobilität, mit wissenschaftlichen Einordnungen. Mobilitätswende und Energiewende gehörten zusammen, erläuterte Lemke. „Es geht um Verkehrsvermeidung und Verlagerung auf andere Antriebe.“ Bei den Menschen müssten grundlegend Präferenzveränderung erwirkt werden. „Nur Anreize wie Kaufprämieren für E-Autos reichen nicht aus“, so Kerstin Lemke. Nicht nur Push-, sondern auch Pull-Maßnahmen seien gefragt. Das bedeutet: mehr ÖPNV, ein besseres und sicheres Radfahrnetz, attraktive Fußwege.

Steffen Wörsdorfer vom Stadtplanungsbüro Machleidt (Berlin), das den städtebaulichen Wettbewerb im Zusammenhang mit den neuen Campusstandorten in Siegen gewonnen hat, stellte verschiedene Projekte in anderen Städten vor und betonte, was für ein Vorteil es sei, dass die neuen Quartiere in der Siegenern Innenstadt parallel mit dem Mobilitätskonzept der Stadt entwickelt werden können.

Architekturprofessor Dr.-Ing. Thorsten Erl warf den Blick auf einen innerstädtischen Bereich, der verkehrstechnisch – HTS hin oder her – zu den Lebensadern der Stadt gehört, aber nicht gerade attraktiv ist. Gemeinsam mit seinen Studierenden hat sich Erl die alte Talstraße, von Geisweid bis zur Siegerlandhalle vorgenommen und Entwürfe entwickelt, die dem Titel „Stadtboulevard Siegen“ gerecht werden sollen. Warum nicht eine Straße, die derzeit gesäumt ist von großvolumigen Bauten, Discountern und Autohäusern einmal anders denken? Sich erinnern, dass dort im 19. Jahrhundert mal eine Allee war und in Erwägung ziehen, dass hier eine Straßenbahn statt Pkw pendeln? „Wir brauchen positive Bilder“, begründete Erl die Vision vom „Boulevard“. Manchmal müssten sich erst Narrative ändern, um sich vorzustellen, wie etwas auch sein kann. Die Modelle der Studierenden zu diesem Projekt sind derzeit im Archikubus am Campus Paul-Bonatz-Straße zu sehen.

Dipl.-Ing. Thomas Drössler, 2. Vorsitzender des Fördervereins und Prof. Görg übergaben im Rahmen des Bautags auch die Preise des Fördervereins für herausragende Abschlussarbeiten. Dr. Benjamin Ankay erhielt die Auszeichnung für seine Doktorarbeit. Preise für ihre Masterarbeiten erhielten Gerd Penner, Tamara Orthen und Philip Nikesch. Vladimir Keller und Alexander Umlauf wurden für ihre Bachelorarbeiten ausgezeichnet.

Pressemitteilung: Universität Siegen