8. August 2022

Wie die Baubranche durch Software Zeit, Geld und die Umwelt schont

Patrik Heider, CEO von Thinkproject (Quelle: Thinkproject)

München (pm) – Die Baubranche zählt zu den größten Industriezweigen der Welt. Wie effizient Ressourcen in dieser Branche eingesetzt werden, hat deshalb einen besonders großen Einfluss – sowohl auf die Umwelt als auch die Wirtschaft. Durch das konsequente Digitalisieren von Bauprozessen mit einem Common Data Environment (CDE) und Building Information Modeling (BIM) lässt sich die Effizienz des Industriezweigs optimieren und somit ein deutlicher Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit leisten.

CDE und BIM legen den Grundstein für digitale Modelle

Mit CDE- und BIM-Software liegen bereits heute zwei grundsätzliche Technologien vor, um Bauprojekte beim Beginn der Planung digital anzulegen und über die Bauphase sowie der Verwaltung eines Objekts bis zum Abriss zu verwalten. Dabei dient das CDE als Single-Source-of-Truth für alle Projektbeteiligten. Im CDE werden sämtliche Pläne und Daten eingespeist, bearbeitet und abgerufen, sodass alle beteiligten Parteien jederzeit auf den gleichen aktuellen Status der Planung zugreifen können.

In einer BIM-Software können aus den Daten digitale Modelle des Bauobjekts generiert werden. Dabei kann das Modell um Informationen zum zeitlichen Verlauf des Projektfortschritts, die verwendeten Materialien und weitere Dimensionen angereichert werden. Dadurch lässt sich das gesamte Bauprojekt planen und kontrollieren, aber ebenso können Änderungen schnell im Modell durchgeführt und geprüft werden.

Wirtschaftliche Vorteile Hand in Hand mit der Nachhaltigkeit

Die digitalen Prozesse bringen wirtschaftliche Vorteile, weil sie schnell sind und mögliche Engpässe oder Probleme frühzeitig erkannt werden. Dadurch lassen sich zum Beispiel die Lieferketten optimieren. Es gibt jedoch neben Zeit- und Geldersparnis große Vorteile für die Umwelt. Über die digitale Planung lassen sich große Mengen an CO2 einsparen: Zum einen müssen weniger Dokumente ausgedruckt und zwischen den Beteiligten per Post ausgetauscht werden. Zum anderen erlaubt eine Simulation der Bauausführung im Rahmen der digitalen Bauplanung, dass Baufehler frühzeitig erkannt und vermieden werden können. Dies ermöglicht signifikante Einsparungen an Materialien, deren Transport und somit CO2.

Als Cloud-Software bietet ein CDE auch die Grundlage dafür, den aktuellen Zustand auf einer Baustelle auf einem mobilen Gerät zu erfassen und in der Cloud zu aktualisieren. Dadurch gewinnen die Beteiligten Zeit, da neue Informationen schneller zur Verfügung stehen und nicht erst ins Büro gebracht werden müssen, um sie dort in die Pläne zu übernehmen. In der Politik ist das Thema bereits angekommen und BIM-Software seit 2021 für öffentliche Infrastruktur-Projekte verpflichtend.

Die Nachhaltigkeit zeigt sich in den Zahlen

Die Projektbeispiele belegen, wie viele Ressourcen eingespart werden können, wenn alle Projektdateien und -informationen in einem zentralen CDE bereitstellen. Zum Beispiel konnte die DEGES beim Bau des etwa 960 Meter langen Stellingentunnel mit EPLASS CDE die Pendlerfahrten für alle Projektteilnehmer deutlich reduzieren. Dadurch konnten rund 2.700 Stunden an Fahrten eingespart werden, was einer eingesparten CO2-Menge von umgerechnet etwa 65 Tonnen entspricht. Das Unternehmen setzte ebenfalls die von der Bundesregierung 1991 beschlossenen sieben Verkehrsprojekte Deutsche Einheit um und betreut deren Instandhaltung. Zusammen mit dem Projekt Heumarer konnten 28 Millionen DIN-A4-Seiten weniger ausgedruckt werden, wodurch bei der Papierherstellung 70 Tonnen CO2 und 159 Millionen Liter Wasser gespart sowie 2.069 Bäumen weniger gefällt wurden.

Für ein Infrastrukturprojekt in Chile hat das spanische Unternehmen Consultrans und Imathia Construction ebenfalls mit einem CDE-Tool gearbeitet. Die Erweiterung der Metro Valparaíso nach Quillota und La Calera beträgt 28 Kilometer mit zwei Fahrspuren für den öffentlichen Personenverkehr sowie einer weiteren für Güterverkehr. Die rund 300.000 erstellten Dokumente konnten in das CDE verlagert werden. Ein Ausdruck dieser Dokumente hätte rund eine halbe Millionen Blätter benötigt. Ein Überschlag ergab, dass dieses Projekt auf eine CO2-Einsparung von 2,6 Tonnen kommt. Fünf Millionen Liter Wasser und 100 Bäume wurden durch den Prozess geschont. Zusätzlich entfielen Fahrten im Gegenwert von 18 Tonnen CO2.

Unternehmen sollten nicht länger warten

Die Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die Digitalisierung der Baubranche einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um Zeit, Budgets und Ressourcen zu schonen. Anstatt zu warten, bis die Digitalisierung aufgrund von staatlichen Auflagen zur Pflicht wird, sind Unternehmen gut beraten, bereits heute loszulegen, indem sie ein CED als Cloud-Software mit angeschlossenem BIM implementieren.

Gastbeitrag von Patrik Heider, CEO von Thinkproject Holding GmbH