2. Juni 2020

Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft planen!

Landesweiter Verbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“

1. Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ von Kurator Prof. Dr. Thorsten Scheer (PBSA Düsseldorf); Impression von der Vernissage im Haus der Architekten in Düsseldorf im Februar 2019. Foto: Architektenkammer NRW

Düsseldorf (pm) – Mit dem Jahreswechsel endete das Jahr des 100. Bauhaus-Jubiläums. In Nordrhein-Westfalen hat sich der landesweite Verbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“ in vielen Ausstellungen, Symposien, Vorträgen und lokalen Aktivitäten mit den Fragen befasst, welche Bedeutung die einflussreiche Kunstschule für den Westen Deutschlands hatte und welche Wirkungen das Bauhaus für heutige Generationen entfalten kann. „Das vielfältige Programm, das mehr als 40 Projektpartner in den vergangenen zwölf Monaten gestaltet haben, konnte zeigen, dass das Bauhaus auch 100 Jahre nach seiner Gründung noch vielfältige Impulse für Kunst, Kultur und Gesellschaft geben kann“, fasste Dr. Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin im Ministerium für Kultur und Wissenschaft, die Eindrücke des Jubiläumsjahres am 7.01.2020 im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf zusammen.

Der landesweite Verbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“ steht unter der Federführung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW sowie der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL). Rund 40 Institutionen, Verbände und Vereine haben sich mit individuellen Projekten in die landesweite Kooperation zum Bauhausjubiläum eingebracht. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist mit der Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ und weiteren Projekten einer der zentralen Akteure des Verbundes. „Wir haben unsere Ausstellung an sechs Standorten in NRW sowie in Berlin präsentieren können und mehrere tausend Besucher verzeichnet“, resümierte der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, im Haus der Architekten in Düsseldorf. „In den Diskussionen ist deutlich geworden, dass die Grundsätze des Bauhauses und der Geist des Neuen Bauens heute wieder starke Einflüsse auf das Planen und Bauen in unserem Land ausüben.“

Das Bauhaus-Jubiläum habe besonders durch sein flächendeckend angelegtes Netzwerk nachhaltig gewirkt, unterstrich Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. „Sowohl die kulturellen Leuchttürme in den Metropolen als auch kleinere, unbekanntere Museen und Initiativen in den ländlichen Gebieten haben sich beteiligt. Nur so konnte das Thema eine landesweite Strahlkraft entwickeln.“ Zudem habe der NRW-Beitrag durch die Verbindung der klassischen Bauhausthemen zu den gesellschaftspolitischen Entwicklungen der Weimarer Republik gezeigt, dass die Bauhaus-Idee ganzheitlich zu betrachten sei. „Dies führt uns dazu, zum Abschluss des Jubiläums zu hinterfragen, ob der Bauhaus-Gedanke auch heute noch relevant ist und Entwürfe für zukünftige Gesellschaften liefern kann“, erklärte die LWL-Kulturdezernentin mit Blick auf den Bildungskonvent, auf dem am 27. März 2020 in Bocholt junge Leute über die Lehren des Bauhauses diskutieren werden.

Milena Karabaic M.A., Kulturdezernentin des LVR, unterstrich auf der Pressekonferenz in Düsseldorf, dass mit dem Dreiklang zu Peter Behrens, dem „Großvater des Industriedesigns“, der Prolog zum Bauhausjahr in Köln, Oberhausen und Krefeld eingeläutet worden war. „Mit der Förderung der Präsentation zum Bauhausschüler Jesekiel Kirszenbaum in Solingen sowie der landesweit tourenden, auch in Israel gezeigten Essener Wanderausstellung ‚Josef Rings und Erich Mendelsohn‘ ist das Thema der politischen Verfolgung der Avantgarde aufgegriffen worden. Darüber hinaus und nicht zuletzt wurde an vielen Orten wie Krefeld, Oberhausen und Hagen die für die Landesgeschichte maßgebende Industriekultur als wichtige Impulsgeberin, Resonanzraum und Bewährungsfeld für ‚Bauhaus‘ identifiziert und präsentiert.“

„Zukunftslabor Bauhaus?“ – Bildungskonvent am 27.03.2020 in Bocholt

Der Landesverbund „100 Jahre Bauhaus im Westen“ kündigte an, die Erkenntnisse aus den vielfältigen Diskussionen und Aktivitäten zum Bauhaus-Jubiläumsjahr auf einem abschließenden „Bildungskonvent“ am 27. März 2020 im LWL-Textilmuseum Bocholt mit Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden und Pädagoginnen und Pädagogen diskutieren zu wollen. Unter dem Titel „Zukunftslabor Bauhaus?“ widmet sich der Konvent den Themen Bildung und Vermittlung im Umfeld des Bauhaus-Jubiläumsjahres und fragt nach den Potenzialen, die die Bauhaus-Lehre für die Entwürfe zukünftiger Gesellschaften haben kann. Dabei werden vor allem die Institutionen Schule und Museum in den Blick genommen.

Publikation „die welt neu denken“

Der landesweite Verbund stellte in Düsseldorf auch eine neue Publikation vor, die zum Jahreswechsel erschienen ist und Beiträge unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zur Bedeutung des Bauhauses für unsere heutige Gesellschaft beinhaltet. Der vom Lenkungskreis des Verbundes herausgegebene Band „die welt neu denken“ befasst sich sowohl mit dem Neuen Bauen und Gestalten im Rheinland und in Westfalen als auch mit den Wurzeln, Zielmarken und Bewährungsfeldern einer neuen demokratischen Verfassung. Verschiedene Beiträge schlagen den Bogen über die vergangenen hundert Jahre und suchen nach Bezugsmarken des Bauhauses in der Gegenwart. – Die Publikation geht auf ein Symposium gleichen Titels zurück, das im Herbst 2018 den programmatischen Auftakt für die Aktivitäten des Landesverbundes „100 Jahre Bauhaus im Westen“ bildete. (Aschendorff Verlag, 19,90 €)

„Kultur und Schule: BAUHAUS“ – Ausstellung im Haus der Architekten

Dass die heutige junge Generation durchaus Anknüpfungspunkte zum Bauhaus findet, zeigt die Ausstellung „Kultur und Schule: BAUHAUS“, die noch bis zum 21. Januar 2020 im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf zu sehen ist. In 20 Schulprojekten haben sich Kinder und Jugendliche aller Schulformen im vergangenen Jahr mit dem Bauhaus befasst und dabei ganz unterschiedliche Aspekte aufgegriffen. Die vielfältigen Ergebnisse sind in der Ausstellung zu sehen: von Modellen für neue Meisterhäuser über ein Bauhaus-Schachspiel und einen Rietveld-Stuhl bis hin zu Collagen zu Tanz und Musik der Bauhäusler. Die Bauhaus-Schulprojekte standen unter dem Motto „Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft planen!“ – Die Reihe „Kultur und Schule“ wird durch das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert.

Pressemitteilung: AKNW