30. November 2022

Welcome Home to Office

Hamburg (pm) – BAID Architekten aus Hamburg sind seit vielen Jahren im Bereich der Büroplanung und Corporate Architecture aktiv. Das Kreativteam um die Büro-Gründerin und Architektin Jessica Borchardt hat etwa die Firmenzentralen für ALDI Nord, DB Schenker, ista und Innogy SE konzipiert und die Büros für AppLike oder Lufthansa Industrie Solutions gestaltet. Wir nehmen Sie mit auf eine (architektonische) Gedankenreise rund um das Thema „New Work“ und wie sich die Arbeitswelt nach Ansicht von BAID ändert.

Nicht erst seit der Pandemie, aber durch deren Auswirkungen deutlich beschleunigt, ändert sich die Arbeitswelt grundlegend. Waren bisher alle Mitarbeitenden in Präsenz und man konnte sich fachlich (und privat) wie selbstverständlich austauschen, wurde dieser direkt menschliche Kontakt in weiten Bereichen ins Digitale übertragen. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Positiv ist sicherlich zu bewerten, wie tiefgreifend und zügig die privaten Unternehmen sich auf diese Herausforderungen eingelassen haben und jeweils passende Konzepte entwickelt haben. Die Videokonferenz gehört selbstverständlich zur täglichen Arbeit und macht so manche Dienstreise überflüssig. Andererseits bietet die Gewährung von Homeoffice und Remote Work neue Herausforderung für die Koordination und Organisation des Büroalltags. Neben den arbeitsorganisatorischen Anpassungen kann auch der auf Austausch und Spontanität setzende Teil des Berufsalltags durch die Reduzierung direkter Kontakte davon betroffen sein.

Für die Bauherrinnen und Bauherren und uns als Architekturschaffende ergeben sich daraus neue Fragestellungen, die in die Planung von neuen Bürogebäuden und die Umplanung des Bestands einfließen müssen. Da BAID mit zahlreichen Vorhaben in beiden Bereichen tätig ist, ergeben die konkreten Projekterfahrungen einen guten Ein- und Überblick über die Veränderungen der Arbeitswelt.

Die meisten Unternehmen, für die BAID tätig ist, werden in einer jeweils passenden Form an der Gewährung von Homeoffice festhalten. Allerdings ist den Verantwortlichen auch klar geworden, dass bestimmte, eine gewisse Kreativität erfordernde Tätigkeiten, eine gemeinsame Präsenz erfordern. Auch der Zusammenhalt der Teams, die Bindung an das Büro oder das Unternehmen, der gegenseitige Austausch – und manchmal einfach die Tatsache, einfach unter Menschen zu sein – haben wieder an Bedeutung gewonnen. Und insbesondere die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist remote in vielen Bereichen schlicht nicht zu leisten.

Wie auch immer das individuell für das jeweilige Unternehmen entwickelte Konzept im Detail aussieht, ringen doch alle Arbeitgebenden, ob groß oder klein, um möglichst viel Verweilzeit im Büro. Dafür müssen Gründe geschaffen werden.

 

Der offen gestaltete ALDI Campus ein Symbol für den Transformationsprozess der Unternehmensgruppe ALDI Nord. Foto: Marcus Bredt, 2022

 

Beim neuen ALDI Nord Campus beispielsweise hat sich die gesamte Planung darauf konzentriert, optimale Bedingungen für die Mitarbeitenden zu entwickeln. Neben einer Haustechnik, die alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten bietet, wurden zahlreiche Gelegenheiten geschaffen, um den Arbeitsalltag interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Mit der Anbindung eines großen Parks mit Laufstrecke, einem Sportpavillon und einer Kindertagesstätte werden viele attraktive und notwendige Einrichtungen vorgehalten. Das Betriebsrestaurant und ein Café bieten sowohl attraktive Innen- wie Außenbereiche an. Die Arbeitsorganisation setzt mit festen und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten darauf, verschiedenste Konzepte gemeinsam im Team oder einzeln zu nutzen. Immer mit dem Ziel, einerseits effektiv und reibungslos arbeiten zu können und es andererseits mit den Vorzügen des eigenen Zuhauses mehr als aufnehmen zu können. Der Arbeitsplatz findet sich heute in direkter Konkurrenz zum Heimarbeitsplatz wieder – und muss hier bestehen können.

 

APPLIKE, HAMBURG

 

Selbst die Picknickbänke wurden nach Entwürfen von BAID maßgefertigt. Foto: Martin Haag / Hafencitystudios

 

Das gleiche gilt im Prinzip auch für ein junges und sehr erfolgreiches Start-up in Hamburg. AppLike wurde von Gruner+Jahr mitgegründet und ist seitdem rasant gewachsen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Akquirierung und Bindung meist sehr junger IT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Neben optimalen Arbeitsbedingungen spielen auch hier besonders die soften Kriterien eine entscheidende Rolle, denn das digitale und remote Arbeiten ist dort selbstverständlich, die Sprache ist Englisch und Expertinnen und Experten werden weltweit gesucht. AppLike hat seit dem letzten Jahr nun eine Bestandsimmobilie mit 4.000 m2 bezogen und BAID hat die entsprechende Planung und den Ausbau übernommen. Im Detail sind die Bedürfnisse in dieser Branche etwas anders gelagert, aber worum es geht, ist identisch. So bietet die Innenraumgestaltung eine Vielzahl an Möglichkeiten, einen kurzen Break mit seinen Kolleginnen und Kollegen zum Tischtennisspiel, Musik hören, Kochen, Abhängen oder für eine Yoga-Stunde.

In der jüngsten Ausbaustufe des weiterwachsenden Unternehmens wird nun folgerichtig ein vollwertiges Fitnesscenter eingebaut.

 

Skizze Mittelzone, Zeichnung: BAID

 

LUFTHANSA INDUSTRIE SOLUTIONS, NORDERSTEDT

Auch bei der Lufthansa Industrie Solutions musste der bereits seit Jahren genutzte Bestand den neuen Anforderungen nach Flexibilität und Praktikabilität angemessen angepasst werden. Die bisher „verzimmerten“ Etagen wurden aufgebrochen und bieten nun unterschiedlichste räumliche Möglichkeiten für die Teams. Flexible Wände in Kombination mit strukturgebenden Basiswänden schaffen so eine Vielzahl an selbst zu schaffenden Raumkonstellationen. Je nachdem, wie es gefällt und wie es genutzt werden soll.

Die dafür notwendigen architektonischen und innenarchitektonischen Maßnahmen sind durchaus kostspielig und aufwendig, aber wer diesen Wandel ignoriert, wird möglicherweise irgendwann allein im Büro sein. Deshalb setzen wir auf das Motto: „Welcome Home to Office“.

 

Text von Peter Borchardt, BAID architektur GmbH