19. Mai 2024

#WeKnowWood: Fraunhofer WKI präsentiert Deckensystemmodul auf der LIGNA 2023

Mit dem Highlight »Multimaterialmodell Wand I Decke I Dach« zeigen die Forschenden des Fraunhofer WKI gleich acht Innovation für die Bauindustrie. © Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau

Braunschweig (pm) – Mit dem Deckensystemmodul für die Modernisierung von Zwischendecken in Gebäuden zeigen Forschende des Fraunhofer WKI auf der LIGNA 2023 eine ökologische Möglichkeit der Altbausanierung. Mit den vorgefertigten Kleintafeln in modularer Bauweise sind Sanierungen in Zukunft einfacher und schneller durchzuführen.

Das Deckensystemmodul ist der Boden des »Multimaterialmodells Wand I Decke I Dach«, welches derzeit auf der LIGNA 2023 zu sehen ist. Die Kleintafeln, mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe, sollen in Altbauten künftig gering tragfähige und hellhörige Zwischendecken ersetzen. Der Anwendungsbereich ist groß, denn von den rund 9 Millionen Altbauten in Deutschland sind etwa 70 Prozent noch nicht energetisch saniert. In dem Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Institut für Füge- und Schweißtechnik (IFS) der Technischen Universität Braunschweig haben die Forschenden vorgefertigte Kleintafeln, mit einer guten Schall- und Wärmedämmung entwickelt. Mit modularen Holz- oder Holz-Beton-Elementen entsteht eine mosaikartige Kassettendecke, die am Ende eine mit Stahlbeton vergleichbare Tragfähigkeit aufweisen soll.

Die vorgefertigten Kleintafeln in modularer Bauweise können mit einer Fußbodenheizung ausgestattet werden. Die Fußbodenheizung ist an den blauen Röhren seitlich zu erkennen, die aus dem Holzschaum herausschauen. © Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau

Am Fraunhofer WKI haben die Forschenden die Auswahl der Holzwerkstoffe vorgenommen und unter anderem OSB-Platten entwickelt. Der äußere Kasten des Deckensystemmoduls besteht aus Konstruktionsvollholz mit jeweils einer Decke und einem Boden aus OSB-Platten. »Durch die Verwendung von Holzwerkstoffen weisen die Kleintafeln ein geringes Eigengewicht auf. Das ermöglicht den Transport der Module von zwei Personen durch ein Treppenhaus. Für die Sanierung von häufig schwer zugänglichen Altbauten ist das ein großer Vorteil«, erläutert Dr. Steffen Sydow, Projektleiter am Fraunhofer WKI. Um die Ressourceneffizienz zu steigern, wurden bei der Entwicklung der Module vor allem Laubhölzer wie Buchenschwachholz aus Durchforstungen verwendet.

Der Kastenaufbau und die Steckverbindungen besitzen eine hohe Eigensteifigkeit und können dadurch freitragend errichtet werden. Eine zusätzliche dünne textil-verstärkte Betonplatte verbessert darüber hinaus die Steifigkeit und die Trittschalldämmung.

Für den Sandwichkern in der Kastenfüllung wurde der bereits am Fraunhofer WKI entwickelte Holzschaum genutzt, durch den sich gleichzeitig die Wärme- und Schalldämmung erhöht. »Die Schallabsorption durch den Holzschaum funktioniert so gut, dass die Kleintafeln auch als Akustikplatten zur Verbesserung des Raumklanges eingesetzt werden könnten«, sagt Dr. Sydow. Der ökologische Holzschaum ersetzt petrochemische Dämmmaterialien wie PU- oder XPS-Schäume durch nachwachsende Rohstoffe.

Beim Projektpartner IFS an der TU Braunschweig wurde eine neue Klebetechnik mit konduktiv schnellheizenden Klebebändern entwickelt. Die Klebebänder werden in der Vormontage an den Modulkanten befestigt. Durch ein elektrisches Kontaktiersystem können die Module auf der Baustelle schnell miteinander verbunden werden. Prinzipiell ist auch ein Rückbau nach der Nutzungsphase mit der gleichen Methode möglich. Dadurch ergeben sich Vorteile für das Recycling. Die Forschenden an der TU Braunschweig haben außerdem die Tragfähigkeit des Deckenverbunds mit positivem Ergebnis getestet.

Mit dem Deckensystemmodul wird die Sanierung und Nachnutzung von Altbauten in Zeiten des Wohnungsmangels auf ökologische Weise gefördert. Für eine Steigerung des Komforts ist es sogar möglich, eine Fußbodenheizung in das Deckensystemmodul zu integrieren. Künftig könnten diese Module ebenfalls in Industriegebäuden oder als Wandmodule für eine bessere Akustik zum Einsatz kommen.

Pressemitteilung: Fraunhofer-Institut für Holzforschung/Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

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