Amsterdam (aki) – Der 302 Meter hohe Wasl Tower in Dubai ist Ende 2025 fertiggestellt worden. Entworfen von UNS in enger Partnerschaft mit dem federführenden Ingenieurbüro Werner Sobek AG, verkörpert das Hochhaus das Streben der Vereinigten Arabischen Emirate nach einer nachhaltigen, architektonisch bedeutsamen Zukunft. Seit dem Entwurfsbeginn im Jahr 2013 ist ein Bauwerk entstanden, das Materialtradition und technologische Avantgarde auf bemerkenswerte Weise in sich vereint.
Kontext und städtebauliche Haltung
Der Wasl Tower nimmt zwischen dem kommerziellen Verdichtungsraum um den Burj Khalifa und dem fußläufig geprägten City Walk eine urbane Vermittlerfunktion ein. Als erstes Hochhaus dieser Größenordnung auf der Westseite des Sheikh Zayed Road greift der Entwurf von UNS das Prinzip des Kontraposts auf – eine aus der Bildhauerei entlehnte Körperdrehung, die dem Turm eine mehrfach orientierte, sich im Stadtraum stets verändernde Silhouette verleiht. Das Gebäude ist keine singuläre Geste, sondern ein durchlässiger urbaner Knotenpunkt.
Das Programm: Eine vertikale Stadt
Auf 167.733 Quadratmetern vereint der Wasl Tower das Mandarin Oriental Downtown Hotel, Wohneinheiten, Büroflächen sowie umfangreiche Gemeinschaftsbereiche – darunter ein Wellnesszentrum und eine Eventlocation für Kongresse und Zeremonien. Sieben Restaurants und Bars stehen auch der Öffentlichkeit offen. Die vertikale Erschließung übernehmen 17 Lifte, die Hotelgäste, Bewohner, Büroangestellte und Besucher auf klar getrennten Wegen durch das Gebäude führen.
Ben van Berkel formuliert die Leitidee: „The aim was to make a visit to Wasl Tower as attractive and contemporary as possible. As such a dedicated concept of health, comfort and wellbeing throughout was developed for the building.“


Die Fassade: Keramik neu gedacht
Das architektonisch wie ökologisch bedeutsamste Element des Wasl Tower ist seine Fassade. Mit der Fertigstellung beherbergt das Gebäude die höchste Keramikfassade der Region – ein Material, das in der Baugeschichte des Nahen Ostens tief verwurzelt ist, hier jedoch für eine neuartige Hochhausanwendung transformiert wurde.
Tausende keramischer Finnen umhüllen den Turm als 360-Grad-System. Ihre Anordnung wurde durch parametrisches Modellieren optimiert, um die solare Einstrahlung zu minimieren, Tageslicht tief in die Innenräume zu leiten und die Kühllasten gegenüber älteren Bauten in Dubai um rund zehn Prozent zu reduzieren. Jede Finne trägt ein individuell gefertigtes Terrakottaprofil mit metallischer Glasur, die das Erscheinungsbild des Towers im Tagesverlauf und mit dem Wechsel der Jahreszeiten subtil verändert.
Das Fassadensystem funktioniert zugleich als thermodynamisches Werkzeug: Integrierte Aluminiumgitter kanalisieren den Wind um das Gebäude, eine Hohlkammer zwischen den Finnen und der inneren Vorhangfassade unterstützt die passive Klimatisierung. Die Kombination aus traditionellen Herstellungsverfahren und hochentwickelten Entwurfsmethoden macht diesen Ansatz zu einem skalierbaren Modell für den nachhaltigen Hochhausbau.
Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich die Fassade erneut: Ein in Partnerschaft mit Arup Lighting entwickeltes Beleuchtungssystem animiert den Keramikschleier mit wechselnden Intensitäten und Farbtönen und macht das Gebäude zu einem aktiven Teilnehmer im nächtlichen Stadtbild Dubais.




Nachhaltigkeit als integrales Prinzip
Dem Entwurf liegt das von Werner Sobek Green Technologies entwickelte Rahmenwerk „Good for the People, Good for the Environment“ zugrunde, das Energieeffizienz, Materialwahl und Nutzerwohlbefinden systematisch verknüpft. Neben der passiven Kühlwirkung der Keramikfinnen reduzieren tageslichtgesteuerte LED-Systeme den Energieverbrauch in den Randzonen um bis zu 20 Prozent. Das Tragwerk setzt auf vorgespannte Flachdecken und hybride Betonstützen – eine in Dubai erstmals angewandte Kombination, die den Betonverbrauch um 3.000 Kubikmeter senkte. Bei der Materialwahl wurde auf regional bezogenen Granit und Aluminium, recycelte PET-Akustikpaneele sowie schadstoffarme Beschichtungen geachtet. CO₂-gesteuerte Lüftungsanlagen und offene Grundrisse ergänzen das Konzept auf der Ebene des Nutzerkomforts.
Das Mandarin Oriental Downtown: Architektur trifft Hospitalität
Das Hotel wurde in enger Abstimmung mit dem Betreiber und dem Londoner Studio GA Design entwickelt. Die Organisation folgt dem Prinzip vertikaler Nachbarschaften: Die Lobby liegt auf Ebene 36, Wellnessbereiche auf den Ebenen 11 und 12, Abendlokale auf den Ebenen 61 und 62. Öffentliche Veranstaltungsflächen sind ebenerdig zugänglich und öffnen sich zum begrünten Innenhof. Das Mandarin Oriental Downtown Dubai wurde für dieses Konzept mit dem Architecture: Hotel Award bei den Identity Design Awards 2025 ausgezeichnet.




Maßstab mit Anspruch
Der Wasl Tower ist mehr als ein weiteres Hochhaus in einer Stadt, die für ihre Superlative bekannt ist. Er ist der Versuch, Nachhaltigkeit, Materialkultur und städtisches Leben auf eine Weise zusammenzudenken, die sowohl technisch überzeugend als auch architektonisch eigenständig ist. Die Keramikfassade, das Kontrapost-Prinzip, die öffentliche Durchwegbarkeit – all das sind keine ornamentalen Entscheidungen, sondern Ausdruck einer kohärenten Haltung. Dass sich diese Haltung in 302 Metern Höhe, mitten in Dubai, materialisiert hat, macht den Wasl Tower zu einem Projekt, das weit über seinen unmittelbaren Kontext hinaus Relevanz besitzt.
Quelle: UNS UNITED NETWORK STUDIO · KI-gestützte Textaufbereitung · Redaktion: Architekturblatt