21. September 2021

Was tun gegen Extremwetter mit Starkregen? Gründächer sind ein Teil der Lösung.

(c) BuGG

Berlin (pm) – Der Klimawandel ist da und mit ihm nicht nur Hitzeperioden und längere Trockenzeiten, sondern immer häufiger auch sintflutartige Regenfälle und lokal begrenzte Unwetter. Erst im Juni konnte man wieder in den Nachrichten verfolgen, wie sich in verschiedenen Regionen Deutschlands Straßen in wilde Bäche verwandelten, Unterführungen und Tiefgaragen zuliefen und in vielen Kellern tagelang eine braune Brühe stand. Die Schäden, die bei solchen Wetterereignissen entstehen, gehen zumeist in die Millionenhöhe. Besonders betroffen sind in der Regel der städtische Raum sowie andere dicht bebaute Gebiete. Hier ist ein Großteil der Fläche versiegelt, so dass die extremen Niederschlagsmengen nicht ausreichend schnell ins Erdreich abfließen können. Veraltete bzw. nicht ausreichend dimensionierte Kanalisationen, die die kurzfristig extrem großen Wassermassen nicht aufnehmen können, verstärken das Problem zusätzlich.

In den Rathäusern der Republik wird seit Jahren nach Wegen gesucht, wie sich dieses Hochwasserrisiko langfristig reduzieren lässt. Neben der Erweiterung der städtischen Grünflächen zur Versickerung, der Verwendung wasserdurchlässiger Bodenbeläge oder dem Bau von Rückhaltegräben und -becken sind vor allem auch die Dächer ein wichtiger Teil der Lösung. Denn, werden die Flächen auf den Häusern begrünt, können sie wie ein Schwamm einen Großteil des Niederschlages zumindest temporär speichern. So gelangen die Wassermengen, die bei lang andauerndem Regen das Fassungsvermögen überschreiten, nur zu einem Teil und vor allem erst mit einer zeitlichen Verzögerung in das Kanalsystem. Das hilft dabei, Überlastung und Rückstau zu vermeiden und den daraus resultierenden Überflutungen entgegenzuwirken. Schon extensive Dachbegrünungen halten 50 bis 70 Prozent der Jahresniederschläge zurück. Sogenannte „Retentionsgründächer“ haben einen zusätzlichen Retentionsraum und eine Anstaudrossel, so dass selbst Starkniederschläge während eines Unwetters auf dem Dach gehalten werden.

Damit es zukünftig sowohl auf Wohn- als auch auf Industrie- und Geschäftsgebäuden immer mehr solcher klimaangepassten Dächer gibt, sind sie in den neuen Bebauungsplänen vieler deutscher Städte und Gemeinden bereits Pflicht. Häufig werden Gründächer aber auch direkt durch finanzielle Zuschüsse oder indirekt z.B. durch verringerte Abwassergebühren gefördert.

Laut dem Marktreport „Gebäudegrün 2020“ des Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) sind im Jahr 2019 in Deutschland 7,2 Millionen Quadratmeter Dachbegrünung neu hinzugekommen. Davon sind etwa sechs Millionen Quadratmeter extensive Begrünung – das bedeutet niedriger Bewuchs mit Sedum-Pflanzen und Gräsern. Diese einfache Gründachform ist deutlich anspruchsloser und erfordert weniger Pflegeaufwand als eine Intensivbegrünung, bei der auch Stauden, Sträucher und sogar kleine Bäume zum Einsatz kommen. „Grundsätzlich sind aber beide Begrünungssysteme für Flachdächer auf Neubauten und auch auf Bestandsgebäuden geeignet“, erklärt BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann. „In der Regel ist die Umsetzung auf Neubauten allerdings leichter, da hier in der Planungsphase bereits alle wichtigen Voraussetzungen berücksichtigt werden können. Insbesondere bei der Intensivbegrünung ist die entsprechende Statik des Gebäudes zu planen, da die stärkere Substratschicht selbst und die maximal aufnehmbare Wassermenge berücksichtigt werden müssen.“

Gerade in den Sommermonaten zeigt sich deutlich, dass Gründächer aber noch wesentlich mehr können, als nur die Kanalisation zu entlasten. An heißen Tagen verdunstet das in der Vegetationsschicht gespeicherte Regenwasser und verschafft dem direkten Umfeld dadurch eine angenehme Abkühlung. Ferner binden die Dachpflanzen CO2, produzieren Sauerstoff, filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft und verbessern so langfristig und spürbar das Mikroklima im urbanen Raum. Und nicht zuletzt wird auch das Portemonnaie des Hausbesitzers entlastet, denn der Bewuchs ist eine gute Isolation und sorgt damit auch für angenehme Temperaturen im Gebäude: Im Sommer macht er eine Klimaanlage fast überflüssig und im Winter senkt das die Heizkosten. Zudem halten professionell angelegte Gründächer deutlich länger als konventionelle Flachdächer – in der Regel bis zu doppelt so lange! Der Grund: Der Pflanzenteppich schützt die Dachabdichtung vor UV-Strahlung, direkten Einfluss der Witterung und verhindert starken Temperaturschwankungen an der Dachhaut, die zu Rissbildung in der Abdichtung führen können. Mehr Informationen und Hinweise zu Förderungsmöglichkeiten unter www.gebaeudegruen.info.

Pressemitteilung: BuGG