Gastbeitrag – Was Menschen ins Büro zieht, ist selten allein der Schreibtisch. Es ist die Kollegin, mit der man spontan ein fachliches Thema bespricht. Das Mittagessen mit dem Team. Das Gefühl, dazuzugehören. Wer Büros heute noch primär als Arbeitsfläche denkt und gestaltet, hat ihre eigentliche Funktion bereits verloren. Spätestens seit der Pandemie wissen wir: Das Büro ist längst kein Ort mehr, an dem Arbeit nur stattfindet – es ist ein Ort, an dem Firmenkultur entsteht und gelebt wird.
Denn was digitale Tools und Homeoffice nicht ersetzen können, ist das Wir-Gefühl. Menschen identifizieren sich besonders stark mit Orten, Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen.
Für Unternehmen ist das entscheidend. Eine Corporate Identity entsteht nicht per Dekret, sondern durch persönlichen Austausch zwischen Mitarbeitenden, Teams und Führungskräften, aber auch zwischen Abteilungen, die sich sonst kaum begegnen würden. Es braucht Räume, die einladen, und Grundrisse, die Hierarchien abbauen, bevor sie entstehen. Und eine Aufenthaltsqualität, die täglich neu Lust auf den Weg ins Büro macht.
Vom Arbeitsplatz zum Begegnungsort
Mit dem PRISMA im Frankfurter Lyoner Quartier beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Architektur dieses Gemeinschaftsgefühl unterstützen kann.
Ein wichtiger Faktor ist Flexibilität. Als Multi-Tenant-Immobilie muss das Gebäude unterschiedlichen Unternehmenskulturen Raum geben. Gleichzeitig braucht es Angebote, die alle Nutzer verbinden. Restaurants, Fitnessflächen oder ein Atrium mit hoher Aufenthaltsqualität sind heute keine optionalen Extras mehr. Unternehmen erwarten zunehmend ein Umfeld, das Begegnung fördert und den Arbeitsalltag angenehmer macht.
Parallel dazu verändert sich auch die Nutzung der Flächen. Bereiche, die früher schnell als „Chefetage“ dem Management vorbehalten waren, werden heute bewusst für Mitarbeitende geöffnet, zum Beispiel als Lounge, Treffpunkt oder Aufenthaltsbereich. Büroflächen werden deutlich human centric gedacht. Im Mittelpunkt steht nicht die maximale Quadratmeter-Effizienz, sondern die Frage, ob sich Menschen in einem Gebäude wohlfühlen.


Warum gesichtslose Gebäude keine Kultur schaffen
Identifikation entsteht nicht in gesichtslosen Gebäuden. Ein prägnantes Gebäude wird wiedererkannt – und das strahlt zurück: auf die Außenwahrnehmung des Unternehmens, auf die Talente, die es gewinnen will, und auf die Mitarbeitenden, die jeden Tag durch die Eingangstür gehen. So wird Architektur zum Teil der Arbeitgebermarke.
Dasselbe gilt für die Lage – nicht im Sinne von Prestige, wohl aber im Hinblick auf den Alltag. Lange, umständliche Anfahrtswege können zum Kündigungsgrund werden. Erreichbarkeit ist deshalb keine Komfortfrage, sondern eine Grundvoraussetzung.
Hinzu kommt die Qualität des Umfelds. Das Lyoner Quartier zeigt, wie sich das Umfeld schnell ändern kann: Wo vor einigen Jahren nach Feierabend kaum Leben stattfand, wohnen heute über 6.000 Menschen. Im Quartier siedeln sich Restaurants und Nahversorger an, es entsteht Urbanität – eine Qualität, die einen Bürostandort erst wirklich attraktiv macht.
Präsenz lässt sich nicht anordnen, aber gestalten
Die zentrale Frage lautet heute nicht mehr: Wie viele Menschen passen auf eine Fläche? Sondern: Warum sollten Menschen gern dort sein?
Unternehmen können Präsenz anordnen. Nachhaltig funktioniert das nur, wenn die Immobilie selbst einen Mehrwert bietet. Gerade weil KI und digitale Prozesse immer mehr Aufgaben übernehmen, werden reale Orte der Begegnung wichtiger. Architektur schafft diese Orte – und damit die Grundlage für Identifikation.
Gastbeitrag von Holger Hosang

Holger Hosang ist Managing Partner bei Sonar Real Estate und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Transaction und Asset Management. Vor seinem Wechsel zu Sonar Real Estate war er Head of Asset Management Germany bei Allianz Real Estate sowie Niederlassungsleiter Frankfurt bei Pamera Asset Management. Weitere Stationen seiner Karriere umfassen Positionen bei SVP Global, Corpus Sireo, DeTe Immobilien und der IBAG