11. Juni 2026

Warum die Zukunft der Hospitality im intelligenten Weiterbauen liegt

Gastbeitrag – Die Hospitality-Branche steht vor einem grundlegenden Wandel. Geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten, gesellschaftliche Spannungen und veränderte Reisegewohnheiten verändern heute nicht nur touristische Märkte, sondern auch die Strategien von Investoren, Projektentwicklern und Betreibern. Viele Entwicklungen, die sich lange angekündigt haben, werden jetzt gleichzeitig sichtbar: Overtourism, Ressourcenknappheit und ein wachsendes Bedürfnis nach individuellen Erlebnissen.

Lange funktionierte die Branche nach einfachen Prinzipien: neue Destinationen, größere Projekte, mehr Wachstum. Heute sehen wir, dass dieses Modell vielerorts an Grenzen stößt. Overtourism ist längst Realität. Nicht nur in Metropolen, sondern auch in Regionen, die ursprünglich von ihrer Ruhe und landschaftlichen Qualität gelebt haben. Gleichzeitig verändert sich das Verständnis von Luxus. „New Luxury“ definiert sich heute weniger über Größe oder Standardisierung als über Atmosphäre, Identität und Authentizität.

Das verändert auch die Investitionslogiken.

In unsicheren Zeiten gewinnen stabile Regionen und sogenannte Safe-Haven-Länder wieder an Bedeutung. Investoren suchen heute nicht mehr nur Wachstum, sondern Resilienz. Projekte müssen wirtschaftlich belastbar sein, flexibel funktionieren und langfristig relevant bleiben. Darin liegt aus meiner Sicht eine der größten Herausforderungen für Architektur und Immobilienentwicklung.

Wir können nicht jedes Problem mit einem Neubau lösen.

Die Zukunft liegt vielerorts im intelligenten Weiterbauen, in Revitalisierung und in der Fähigkeit, bestehende Strukturen neu zu interpretieren. Gerade in Europa verfügen wir über enorme bauliche Ressourcen. Die Frage ist nicht mehr nur, was wir neu bauen können, sondern wie intelligent wir mit dem umgehen, was bereits existiert.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist das „Innside by Meliá Elounda“ auf Kreta. Dort haben wir ein bestehendes Resort mit 85 Zimmern in einer stark landschaftlich geprägten Umgebung modernisiert. Statt die vorhandene Struktur zu ersetzen, wurde sie bewusst als Ausgangspunkt genutzt. Durch präzise Eingriffe, neue räumliche Ordnungen und ein klares Zusammenspiel von Material, Licht und Landschaft entstand eine zeitgenössische Interpretation mediterraner Resortarchitektur.

Auch beim Europe Hotel Killarney in Irland verfolgen wir diesen Ansatz. Dort haben wir Räume entwickelt, die durch Ruhe und emotionale Qualität wirken. Der Blick auf den See wird Teil der Architektur und prägt das gesamte Raumerlebnis. Hier zeigt sich auch unser Verständnis von „New Luxury“.

Die Branche reagiert auf Veränderungen oft erstaunlich langsam. Innovation entsteht vielerorts erst unter Druck – durch Krisen, wirtschaftliche Zwänge oder gesellschaftliche Veränderungen. Gleichzeitig wird Architektur noch immer zu häufig als gestalterischer Selbstzweck verstanden. Für mich ist Architektur keine Bühne für Eitelkeiten, sondern funktionierende Infrastruktur. Gute Projekte orientieren sich am Menschen, am städtebaulichen Kontext und an der Frage, wie flexibel und langfristig nutzbar ein Gebäude eigentlich ist.

Auch die Ausbildung und das Selbstbild vieler Architekten halte ich teilweise für überholt. Wir müssen kollaborativer denken und lernen, stärker mit Investoren, Betreibern, Bauunternehmen und anderen Disziplinen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Architektur entsteht heute nicht mehr isoliert.

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit deshalb vor allem langfristige Funktionalität. Gebäude müssen wirtschaftlich belastbar sein, sich an neue Nutzungen anpassen können und auch nach Jahrzehnten noch relevant bleiben. Architektur muss wieder lernen, in Generationen zu denken!

Autor: Daniel Schneider, Managing Partner monoplan AG

Warum die Zukunft der Hospitality im intelligenten Weiterbauen liegt
Daniel Schneider © Wolfgang Stahr

Daniel Schneider, 1974 in Frankfurt am Main geboren, ist gemeinsam mit Philip Wohlfarth Gründer der Monoplan AG und einer der führenden Experten der Schweizer und europäischen Hospitality- und Immobilienbranche.
Nach seinem Architekturstudium an der Technischen Universität Braunschweig (Dipl.-Ing. 2002) sowie ergänzenden Studien in Neuerer Geschichte, Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaften arbeitete er ab 2003 als Architekt und Projektentwickler in São Paulo und Zürich. 2008 gründete er Monoplan mit dem Fokus auf Hotel- und Hospitality-Projekte.
Mit einem internationalen Team realisiert Daniel Schneider neue Hotelkonzepte, Bestandsumnutzungen und komplexe Immobilienentwicklungen.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Daniel Schneider als Dozent im Studiengang Hotel Development & Real Estate an der Hochschule Heilbronn tätig und teilt seine Expertise regelmäßig in Vorträgen.