Gastbeitrag – Der stationäre Einzelhandel in deutschen Stadtzentren scheint seit Jahren in einer Problemschleife. Die tatsächliche Entwicklung sieht aber differenzierter aus, argumentiert Dietmar Hamm. Er ist Geschäftsführer der Kontorhausverwaltung Bach, einem der größten Immobilieneigner in der Hamburger City. Im Gastbeitrag erklärt Hamm, warum es große Marken, neue Storekonzepte und privatwirtschaftliches Engagement braucht, um den stationären Handel in Innenstädten weiter zu stärken.
Zu viel Leerstand, zu wenig Aufenthaltsqualität, zu konformistisch – so lautet häufig die Kritik an Deutschlands Stadtzentren. Doch die klassische Innenstadtlage bleibt relevant für das Shoppingerlebnis der Zukunft. Denn hier konzentrieren sich Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeitangebote. Die City ist das gesellschaftliche und politische Zentrum einer Stadt mit einer hohen Dichte an Wahrzeichen. In Hamburg locken bspw. die Alster, Rathaus, Passagen und die großen Kulturinstitutionen zahlreiche Tourist:innen und Tagesbesucher aus der Metropolregion. Außerdem finden hier Sport- und Lifestyle-Events mit überregionaler Strahlkraft statt. Und nicht zuletzt identifizieren sich auch die Hamburger:innen mit ihrer Innenstadt. Kurzum: Die City bietet immer noch Besuchsanlässe – für verschiedenste Zielgruppen.
Flanieren, Essen und Shoppen sind dabei bis heute wichtige Kernfunktionen der Stadtmitte. Eine breite Auswahl, hohe Aufenthaltsqualität und der Erlebniswert des Shoppings bilden wichtige Erfolgsfaktoren.
Tatsächlich haben die Top-Innenstadt-Flächen in A-Lage selbst in den letzten Jahren keinen substanziellen Leerstand aufgewiesen und sind auch für die Zukunft gut aufgestellt, weil Unternehmen und Brands hier langfristig Ihre Positionierung stärken können. Gerade durch den Wandel der letzten Jahre haben die Innenstädte neue Formate gefunden, die das haptische Erlebnis im Gegensatz zum online Handel stärken. Freiwerdende Flächen geben dann neuen Marken mit modernen Konzepten die Möglichkeit, Konzepte fürs Shopping der Zukunft umzusetzen und in begehrten Lagen präsent zu sein.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Anmietung des historischen Barkhofs in der Hamburger Innenstadt durch Victoria’s Secret. Die ikonische Modemarke zieht im Sommer 2026 in die prominente Ladenfläche an der Ecke Spitaler-/Mönckebergstraße – den beiden frequenzstärksten Einkaufsstraßen der Hansestadt. Der neue Flagship-Store setzt ein Highlight auf rund 800 m² und mit über 120 Metern Schaufensterfront. Moderne Store-Konzepte wie dieses erzeugen Frequenz durch eine perfekt abgestimmte Consumer Journey vor Ort und online. Flagship-Konzepte erzeugen obendrein Einzigartigkeit und wirken opulent. So wird der Store und auch der Stadtkern generell zum Place to be der Markencommunity.
Die Anmietung durch Victoria’s Secret ist ein starkes Signal für den stationären Einzelhandel und zeigt, dass die Innenstadt nach wie vor wertvoll ist. Die Entscheidung ist zudem eine internationale Wertschätzung der Hamburger City und ein Indiz einer positiven, zukunftsorientierten Standortbewertung.
Darüber hinaus hat die Anmietung durch große Marken eine enorme Zugkraft: Eine so ikonische Marke strahlt eine Kraft aus, an der auch andere Marktteilnehmer partizipieren wollen. Sie werden damit zu Placemakern für Unternehmen, die mit arrondierenden Konzepten die Nähe zu diesen Zugpferden suchen.
Dass es der Hamburger Innenstadt gut geht, liegt aber auch am Engagement der verschiedenen Stakeholder vor Ort: In den letzten Jahren hat sich eine aktive Citygemeinschaft organisiert, um die Attraktivität der Stadtmitte zu wahren und zu steigern. In sogenannten Business Improvement Districts (BIDs) arbeiten Grundeigentümer und städtische Institutionen eng zusammen, um das Zentrum weiterzuentwickeln. Vor allem die private Wirtschaft hat dabei hohe Investitionen in den Stadtraum und auch ins Marketing getätigt (allein im BID Mönckebergstraße über 10 Mio. Euro). Der Wille zur gemeinsamen Gestaltung und der Einsatz für die Hamburger City – besonders von privater Seite – hat hier einen hohen Stellenwert. Dieses private Engagement hat viel zur Stärkung der Innenstadt beigetragen und kann durchaus ein Vorbild für andere Innenstädte sein.
Gastbeitrag von Dietmar Hamm, Geschäftsführer der Kontohausverwaltung Bach, Centermanager des Levantehauses in der Mönckebergstraße und stellvertretender Vorstandsvorsitzender im City Management Hamburg e.V.

Dietmar Hamm ist Geschäftsführer der Kontohausverwaltung Bach, Centermanager des Levantehauses in der Mönckebergstraße und stellvertretender Vorstandsvorsitzender im City Management Hamburg e.V. Der studierte Immobilienfachwirt war zunächst ab 1990 in der Immobilienwirtschaftsagentur Jones Lang Wootton/Lasalle tätig. 1999 wechselte Hamm zur Kontorhausverwaltung Bach/Levantehaus. Dort ist er zuständig für die Bereiche Centermanagement sowie Konzeption und Vermietung der Einzelhandelsflächen. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Unternehmens.