4. August 2026

Warum Bestandssanierung oft an der Steuerung scheitert

Gastbeitrag – Die energetische Sanierung des deutschen Wohnungsbestands kommt nicht voran. 2025 fiel die Sanierungsrate auf 0,67 Prozent, den niedrigsten Wert seit Jahren und weit entfernt von den rund zwei Prozent, die für die Klimaziele nötig wären. Mit der BEG-Reform zum 21. Juli 2026 sollen die die Fördersätze weiter sinken. Woran es hakt, liegt dabei selten am Bau selbst, sondern an dessen Steuerung und Wirtschaftlichkeit.

Wer eine energetische Großsanierung im klassischen Modell beauftragt, wird zur zentralen Koordinationsinstanz für Architektur, Energieberatung, Fachplanung, Fördermittel und ein Dutzend Gewerke. Das bindet erhebliche interne Ressourcen, oft bei Mitarbeitern, die keine Sanierungsroutine haben und sich jedes Projekt neu erarbeiten. Wer stattdessen externe Expertise einkauft, zahlt dafür und verschlechtert die Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt: Die entscheidende Renditefrage bleibt im klassischen Modell meist beim Eigentümer hängen. Wie viel der Investitionskosten lässt sich über die Modernisierungsumlage auf die Nettokaltmiete umlegen, ohne Mieter zu überfordern und wie viel Bruttorendite erwirtschafte ich bei welchem Maßnahmenpaket? Diese Kalkulation ist der eigentliche Engpass, nicht die Technik.

Das One-Stop-Shop-Modell setzt genau hier an. Planung, Fördermittelantragstellung und Ausführung liegen bei einem Anbieter, der die Wirtschaftlichkeit von Beginn an mitdenkt. Gewerke werden parallel statt sequenziell gesteuert, Abstimmungsschleifen entfallen, Termintreue und ein Festpreis werden zum Vertragsbestandteil. Voraussetzung dafür ist eine digitale Plattform, die alle Beteiligten, also Planer, die Gewerke, Förderungen und Eigentümer, auf einem Datenstand verbindet und Planungsschritte automatisiert. Erst diese technische Basis macht die parallele Steuerung von zehn bis fünfzehn Gewerken über mehrere Baustellen hinweg beherrschbar.

Ein aktuelles Beispiel ist die Sanierung der Wohnanlage Oberhof in Friedrichshafen. Sieben Wohngebäude aus den späten 1980er Jahren, rund 14.000 Quadratmeter Wohnfläche, komplexe Kubatur, über 1.260 zu tauschende Fenster. In der klassischen Vergabe müsste der Bauherr jedes Gewerk einzeln beauftragen und die Abläufe über sieben Baustellen selbst takten, ein Koordinationsaufwand von Monaten. Im One-Stop-Shop-Modell entfällt das: ein Vertragspartner, ein zentral gesteuerter Prozess, eine durchgehende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Auch die Mieter als zentrale Stakeholder werden früh eingebunden. Transparente Kommunikation über Ablauf und Mietfolgen entscheidet über die Akzeptanz vor Ort.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob One-Stop-Shop besser ist als klassische Vergabe. Sie lautet, für welche Projektklasse das Modell die geeignetere Antwort ist. Wenn die Sanierungsquote steigen soll, während Förderungen sinken und Fachkräfte knapp bleiben, brauchen wir Modelle, die den Bauherrn entlasten, die Wirtschaftlichkeit sichern und den Prozess industrialisieren. One-Stop-Shop und Komplettanbieter sind eine dieser Antworten. Nicht für jedes Projekt, aber für die, bei denen Größenordnung und Wirtschaftlichkeit sonst zur Bremse werden.

Autor: Lukas Steinhilber, CEO Wallround

Energetische Sanierung: Warum die Steuerung scheitert
Lukas Steinhilber © Wallround GmbH

Wallround ist ein Sanierungsunternehmen mit digitaler Prozesssteuerung und Standorten in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Das Unternehmen begleitet Eigentümer und Investoren als One-Stop-Shop – von der ersten Analyse über die Planung bis zur schlüsselfertigen Umsetzung. Zu den Unterstützern zählen Vonovia sowie die Impact-Fonds Revent und GGF.