24. September 2020

Von wegen monoton: Siedlungen der Nachkriegsmoderne im Portrait

Forschungsgruppe der Frankfurt UAS lädt mit Architekturführer zu neuen Ansichten in der Region Frankfurt / Rhein-Main ein

Die Siedlung Nordweststadt in Frankfurt am Main. Bildquelle: ©Ben Kuhlmann

Frankfurt am Main (pm) – Beim Stichwort „Moderne Architektur im Rhein-Main-Gebiet des 20. Jahrhunderts“ denkt wohl kaum jemand an Siedlungen wie den Sonnenring in Frankfurt Sachsenhausen oder die Wohnstadt Limes in Schwalbach am Taunus. Die baukulturelle Bedeutung des Siedlungsbaus der Nachkriegsmoderne in der Region Frankfurt / Rhein-Main einem breiten Publikum zu vermitteln und in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für diese Epoche zu schärfen, ist – neben der Forschungsarbeit – ein Ziel der 2018 an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) gegründeten interdisziplinären Forschungsgruppe „Ressource Nachkriegsmoderne – Baukultur und Siedlungsbau 1945-1975“. Mit einem aufwendig gestalteten Architekturführer lädt das Wissenschaftsteam jetzt Interessierte ein, sich selbst ein Urteil zu bilden und vermeintlich bekannte (und verkannte) Siedlungen wie die am Ben-Gurion-Ring in Frankfurt, den Wohnkomplex Chinamauer in Rodgau Nieder-Roden oder den Schelmengraben in Wiesbaden mit anderen Augen zu sehen.

„Gerade weil heute wieder verstärkt diskutiert wird, komplette neue Stadtteile zu bauen, lohnt es sich, einen Blick zurück auf die letzte Periode zu werfen, in der dies in großem Maßstab geschah: die 1950er, 1960er und 1970er Jahre“, sagt Prof. Dr. Maren Harnack vom Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik der Frankfurt UAS und Sprecherin der Forschungsgruppe. Zehn herausragende Siedlungen aus der Nachkriegsmoderne, die in der Region Rhein-Main gebaut wurden, stellen Harnack und ihr Team in ihrem Architekturführer1 vor. Mit Übersichtsplänen, Regelgrundrissen, zahlreichen aktuellen Fotos und Hintergrundinformationen zur Entstehung und zu den seither erfolgten Veränderungen dokumentiert der Band deren städtebauliche und architektonische Qualität. Damit solle auch mit den Vorurteilen aufgeräumt werden, dass diese Siedlungen monoton und unpersönlich seien. „Sie verdienen eine differenzierte Betrachtung. Hier wurde mit einem hohen gestalterischen und sozialen Anspruch gebaut, der für zukünftige Siedlungen in vieler Hinsicht Vorbildcharakter haben kann“, betont Harnack. Die Wissenschaftler/-innen stellen den Architekturführer am 17. September 2020 im Deutschen Architekturmuseum vor.2 Es folgt eine Ausstellung zum Buch mit Architekturfotografien von Malte Sänger und Ben Kuhlmann im Forum des Deutschen Werkbunds Hessen ab dem 18. September 2020.

Ausstellung im Forum des Deutschen Werkbunds Hessen, Weckmarkt 5, 60311 Frankfurt am Main, 19. September bis 9. Oktober 2020, dienstags, mittwochs, donnerstags 15:30 – 18:30 Uhr, Eröffnung: 18. September 2020, 19:00 Uhr; www.deutscher-werkbund.de/hessen/

Pressemitteilung: Frankfurt University of Applied Sciences