16. Februar 2026

Von der Seifenfabrik zur Sicherheitsarchitektur – Polizeipräsidium Karlsruhe

Berlin (pm) – An der Schnittstelle von Alt und Neu ist mit der umfassenden Modernisierung des Polizeipräsidiums Karlsruhe ein zeitgemäßer Sicherheitskomplex entstanden, der Offenheit mit Abschirmung verbindet.

Auf dem historischen Gelände der früheren Seifenfabrik Wolff & Sohn, bestehend aus mehreren Gebäudeteilen unterschiedlicher Epochen, fand das Polizeipräsidium Karlsruhe seinen neuen Standort. In den fünfgeschossigen Gebäuden sind nun die Nutzungen der Kriminalpolizei untergebracht, darunter Büroräume, Aktenarchive sowie Funktionsräume für kriminaltechnische Untersuchungen. Das zentrale Führungs- und Lagezentrum, ausgestattet mit modernster Polizeitechnik, wurde nach dem Ausbau zum zweitgrößten des Landes.

Der Entwurf für die Sanierung der Bauteile E und F sah eine Instandsetzung und Erweiterung der Liegenschaft vor. Leitgedanke der Planung war, die historische Bausubstanz und Geschichte des Areals erlebbar zu machen und ihr moderne Elemente gegenüberzustellen. Die Wunden der Vergangenheit bleiben an der Klinkerfassade bewusst ablesbar und werden – durch Farbdifferenzierung der alten und neuen Klinker – hervorgehoben. (Für die Sanierung der Klinkerflächen kam der Hebrok Cortina im Reichsformat zum Einsatz.) Auch die Rundbögen der Fenster im Erdgeschoß wurden rekonstruiert und mit historischen Schlusssteinen komplettiert. In den oberen Geschossen wurden die historischen Gitterfenster entglast und die Stahlrahmen restauriert; fehlende Fenster wurden nach historischem Vorbild mit Sprossengitter ergänzt. Die innenliegenden modernen Fensterelemente erfüllen die hohen Anforderungen nach Sicherheit und Wärmeschutz.

Die großzügigen Flure im Bestandsgebäude eröffnen abwechslungsreich ausformulierte Raumsequenzen, die Platz für Gemeinschaftsflächen mit Teeküche und Sitzgelegenheit bieten.

Das Dachgeschoß wurde für die Nutzung durch die Spurensicherung ausgebaut und um fehlende Gauben denkmalgerecht ergänzt. Raumtrennende Regale und Teppichboden unterstützen hier eine optimierte Raumakustik.

Bauteil F, im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, wurde bis auf das Betonskelett rückgebaut und gemäß der ursprünglichen Form und Kubatur wiederhergestellt. Die Neuinterpretation der Fassade orientiert sich in der Materialität des Klinkers am Bestand, setzt jedoch mit schmalen, hohen Fensterformaten und markanten Faltläden aus Streckmetall eine klare zeitgemäße Haltung. Die Rasterung wurde dabei durch das bestehende Betonskelett vorgegeben, während die variierenden Fensterpaneele auf die jeweilige Raumnutzung reagieren. (Verwendet wurde hierfür der Ziegel Hebrok Cortina im Dünnformat.) Aufgrund des schlechten Zustands des ursprünglichen Satteldachs wurde der Dachstuhl abgetragen; das neue Flachdach beherbergt die Haustechnik.

„Die beispielhafte Verbindung von Denkmalschutz, modernen Arbeitsplätzen und Nachnutzung von Bestand zeugt von Verantwortung beim Planen und Bauen.”

Dr. Gisela Splett, Staatssekretärin im Ministerium für Finanzen

Während die neu gestaltete Fassade durch ihre Rhythmik und Struktur institutionelle Klarheit vermittelt, zeugt die sensible Bestandssanierung von einem zeitgemäßen und nachhaltigen Umgang mit der Geschichte des Areals. So wird das Polizeipräsidium durch den Erhalt dieses denkmalgeschützten Erbes zugleich zum urbanen Gedächtnis.

Planung: sehw architektur
Projektart: Sanierung
Funktion: Polizeigebäude
BGF: 7.086 m²
Projektstand: Fertigstellung 2025
Baukosten: 22.050.000 €
Leistungshasen: LP2 – LP8
Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Quelle: sehw architektur