10. Juni 2026

Vom Leerstand zum Lebensraum: Nachhaltiger Konsum belebt Innenstädte neu

Wuppertal (pm) – Innenstädte stehen an einem Wendepunkt: Vermehrt leerstehende Gebäude, veränderte Konsumgewohnheiten und Nutzungskonkurrenzen sowie die immer dringlichere Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen verschärfen die ohnehin bestehenden Herausforderungen. Zugleich wächst der Anspruch, urbane Räume und vor allem Stadtzentren als Orte mit Aufenthaltsqualität, sozialer Teilhabe und ökologischer Verantwortung zu gestalten. Vor diesem Hintergrund untersuchten die SONa-Projektbeteiligten, welche Rolle nachhaltige Konsumangebote in der Transformation der Innenstädte einnehmen können. Ziel war es, Maßnahmen zu entwickeln und zu testen, um die Aufenthaltsqualität zu sichern beziehungsweise zu steigern und gleichzeitig nachhaltige Konsummuster – also leihen, mieten, tauschen oder reparieren – vor Ort zu etablieren oder zu stärken.

Hierfür wurden mittels eines bundesweiten Ideenwettbewerbs drei Pilotprojekte ausgewählt:

  • der Pop-up-Store „Nachhaltig made by Duisburg“
  • die Kleidertauschbörse „TauschRausch“ in Schwentinental
  • das Zukunftshaus Würzburg mit einem nachhaltigen Liefer- und Abholservice

Jedes Pilotprojekt erhielt finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung, um die Umsetzung der Ideen für nachhaltigen Konsum zu begleiten.

Als zentrales Ergebnis zeigt sich: Erfolgreiche Innenstadtprojekte sind kein Produkt einzelner Maßnahmen, sondern die Summe vieler Faktoren. Vor allem politisches Engagement, eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ämtern sowie eine klar benannte Ansprechperson sind entscheidend für den Erfolg der Projekte. Nachhaltige Angebote können dazu beitragen, Leerstände oder brachliegende Flächen temporär oder dauerhaft wiederzubeleben. Beteiligungsangebote, Pop-up-Formate und digitale Plattformen stärken zudem die Akzeptanz der Maßnahmen innerhalb der Stadtgesellschaft.

„Damit diese Transformation gelingt, braucht es politisches Commitment, einen flexiblen Handlungsrahmen und Experimentierräume, um neue Ideen testen und die Stadtgesellschaft dabei aktiv einbinden zu können“, erklärt Dr. Franziska Stelzer, Leiterin des SONa-Projekts und Senior Researcherin im Forschungsbereich Innovationslabore am Wuppertal Institut.

Policy Paper zu leerstehenden Gewerbeflächen

Auf Basis der Projekterfahrungen widmet sich das begleitende Policy Paper „Wiederbelebung von Innenstädten nachhaltig gestalten“ gezielt einer der größten Herausforderungen: dem Zugang zu leerstehenden Gewerbeflächen. Im Fokus stehen die finanzielle Unterstützung von Gründerinnen und Gründern bei der Anmietung von Gewerbeflächen über sogenannte Anmietungsfonds sowie das kommunale Instrument des Vorkaufsrechts.

Eine ergänzende, nicht repräsentative Kommunalbefragung zeigt: Anmietungsfonds besitzen ein hohes Potenzial zur Belebung von Innenstädten – sofern ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind. Bislang spielen soziale und ökologische Kriterien bei der Vergabe jedoch nur selten eine Rolle.

„Damit bleiben wichtige Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten bisher ungenutzt. Daher ist es ratsam, Anmietungsfonds mit klaren Nachhaltigkeitskriterien und entsprechenden Beratungsangeboten zu verknüpfen“, erläutert Michaela Roelfes, Senior Researcherin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut und Mitautorin des Policy Papers.

Das kommunale Vorkaufsrecht wird zwar vereinzelt erfolgreich eingesetzt, jedoch nicht durchgängig als wirksam eingeschätzt. Es gilt als aufwendig, rechtlich begrenzt und ist bislang wenig verbreitet. Die Autorinnen sehen hier weiteren Forschungsbedarf, etwa in Form einer vergleichenden Evaluation bisheriger Anwendungen im Bereich der Innenstädte. Darüber hinaus regen die Forscherinnen an, dass der Bund transformativ ausgerichtete Forschung stärker fördern sowie bestehende Förderprogramme – insbesondere zur Einrichtung von Anmietungsfonds – fortführen und administrativ vereinfachen sollte.

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Quelle: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH