3. Dezember 2022

VNW: Pergolenviertel in Hamburg könnte Vorbild sein – Bisherige Erfahrungen mit seriellem Bauen sind ernüchternd

Hamburg (pm) – Bundesbauministerin Klara Geywitz hat am Donnerstag das Pergolenviertel in Hamburg-Winterhude besucht. Dabei wurde sie von Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt, Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und Dr. Thomas Krebs, Sprecher des SAGA-Vorstands, begleitet.

Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW): „Das Pergolenviertel ist ein gelungenes Beispiel für moderne Wohnungspolitik. VNW-Mitgliedsunternehmen wie die SAGA und mehrere Genossenschaften haben dort gezeigt, dass auch in besonders begehrten Stadtteilen einer europäischen Metropole bezahlbarer Wohnraum mit anspruchsvoller Architektur geschaffen werden kann.

Sehr gute Beispiele dafür sind die beiden Wohngebäude, die durch die HANSA Baugenossenschaft errichtet wurde. Im Winterlindenweg 10-44 werden beispielsweise 60 Wohnungen, 15 davon im zweiten Förderweg, geschaffen. In diesem Frühjahr sollen die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen. Das Besondere an diesem Bauprojekt sind das Schwimmbad mit Fitnessbereich, Büros für das Quartiersmanagement, Ateliers, ein Cafè mit Produktionsküche.

Im Winterlindenweg 2-8 hat die HANSA Baugenossenschaft 56 Wohnungen, 28 davon gefördert, errichtet. Das Besondere hier ist zudem eine Kindertagesstätte für 100 Kinder und ein Tagesförderung für 20 Menschen mit Assistenzbedarf. Seit vergangenem Dezember ziehen die Mieterinnen und Mieter ein.

Wer das Pegolenviertel besucht, wird sich fragen, warum derart anspruchsvolle Wohngebäude nicht auch an anderer Stelle in Hamburg oder in anderen Städten des Landes errichtet werden können, ohne dass sie ein bürokratisches und langwieriges Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen.

Die SAGA Unternehmensgruppe hat Module für Wohngebäude entwickelt und eine Typengenehmigung dafür erhalten. Man könnte sie also ohne weitere Genehmigungsprozedur an unterschiedlichen Orten errichten. Das würde nachhaltig die Baukosten senken und viel Zeit sparen. Und das alles, ohne dass es den Staat auch nur einen Cent kostet.

Bisherige Erfahrungen mit dem seriellen Bauen sind ernüchternd

Die Erwartungen in das serielle bzw. modulare Bauen sind hoch. Bundesbauministerin Klara Geywitz hat vor wenigen Tagen erklärt, dass sie mit Hilfe serieller Fertigung das Ziel erreichen will, jährlich 400.000 Wohnungen zu errichten. Die sozialen Vermieter unterstützen diesen Ansatz und nehmen die Ministerin gern beim Wort.

Allerdings sind die Hamburger Erfahrungen ernüchternd und geben wenig Anlass zur Hoffnung. Modulares oder serielles Bauen scheitert zu häufig an dem eigenen Gestaltungswillen in den Bauprüfungsbehörden. Der einfache Satz „So passt das hier nicht hin“ ist allzuoft das Ende des vereinfachten, typisierten Bauens. Hier noch eine andere Dachschräge, dort eine veränderte Fassade oder Zugänge und schon war es das mit der modularen oder seriellen Erstellung.

Wer mehr serielles Bauen in Deutschland will, muss dafür die Akzeptanz in den Baugenehmigungsbehörden schaffen. Die dort beschäftigten Architekten, Bauingenieure und Stadtplaner dürfen das serielle und modulare Bauen nicht als baukulturelle Bedrohung, sondern als wohnungspolitische Chance für mehr bezahlbaren Wohnraum begreifen. Da muss Bundesbauministerin Geywitz zuallererst ansetzen. Sonst wird sie scheitern.

Ohne einen entsprechenden Bürokratieabbau und ohne Vereinfachung der Genehmigungsverfahren hin zu mehr seriellem und modularem Bauen wird die Bundesregierung ihr Wohnungsbauziel nicht erreichen. Dann werden am Ende statt 400.000 nur 40.000 Wohnungen übrigbleiben.“

Pressemitteilung: Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)