20. Januar 2022

VNW-Direktor Andreas Breitner: „Holz ist nur die Spitze des Eisbergs: Der Wohnungsbau leidet unter einer Preisexplosion auch bei anderen Baustoffen. Die Kalkulationen laufen völlig aus dem Ruder!“

Hamburg (pm) – Die norddeutsche Wohnungswirtschaft schlägt Alarm. „Innerhalb weniger Monate sind die Preise für viele Baustoffe geradezu explosionsartig gestiegen“, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Die Medien haben in den vergangenen Tagen über die Verteuerung von Holz berichtet. Doch Holz ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist alles noch viel schlimmer. Die Kalkulationen laufen völlig aus dem Ruder und die Erreichung der diesjährigen Wohnungsbauziele rückt in weiter Ferne.“

Informationen aus der Wirtschaft zufolge stieg seit September 2020 der Preis für Dämmstoffe um 50 Prozent, für Betonstahl um 30 Prozent und für Rigips gar um 170 Prozent. „Bei mehreren Gewerken konnten unsere Unternehmen zuletzt keine Festpreise mehr vereinbaren“, sagt Breitner. Die häufig in der Dämmung von Fassaden und Flachdächern verwendeten expandierten Polystyrole (EPS) und extrudierten Polystyrole (XPS) seien im Moment praktisch nicht erhältlich – „und wenn, dann zu deutlich höheren Preisen“.

Einige Unternehmen hätten mit Bauunternehmen inzwischen Vereinbarungen mit einer teilweisen Offenlegung der Kalkulation vereinbart, sagt Breitner weiter. „Das heißt: Die Bauunternehmen legen ihre Einkaufspreise für Baustoffe, die Grundlage ihrer Kalkulation waren, offen. Hinterher wird die Differenz zu den während des Bauvorhabens tatsächlich gezahlten Preisen zusätzlich vergütet.“ Auf anderem Wege sei in einigen Bereichen keine Auftragsvergabe mehr möglich.

VNW-Wohnungsunternehmen berichteten zudem von großen Lieferengpässen bei Grundsielleitungen (KG-Rohre), bei Dämmstoffen unterhalb der Sohle und im Verblendbereich, so Breitner weiter. Betroffen seien ferner chemische Produkte für die Bauindustrie wie Abdichtungs-/Spachtelmasse. „Diese Engpässe führen zu teuren Bauzeitverzögerungen bzw. Bauunterbrechungen und in einigen Fällen sogar zu Kurzarbeit.“

Extrem sei die Preissteigerung bei Holz. „Unsere Unternehmen sprechen von Steigerungen von 200 Prozent und in Teilbereichen wie Dachlatten sogar noch deutlich darüber hinausgehend“, sagt Breitner. „Die Unternehmen erhalten zudem von den Lieferanten keine Festpreise für die Baustellen mehr. Stattdessen müssen – deutlich höhere – Tagespreise gezahlt werden, die nur für den Tag der Warenabnahme gelten. Das macht für Wohnungsunternehmen die Kalkulation fast unmöglich.“

Geschäftsführer und Vorstände von VNW-Unternehmen machten sich auf Grund der Preisentwicklung große Sorgen über künftige Bauprojekte, sagt der VNW-Direktor weiter. „Unsere Unternehmen bieten Wohnungen zu kostendeckenden Mieten an. Sie haben nicht den Renditepuffer privater Projektentwickler und wollen Kostensteigerungen auch nicht so ohne Weiteres weitergeben.“

Breitner zufolge liegt die monatliche Nettokaltmiete Hamburger VNW-Unternehmen im Durchschnitt bei 6,95 Euro pro Quadratmeter – und damit deutlich unter dem Wert des Mietenspiegels von 8,66 Euro. „Spielraum, um dramatisch gestiegenen Baukosten zu puffern, haben sie nicht. In diesem Jahr sind deshalb die geplante Fertigstellung von rund 1900 Wohnungen und die vorgesehenen 2140 Baubeginne gefährdet. Keine guten Aussichten für den Hamburger Wohnungsmarkt.“

Pressemitteilung: Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW)