Berlin (pm) – Vor der angekündigten Novellierung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) weist die Vereinigung freischaffender ArchitektInnen Deutschland (VfA) darauf hin, dass die kleinen und mittleren Planungsbüros auf die seit langem fällige Erhöhung der Honorare im Rahmen der HOAI in besonderem Maße angewiesen sind.
„Unsere Verbandsmitglieder machen die Erfahrung, dass die Honorare bei weitem nicht mehr auskömmlich sind. Gründe dafür sind der Wegfall der verbindlichen Honorarmindestsätze, die hohen Investitionen in Hard- und Software, die immer schneller zu erneuern sind, sowie Ausgaben für KI und Cybersicherheit. Dazu kommt die zunehmende Komplexität der Bauaufgaben mit immer mehr zu integrierenden und koordinierenden Experten“, erklärt VfA-Präsident Alexander Schwab.
Seit 2013 seien die Honorare im Rahmen der HOAI nicht mehr angehoben worden. „Die Honorartafeln bilden die wirtschaftliche Realität in keiner Weise ab“, so Alexander Schwab. „Wir fordern, dass die Honorare angemessen erhöht werden – unter Berücksichtigung etwa der Kosten digitaler Planungsmethoden, von Nachhaltigkeits- und Klimaanpassungsleistungen und anderer Leistungen.“ Es brauche transparente und nachvollziehbare Berechnungsmodelle, die dem technologischen Fortschritt mit neuen Aufgaben Rechnung tragen.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums soll im letzten Quartal 2026 nun auch dort mit der Überarbeitung der HOAI begonnen werden. Das ist höchste Zeit, denn die bundesweite Konjunkturbefragung 2026/27 unter Ingenieur- und Architekturbüros zeigt eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage in diesen Büros. Zum Jahresbeginn 2026 beurteilten 22 % der Architektur- und 19 % der Ingenieurbüros ihre wirtschaftliche Lage als schlecht. Fünf Prozent der insgesamt 4.859 teilnehmenden Büros fürchten eine Betriebsschließung, 14 % sehen nach eigenen Angaben in eine ungewisse Zukunft.
Vor diesem Hintergrund sind nach Ansicht der VfA weitere Weichenstellungen dringend erforderlich. Dazu gehören verlässliche Finanzierungszusagen der öffentlichen Hand, der Verzicht auf die (z.B. durch den Bayerischen Rechnungshof) erwiesenermaßen teureren Vergaben an Totalunternehmer sowie öffentliche Vergabeverfahren, die faire Zugangschancen und Wettbewerbsbedingungen für Büros aller Größen bieten. „91 Prozent der Architekturbüros in Deutschland haben weniger als 10 Erwerbstätige – es ist der Mittelstand, der die Planungstätigkeit prägt. Seine Leistungsfähigkeit ist entscheidend für eine effiziente Planung und Umsetzung von Bauprojekten in den Städten und auf dem Land“, betont Alexander Schwab.
Quelle: VfA Deutschland e.V.