26. Oktober 2021

VdW südwest stellt neues Gutachten vor: Erstmals Kosten des Klimaschutzes für das Wohnen in Hessen berechnet

Frankfurt am Main (pm) – Welche Investitionen in den hessischen Gebäudebestand sind notwendig, um die Klimaziele zu erreichen? Die Antwort darauf liefert ein aktuelles Gutachten, das der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) in Auftrag gegeben hat. Autor des Gutachtens ist Professor Sven Bienert, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft am IRE|BS Institut der Universität Regensburg. Gemeinsam mit VdW-Vorstand Dr. Axel Tausendpfund stellte er die Ergebnisse des Gutachtens heute im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

„Klimaschutz hat seinen Preis: Mit dem Gutachten von Professor Bienert ist erstmals wissenschaftlich belegt, welche enormen Summen benötigt werden, um den Wohnungsbestand entsprechend den Klimazielen energetisch zu sanieren – immer unter der Voraussetzung, sämtliche Vorhaben warmmietenneutral, also ohne eine Erhöhung der Mietbelastung, umzusetzen. Für alle Wohnungen in Hessen entstehen Kosten zwischen 539 Millionen und 1,23 Milliarden Euro, die finanziert werden müssen – und das pro Jahr“, sagt Tausendpfund.

Schwieriger Spagat zwischen ökologischer und sozialer Verantwortung

Die Unternehmen des VdW südwest stünden daher vor einem schwierigen Spagat. „Wir bekennen uns klar zum Klimaschutz und zu unserer ökologischen Verantwortung. Gleichzeitig haben wir aber auch eine soziale Verantwortung, die Mietpreise stabil zu halten“, so Tausendpfund. Deswegen fuße die Analyse des Gutachtens auf der Annahme, dass durch die energetischen Sanierungen die Gesamtbelastung der Mieterinnen und Mieter für bezahlbaren Wohnraum nicht steigen dürfen. „Zusätzliche Kosten der energetischen Sanierung können nicht einseitig zu Lasten der Mieterinnen und Mieter gehen. Genauso wenig können sie alleine den Vermietern aufgebürdet werden, zumal wir uns ohnehin bereits in einem Umfeld minimaler Verzinsung befinden“, mahnt auch Bienert. Er sagt: „Klimaschutzmaßnahmen benötigen eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz und dürfen nicht zu sozialen Verwerfungen führen.“

Bei der Suche nach Lösungen müssten alle Akteure am Wohnungsmarkt und auch die Politik einbezogen werden, betont Tausendpfund. „Dafür haben wir mit diesem Gutachten nun erstmals eine verlässliche zahlenbasierte Grundlage für Diskussionen geschaffen. Da weder Vermieter noch Mieter für die Kosten des Klimaschutzes alleine in die Pflicht genommen werden können, ist auch die Politik aufgefordert, über neue Förderprogramme nachzudenken. Schließlich hat auch sie ein Interesse daran, die Erreichung der Klimaziele im Gebäudebestand sozialverträglich zu gestalten.“

Ausbau der Förderprogramme unerlässlich

Denn selbst wenn man die bisherigen Förderungen auf Bundesebene in die Rechnung mit einbeziehe, bleibe in Hessen laut Gutachten immer noch eine Lücke von 429 Millionen bis 1,12 Milliarden Euro pro Jahr bestehen. Bereits existierende Landesförderungen sind vor dem Hintergrund dieser Größenordnung ebenso nur marginal.

Bienert hebt noch einen weiteren Punkt hervor: „Der Ausbau und die Intensivierung notwendiger öffentlicher Förderprogramme zur Stimulierung der Wirtschaft ist unerlässlich – dies insbesondere, da die Herausforderungen aufgrund des Klimawandels und sukzessive zunehmender Klimarisiken die Effekte der aktuellen Pandemie deutlich übertreffen werden.“ Er plädiert für Förderprogramme, die praxisorientiert und bedarfsgerecht ausgestaltet sind.

Dass sich die Investitionen lohnen, belegt das Gutachten: Die im Modell enthaltenen Maßnahmen des gesamten Wohnungsbestandes, für die die nötigen finanziellen Förderungen berechnet wurden, würden bis 2030 (gegenüber 2018) den Ausstoß jährlicher Kohlenstoffdioxid-Äquivalente um 2,6 Mio. Tonnen in Hessen reduzieren.

Pressemitteilung: VdW südwest