17. Juni 2024

Unerforschtes Suburbia: Liegt die Zukunft der Städte wieder in den Vororten?

Vierlorts entstehen neue Vorstädte. Ansicht aus Frankfurt/Main. Foto: Florian Bellin-Harder.

Kassel (pm) – Ein großer Teil der Bevölkerung lebt im „suburbanen Raum“ – in Vororten und Außenbezirken von Städten. Doch während die Innenstadt und Versuche, sie wiederzubeleben, im Fokus des allgemeinen Interesses stehen, gilt die Peripherie als praktisch, aber langweilig. Dabei tut sich dort seit einigen Jahren sehr viel. Eine Forschungsgruppe aus Stadtplanung, Landschaftsplanung und Sozialwissenschaften erforscht, ob die Zukunft der Stadt in der Peripherie entsteht.

„In den vergangenen Jahren hat sich in den Außenbezirken der Städte viel verändert“, beschreibt Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock, Leiter des Fachgebiets Stadterneuerung und Planungstheorie und Sprecher der Gruppe. „Steigender Bedarf an Wohnraum führt wieder zur Gründung ganzer Stadtquartiere, aber die Städte wollen das besser machen als in der Vergangenheit. Diese Quartiere haben oft den Anspruch, urban und lebenswert zu sein, Ressourcen zu schonen und Funktionen anzubieten, die sonst mit den Zentren verbunden werden, beispielsweise Arbeitsplätze oder lebendige Stadtplätze. Aber klappt das?“

Dies ist eine Kernfrage der neuen Forschungsgruppe. Welche Zukunft des Wohnens und Zusammenlebens entsteht in den neuen Quartieren? Funktionieren sie und wenn ja, wie sieht das Leben dort aus? Oder erzwingt die Realität Abstriche von den großen Plänen? Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschungsgruppe „Stadterweiterung in Zeiten der Reurbanisierung – neue (Sub-)Urbanität“ unter Leitung der Universität Kassel mit voraussichtlich rund 3,3 Mio. Euro, wie sie heute bekanntgab.

Die Forschungsgruppe wird in den kommenden zunächst vier Jahren Perspektiven der Stadt- und Regionalplanung, der Freiraum- und Landschaftsplanung sowie der raumbezogenen Sozialwissenschaften verknüpfen. Teilprojekte beschäftigen sich beispielsweise mit den zugrundeliegenden städtebaulichen Leitbildern von großangelegten Stadterweiterungen, der Wechselwirkung mit der Infrastruktur oder mit der Biodiversität in Neubaugebieten. Beispielhaft werden Großprojekte in oder bei Berlin, Hamburg, München, Frankfurt/Main und Freiburg untersucht. So entsteht derzeit in Freiburg für rund 1,3 Milliarden Euro der klimaneutrale Stadtteil Dietenbach für rund 16.000 Menschen.

An der Forschungsgruppe beteiligt sind sieben Fachgebiete an der Universität Kassel, der HafenCity-Universität Hamburg sowie der Technischen und der Humboldt-Universität Berlin.

Pressemitteilung: Universität Kassel