22. Juni 2024

TU Berlin: Kooperation „Hinter verschlossenen Türen“

Berlin (pm) – Architekturstudent*innen der TU Berlin entwickeln nachhaltige und identitätsstiftende Entwürfe für die Sanierung der WC-Bereiche im Flughafen Berlin Brandenburg BER.

Studierende der TU Berlin haben in einer Kooperation mit dem Facility Management der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Einblicke hinter die Kulissen des BER bekommen und konnten ihre Fähigkeiten praxisnah einsetzen. Ausgangslage war eine Anfrage an das Institut für Architektur der TU Berlin, ob Studierende Ideen für eine Umgestaltung der Toilettenanlagen am Flughafen einbringen möchten. Besonders sollte darauf geachtet werden, dass die Materialien langlebig und leicht zu reinigen sind, und die Entwürfe Ideen enthalten, die den Besucher*innen einen ersten ungewöhnlichen Eindruck von der Hauptstadtregion vermitteln.

Sanitärräumen mehr Leben einhauchen

Prof. Dr. Ignacio Borrego und seine Student:innen entwickelten daraufhin über zwei Semester Ideen, Modelle und Vorschläge für ein verbessertes Konzept der Sanitärräume im Flughafen, die sie Anfang Februar 2024 der BER-Leitung präsentierten. Was Ignacio Borrego im Architekturstudium bisher fehlt, konnte bei dieser Kooperation endlich umgesetzt werden: Forschung mit Lehre verbinden und direkt für die Praxis umsetzen. „Als es noch keine Unis gab, haben die Architektinnen auf der Baustelle gelernt, das heutige Studium ist sehr theorielastig und diese Lücke würde ich gerne schließen“, sagt Ignacio Borrego. Bei der BER-Kooperation wollte das Student:innen-Team die Gelegenheit nutzen, an einem Praxisprojekt zu lernen und mit ihren Ideen den Toiletten am Flughafen mehr Leben einzuhauchen. Neben der verbesserten Funktionalität haben sie sich bei ihren Vorschlägen auch auf die Identität des Flughafens und auf nachhaltige Materialien konzentriert.

Toiletten-Galerie

„Viele Flughäfen sehen sich ähnlich, so dass man im Grunde nicht weiß, wo man sich auf der Welt gerade befindet. Die starke Identität der Stadt Berlin wollten wir mit in die Entwürfe für die Umbauten einfließen lassen“, erzählt Borrego. Ein Beispiel: Die Studierenden haben eine Toiletten-Galerie mit riesigen digitalen Wänden entworfen, auf denen in Berlin beheimatete Künstler:innen ein digitales Werk zeigen könnten. So würden die Toiletten auch von den Passagierinnen besucht, um Kunstwerke aus der Hauptstadt zu sehen. Eine andere Idee: Toilettenbesucher:innen können ein Urlaubsfoto auf einer digitalen Wand hochladen. Jedes Foto stellt ein Pixel auf einer Collage dar, die einen Ausblick auf Berlin zeigt. Durch die Interaktivität entstehe eine emotionale Verbindung zwischen Passagierinnen und Flughafen.

Umbau mit Materialen durch Re- und Upcycling

Und weil der Bausektor für 40 Prozent der weltweiten CO2 Emissionen verantwortlich ist und Flughäfen für 2,4 Prozent, wollen die angehenden Architekt:innen für den Umbau möglichst viel Materialen durch Re- und Upcycling wiederverwenden. Ein Entwurf, der Identität und Nachhaltigkeit verbindet, sieht als Baumaterial für die äußere Toilettenwände Bauschutt von restaurierten Denkmälern und Gebäuden in Berlin, zum Beispiel den Reichstag, vor. Auf einer Infotafel erfahren die Toilettenbesucherinnen von den wiederverwendeten Materialen aus Berlin, ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Über 100 Stille Örtchen

Zehn innovative Vorschläge liegen dem Flughafenteam vor. Thomas Hoff Andersson (COO des BER) und Ralph Struck (Leiter Facility Management) über die Entwürfe: „Wir freuen uns über die engagierte Zusammenarbeit sowie die Kreativität und Professionalität der Studierenden. Sie haben die Bedeutung von Sanitäranlagen an einem Flughafen für die Passagierzufriedenheit erkannt und darauf mit ihren Entwürfen reagiert.“ Die Flughafengesellschaft prüft nun, was wann wie umgesetzt werden kann, so dass aus den über 100 Stillen Örtchen in den nächsten Jahren kleine nachhaltige Kulturinseln am Hauptstadtflughafen werden könnten. „Es wäre wunderbar, wenn wir bei der Umsetzung eng dabei sein könnten“, sagt Ignacio Borrego. „Diese einmalige Gelegenheit hat die engagierten Studierenden sehr stolz gemacht – eine Win-Win-Kooperation für alle.“

Quelle: Technische Universität Berlin