23. Juli 2024

Transformation par excellence: U-Halle gewinnt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur

DGNB Präsident Prof. Amandus Samsøe Sattler, Frank Schönert, Co-Founder Hütten & Paläste und Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB | Bildquelle: DGNB

Stuttgart (pm) – Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur geht in diesem Jahr an das Projekt U-Halle in Mannheim. Mit ihrer Wahl würdigt die Jury die Umnutzung eines ehemaligen Distributionszentrums in einen vielseitigen Ausstellungs- und Veranstaltungsort für die Bundesgartenschau BUGA 23. Punkten konnte das Umbauprojekt außerdem mit einem stimmigen Nachnutzungskonzept über die BUGA 23 hinaus. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. vergibt Deutschlands wichtigsten Architekturpreis für nachhaltiges Bauen zusammen mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis bereits zum elften Mal.

„Bestand erhalten und diesen sinnvoll weiternutzen ist das Gebot der Stunde“, sagt Prof. Amandus Samsøe Sattler, DGNB Präsident und Vorsitzender der Jury. „Mit der Transformation einer unattraktiven Lagerhalle in einen abwechslungsreichen, öffentlich zugänglichen Ort ist den Projektbeteiligten ein architektonisches Highlight ganz im Sinne einer zeitgemäßen Umbaukultur gelungen. Dabei ist neben der Expertise der beauftragten Planungsbüros insbesondere der Mut der Stadt Mannheim als Bauherrin hervorzuheben, nichts für die BUGA 23 neu zu bauen.“

Für die Jury zeigt das Gewinnerprojekt, dass gerade öffentliche Bauherren in der Verantwortung stehen, auch bei kleinem Budget mit gutem Beispiel voranzugehen, um in der Gesellschaft ein positives Zeichen zum Umgang mit unserer gebauten Umwelt, sprich der Baukultur, zu setzen. Über die Bundesgartenschau hinaus wurde für die Mannheimer Bevölkerung ein partizipativer und identitätsstiftender Ort geschaffen, der nicht zuletzt die jüngere Geschichte der Stadt als US-Militärbasis widerspiegelt.

(c) U-Halle, Mannheim | Bildquelle: BUGA 2023 gGmbH

U-Halle als gelungenes Beispiel für eine zeitgemäße Umbaukultur

Die U-Halle in Mannheim ist ein ambitioniertes Beispielprojekt für die zeitgemäße, zirkulär ausgeführte Transformation bestehender Gebäude. Die schlichte, insgesamt 700 Meter lange ehemalige Lagerhalle der amerikanischen Streitkräfte auf dem Spinelli Militärgelände wurde in einen prägnanten Ort mit Flächen für Veranstaltungen, Ausstellungen und Gastronomie verwandelt. Neben dem Verzicht auf einen temporären Neubau für die BUGA-Ausstellung setzt der Entwurf vom Berliner Architekturbüro Hütten & Paläste spannende Impulse für eine zeitgemäße Nachnutzung, die nicht nur zusätzliche graue Energie vermeidet, sondern auch zur Bewahrung der Identität des Ortes beiträgt.

Auf der insgesamt 20.000 Quadratmeter großen Fläche ist ein für weitere Lebenszyklen ertüchtigtes, multifunktionales und nachhaltig veränderbares Gebäude entstanden. Rück-, Um-, Aus- und Weiterbau erfolgten weitestgehend zirkulär. Anstelle von Abriss standen im Zuge der Ertüchtigung Erhalt, Wiederverwendung und Ressourcenschonung auf dem Programm. Materialien aus dem Rückbau finden sich heute an anderer Stelle wieder. Beispielsweise wurde Betonbruch zur Geländemodellierung verwendet. Ehemalige Dachpaneele dienen heute als Sichtschutz, Trenn- und Fassadenelemente. Sämtliche Konstruktionen können zudem sortenrein rückgebaut werden.

Das segmentweise Öffnen des vormals monotonen Hallengebäudes schafft neue, spannende Raumzusammenhänge. Die Tragstruktur bleibt in allen Bereichen sichtbar, der Bestand wurde lediglich ausgebessert und repariert, Bruchstellen blieben als solche bestehen, neu eingebrachte Bauteile sind klar ablesbar. Entstanden ist eine Collage aus Alt und Neu. Die entsiegelten Freiräume zwischen den ausgebauten Hallenbereichen sorgen für Retention und Versickerung von Regenwasser, bieten Habitate für heimische Pflanzen und Tiere und schaffen ein angenehmes Mikroklima. Zugleich wurde mit der entsiegelten Freifläche eine wichtige Frischluftschneise für die Mannheimer Innenstadt geöffnet. In einem partizipativen Prozess wurde ein Regelwerk erarbeitet, das weitere Möglichkeiten zum Umbau beschreibt, die von den Nutzenden weitestgehend eigenständig durchgeführt werden können.

Bestandserhalt allgegenwärtig bei allen drei Finalisten

Neben der U-Halle in Mannheim hatten es dieses Jahr zwei weitere Projekte in die Endauswahl beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur geschafft: die Bundesgeschäftsstelle vom Deutschen Alpenverein in München und das Congress Center Hamburg. Wie bereits im vergangenen Jahr zeichnen sich alle Finalisten durch einen vorbildhaften Umgang mit dem Thema Bauen im Bestand aus.

Bereits zum elften Mal wurde der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur von der DGNB und der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis gemeinsam vergeben. Die Auszeichnung wird unterstützt durch die Bundesarchitektenkammer, den Bund Deutscher Architektinnen und Architekten, die Bundesstiftung Baukultur sowie Caparol.

Die Fachjury zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur setzte sich in diesem Jahr wie folgt zusammen: Sabine Djahanschah (Deutsche Bundesstiftung Umwelt), Martin Haas (haas.cook.zemmrich – STUDIO2050), Prof. Thorsten Helbig (knippershelbig), Prof. Fabienne Hoelzel (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart), Markus Lehrmann (Architektenkammer Nordrhein-Westfalen), Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur), Prof. Dr.-Ing. Anja Rosen (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Matthias Rudolph (Transsolar Energietechnik), Prof. Amandus Samsøe Sattler (ensømble Studio Architektur Berlin), Beatrice Soltys (Baubürgermeisterin Stadt Fellbach), Stephan Weber (Architektenkammer Baden-Württemberg)

Die Projektbeteiligten im Überblick:

Bauherr: Bundesgartenschau Mannheim 2023 gGmbH
Architekt: Hütten & Paläste, Berlin
Tragwerksplanung: EFG Beratende Ingenieure GmbH, Fuldabrück/Heidelberg
Haustechnik: SBI GmbH, Walldorf
Brandschutz: Stümpert-Strunk GmbH, Ludwigshafen

Quelle: DGNB