23. Juli 2024

Studierendenhaus: Ausgezeichnet für „federleichte“ Konstruktion

(c) Kristina Rottig/TU Braunschweig


Braunschweig (pm) – Und noch eine Auszeichnung für das Studierendenhaus der Technischen Universität Braunschweig: Die beiden Architekten, Gustav Düsing und Max Hacke, und die Universität freuen sich über den Architekturpreis des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Niedersachsen, der am 23. November 2023 in Hannover verliehen wurde. Der älteste Architekturpreis im Bundesland Niedersachsen wird – unabhängig von einer Gebäudekategorie – an die Bauherrschaft und Architekturbüros gemeinsam vergeben.

Ende September war das Studierendenhaus bereits mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet worden. Jetzt folgt der BDA Preis Niedersachsen, für den es insgesamt 86 Einreichungen gab. Sechs gleichrangige Preise wurden am 23. November vergeben, fünf Arbeiten ausgezeichnet und darüber hinaus 16 weitere Projekte in die engere Wahl genommen. Darunter auch das Audimax der TU Braunschweig. Bei der Beurteilung der eingereichten Projekte hatte die Jury des BDA-Preises besonderen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen gelegt.

Mit zwei Gebäuden im Rennen

„Unser Studierendenhaus ist bereits mehrfach in international kompetitiven Wettbewerben ausgezeichnet worden. Darauf sind wir sehr stolz“, so die Präsidentin der TU Braunschweig, Angela Ittel. „Meine herzlichen Glückwünsche gehen heute an Gustav Düsing und Max Hacke, die diesen fantastischen Lernort entworfen haben. Besonders freut mich zudem aber, dass unsere Universität mit gleich zwei Gebäuden – dem Studierendenhaus und dem Audimax – im Rennen um diesen renommierten Architekturpreis war.“

Torsten Markgräfe, Leiter Geschäftsbereich 3 – Gebäudemanagement der TU Braunschweig, fügt hinzu: „Das prämierte Studierendenhaus und das nominierte Audimax sind die ersten beiden Maßnahmen, die nach der Übertragung der Bauherreneigenschaft von der TU Braunschweig fertiggestellt wurden. Ihre damit anerkannte Qualität ist eine Bestätigung für das in die TU Braunschweig gesetzte Vertrauen. Gleichzeitig ist die Verleihung des Preises auch eine Anerkennung der Leistung meiner Mitarbeiter*innen, die die Umsetzung der Projekte maßgeblich begleitet haben, worüber ich mich persönlich sehr freue.“

Das Studierendenhaus auf dem Zentral-Campus wurde von den beiden Berliner Architekten Gustav Düsing und Max Hacke im Auftrag der TU Braunschweig realisiert. Bauherrin ist die TU Braunschweig. Düsing und Hacke haben am Institut für Entwerfen und Raumkomposition der Universität gearbeitet. Mit ihrem Entwurf konnten sie bei einem hochschulinternen Wettbewerb überzeugen, der 2017 ins Leben gerufen wurde und an dem sich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen aus den TU-Architekturinstituten mit ihren Projekten für eine neues Studierendenhaus bewerben konnten.

„Eigene und heitere atmosphärische Qualität“

Mit seiner Stahl-Holzkonstruktion in zirkulärer, nachhaltiger Bauweise und seinem offenen Raumkonzept bietet das Gebäude hervorragende Bedingungen für 160 studentische Arbeitsplätze.
„Das Studierendenhaus der TU Braunschweig wirkt so federleicht, dass man fast meinen könnte, es stünde nicht in Deutschland“, so die Jury. Der rationalisierte Entwurf sei kein Selbstzweck, sondern diene der inneren Flexibilität sowie der Demontierbarkeit. Denn die Konstruktion mit ihren schlanken Stahlträgern, die allesamt nur verschraubt sind, könne mit geringem Aufwand um- und abgebaut werden. Der Pavillon erinnere an Bauten aus der frühen Nachkriegsmoderne. „Die weißen Stahlelemente, hellen Holzdecken sowie die sonnengelben Akustikvorhänge verleihen ihm jedoch eine eigene und heitere atmosphärische Qualität. Die offene Struktur lässt vielfältige Formen der Aneignung durch die Studierenden zu und schafft damit eine Offenheit, wie sie für die Bauaufgabe Studierendenhaus wünschenswert ist.“

Zur Architektur

Der zweigeschossige filigrane Bau ähnelt einem Pavillon. Das Studierendenhaus zeichnet sich durch eine vollverglaste Fassade aus, die eine hervorragende Tageslichtqualität für alle Bereiche bietet und den Innen- und Außenraum nahtlos verbindet. Die Stahl-Holz-Hybridkonstruktion ermöglicht eine einfache Montage und De-Montage und folgt dem Prinzip des „Design for Disassembly“. Das auf einem quadratischen 3 x 3 Meter-Achsmaß konzipierte Primärtragwerk, bestehend aus Trägern und Stützen, ist modular und setzt sich aus immer gleichen 10 x 10 cm Quadrathohlprofilen zusammen. Die in die Trägerrahmen eingelegten Holzrippendecken sind nur punktuell verschraubt, die Fassade ist nicht verklebt und ebenso demontierbar. So können die Gebäudematerialien nicht nur wiederverwendet werden, sondern ganze Bauteile im Sinne des „zirkulären Bauens“ neue Verwendung finden.

Das energetische Konzept basiert auf einer Fernwärmeversorgung aus 80 Prozent regenerativen Energiequellen in Kombination mit Erdsonden zur sommerlichen Kühlung. Ein drei Meter tiefer Laubengang mit Vordach und Balkonen sowie die umstehenden Bäume verschatten die Fassade im Sommer. Be- und entlüftet wird das Gebäude über Kippfenster und eine zentrale Oberlichtkuppel. Die Arbeitsplätze sind alle mit Steckdosen ausgestattet. Die Steckdosen und die Beleuchtung im Obergeschoss sowie die Kabelführung sind in die Stützen und Träger integriert. Schallschluckende Vorhänge, Teppiche und Akustikdecken sorgen für eine angenehme Raumakustik, so dass in Gruppen diskutiert und an anderen Arbeitsplätzen konzentriert gelernt werden kann.

Über den BDA Preis Niedersachsen

Der BDA Preis Niedersachsen wird seit 1976 ausgelobt und alle vier Jahre vergeben. Die Auszeichnung richtet sich an Bauherrschaft und Architekt*innen und würdigt ihr gemeinsames Werk als beispielgebende baukünstlerische Leistung. Die Preisträger werden für den Bundespreis, die Große Nike, nominiert. Die für den Architekturpreis eingereichten Bauten mussten zum Zeitpunkt der Jurierung fertig gestellt und durften nicht älter als fünf Jahre sein. Außerdem müssen sie in Niedersachsen stehen.

Ausstellung
Alle Projekte werden zuerst in einer Ausstellung im AUFHOF, dem ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäude an der Marktkirche in Hannover, und dann in den verschiedenen BDA Bezirken Niedersachsens gezeigt.

Quelle: Technische Universität Braunschweig