13. Juli 2024

Studierende entwickeln Carapacks-Pavillon und realisieren einen Prototyp für den Hochschul-Campus

(c) Simon Vorhammer

Biberach (pm) Sie sehen aus wie viele überdimensional große Bienenwaben, zusammengesteckt zu einem Wabengebilde, unter dem man hindurch laufen kann. „Carapacks“ ist das Ergebnis eines Design-Build-Projekts, das über mehrere Semester im Studiengang Architektur der Hochschule Biberach (HBC) stattfand. Das Team um die Vertretungsprofessoren Simon Vorhammer und Dr. Jonas Schikore, Prof. Dr. Christina Jeschke und Student David Ott entwickelte ein Konzept, um beliebig gekrümmte Freiformflächen als doppelschalige Stecksysteme umzusetzen. Entstanden ist ein Holzpavillon, der am Campus Stadt errichtet wurde.

Das Besondere an diesem hexagonalen System ist, dass alle Bauteile torsionsfrei sind und lotrechte Schnittkanten aufweisen. Dies ermöglichte eine effiziente und kostengünstige Fertigung mittels Laser- oder Wasserstrahlschneidetechnik. Der Prototyp wurde aus Pappelholz gefräst. Dafür hat die Firma Georg Ackermann GmbH eine Woche lang ihre Lasermaschine zur Verfügung gestellt. Anschließend hat das Team jedes Teil geschliffen und in Lauge getunkt, damit bei Regen nichts abfärbt.

„Uns war wichtig, dass sich die Montage der Teile unkompliziert gestaltet und von unseren Studierenden ohne den Einsatz schwerer Geräte durchgeführt werden konnte“, erklärt Simon Vorhammer. Gemeinsam mit seinen Studierenden hat er zwei Tage lang am Campus gewerkelt und den Pavillon errichtet. Auch Student Tobias Bischoff ist von der Einfachheit des Aufbaus begeistert: „Mich hat fasziniert, dass der Pavillon komplett vorgefertigt werden kann und auf dem Bauplatz ohne großartiges Wissen über das Projekt leicht und verständlich zusammensetzbar ist.“

Umso aufwendiger war dafür die Vorbereitung. Denn das Herzstück des Carapacks-Systems ist sein digitales parametrisches Modell, das es erlaubt, verschiedene Eingangsparameter wie Gesamtform, Geschlossenheitsgrad, Schalenstärke und Größe der Segmente zu definieren. Dadurch können fertigungsreife Bausätze für unterschiedlichste Ausgangsgeometrien erzeugt werden. „Das System ist nicht auf Holzpavillons beschränkt, sondern könnte auch auf Überdachungen und Fassaden übertragen werden.“

Die kreativen Überlegungen und Design-Aspekte, die bei der Planung der Pavillons berücksichtigt wurden, waren vielfältig. Das Team wollte nicht nur eine funktionale Struktur schaffen, sondern auch ein architektonisches Highlight, das die Besucher der Hochschule begeistert. Die Pavillons sollten zudem eine Verbindung zwischen Natur und Technik herstellen und die Idee von Nachhaltigkeit und Recycling vermitteln.

Ziel und der Zweck des Aufbaus des Carapacks-Pavillons war es, den Studierenden der HBC eine Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen in der Praxis anzuwenden. Das Team wollte ein Projekt von A bis Z begleiten und die gesamte Fabrikationsplanung selbst übernehmen. Dazu gehören auch Themen wie Brandschutz, Terminplanung oder das Anwerben von Sponsoren. Prof. Jeschke sieht zudem einen weiteren Nutzen: „Normalerweise erstellt eine Architekt*in Pläne nach den Wünschen der Bauherr*innen. In diesem Fall war es umgedreht – zuerst stand der Plan fest und die Studierenden mussten anhand diesem Sponsoren überzeugen. Aufträge kommen einem nicht zugeflogen, man muss mit seinen Arbeiten überzeugen.“ Deshalb will die Professorin, dass Studierende lernen, mehr als Projektentwickler*innen tätig zu werden. Der Carapacks-Pavillon ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein Beispiel für die innovative und praxisorientierte Ausbildung an der Hochschule Biberach.

Für die Studierenden der Hochschule Biberach diente das Gebilde zudem als Location beim Abschlussfest. Zu diesem wurden neben “Carapacks” zwei weitere Projekte des Seminars umgesetzt. Der Steckpavillon „Plattenbau“ besteht aus rechtwinkligen ineinandergreifenden Platten, die ein begehbares, zeltartiges Konstrukt bilden. Durch die wechselnde Orientierung der Platten entsteht ein Wechselspiel aus Geschlossenheit und Durchblicken. Das Projekt “Stack-Bar” legt seinen Fokus auf Wiederverwendbarkeit. Für den Bau der Bar wurden handelsübliche Holzleisten mit einem, bzw. drei Meter Länge aufgestapelt und über Spanngurte fixiert. Das non-destruktive Fügungsprinzip ermöglicht es, auf Schraubverbindungen zu verzichten. So wurde das Material vom Baumarkt vor Ort leihweise zur Verfügung gestellt, bevor es nach dem Abbau wieder in den Handel ging.

Quelle: Hochschule Biberach