Weimar (pm) – Studierende der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar haben beim diesjährigen »Studienpreis Konrad Wachsmann« überragende Erfolge erzielt: Fünf von insgesamt sechs Auszeichnungen gingen an Abschlussarbeiten nach Weimar. Im Fokus standen Modellprojekte im Spannungsfeld von Stadt und Land, die sich unter anderem mit der Umnutzung von Leerstand und neuen Wohnkonzepten beschäftigen.
Die prämierten Arbeiten setzen sich auf unterschiedliche Weise mit einer zentralen Frage aktueller Baukultur auseinander: Wie lassen sich bestehende Räume, Gebäude und Strukturen angesichts gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Veränderungen zukunftsfähig weiterentwickeln? Im Mittelpunkt stehen dabei Strategien der Umnutzung, des Weiterbauens und der Aneignung. Anstatt auf Verdrängung und Neubau zu setzen, nutzen die Arbeiten die Potenziale des Vorhandenen und entwickeln daraus neue Nutzungsformen. Sie werfen einen kritischen und zugleich konstruktiven Blick auf den Bestand, in unterschiedlichen Maßstäben und mit unterschiedlichen Ausgangslagen.
»Dass fünf von sechs Auszeichnungen in diesem Jahr an Studierende der Bauhaus-Universität Weimar gehen, freut mich besonders. Es zeigt nicht nur die hohe Qualität der Arbeiten, sondern auch, wie tiefgründig und vielfältig sich unsere Studierenden mit Ressourcenfragen in der Architektur und hin zu einer klimagerechten Zukunft in Stadt und Land auseinandersetzen. Der Erfolg ist deshalb auch eine schöne Bestätigung für die engagierte Lehre an unserer Fakultät «, sagt Prof. Dr.-Ing. Sigrun Langner, Dekanin der Fakultät Architektur und Urbanistik.
Je einen Preis erhalten die folgenden gemeinsamen Abschlussarbeiten:
»Nicht erst in fünf Jahren. Wie Leerstand zum Erfahrungsraum wird, am Beispiel der Domäne Dornburg«
Gemeinsame Bachelorarbeit von Leonie Bernert, Alma Terfort, Jale Günther und Masterarbeit von Hannah Kettel
Betreuung: Juniorprofessur Konstruktives Entwerfen und Erproben, Tim Simon-Meyer, sowie Juniorprofessur Stadt Raum Entwerfen, Dorothee Rummel und Nelli Fritzler
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Domäne Dornburg als Ort im Wandel und fragt, wie Leerstand unmittelbar aktiviert werden kann. Die Studierenden entwickeln Strategien für eine schrittweise Aneignung und Nutzung der vorhandenen Gebäude und Freiräume. Dabei verbinden sie räumliche Interventionen mit neuen Formen der Nutzung und Beteiligung. Leerstand wird nicht als Zwischenzustand, sondern als Potenzial verstanden: als Raum für neue Erfahrungen, Nutzungen und gemeinschaftliche Aktivitäten.
»Neubau im Umbau. Potenziale zwischen kurzfristiger Effizienz und langfristiger Nutzung«
Masterarbeit von Elena Dorenkamp und Tomke Röhr
Betreuung: Professur Entwerfen und Wohnungsbau, Prof. Verena von Beckerath
Die Arbeit stellt nach einer fundierten Analyse Fragen an den heutigen Wohnungsneubau und untersucht, ob und wie dieser künftig transformiert werden kann. Am Beispiel eines 2025 fertiggestellten Typenhauses einer Berliner Wohnungsbaugesellschaft wird eine mögliche »Gebäudebiografie« über die ersten 50 Jahre entwickelt. Dabei werden Materiallebensdauern mit Nutzungs- und Umzugszyklen überlagert. Gezielte räumliche und konstruktive Eingriffe zeigen, wie ein standardisierter Neubau innerhalb seiner bestehenden Struktur langfristig weiterentwickelt und an veränderte Anforderungen angepasst werden kann.
»Thanks für your service? – Revisiting IBA Block 06«
Masterarbeit von Till Bäumer-Kern und Benedikt Ahlers
Betreuung: Juniorprofessur Bauentwurfslehre, Jun.-Prof. Christina Köchling
Die Arbeit nimmt den IBA Block 06 in Berlin-Kreuzberg zum Ausgangspunkt für eine erneute Auseinandersetzung mit bestehender Stadt. Sie analysiert die räumlichen Strukturen und Qualitäten des Bestands und fragt, wie diese unter heutigen Bedingungen weiterentwickelt werden können. Das »Revisiting« versteht den bestehenden Stadtbaustein dabei nicht als abgeschlossenes Ergebnis, sondern als Ausgangspunkt für neue Formen der Nutzung und Aneignung. So wird Weiterbauen als Alternative zu Abriss und Neubau gedacht.
Je eine Anerkennung geht an die beiden folgenden Arbeiten:
»Ein Einfamilienhausgebiet im Umbruch«
Masterarbeit von Clara Roth
Betreuung: Professur Bauformenlehre, Prof. Bernd Schmutz
Am Beispiel des ländlich geprägten Orts Thüngersheim wird untersucht, wie bestehende Einfamilienhausquartiere langfristig weiterentwickelt werden können, ohne ihre charakteristischen Qualitäten zu verlieren. Es geht dabei um ein vielfältigeres Angebot an Wohnungsgrößen, die effizientere Nutzung vorhandener Bausubstanz und die Aufwertung gemeinschaftlicher Räume. Ausgehend von räumlichen und sozialen Qualitäten des Eigenheims entwickelt die Arbeit drei Strategien, die bauliche Transformation mit neuen Formen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens verbinden.
»Entfremdete Hinterländer«
Bachelorarbeit von Lucas Schütze
Betreuung: Professur Landschaftsarchitektur und -planung, Prof. Dr. Sigrun Langner sowie Professur Darstellungsmethodik im Entwerfen, Prof. Dr. Mona Mahall
Die Arbeit untersucht am Beispiel der Nahrungsmittelindustrie Mechanismen der Produktion von Landschaft. Anhand der Lieferkette von industriell produziertem Brot werden Stationen vom Supermarkt über eine Erzeugergenossenschaft bis zur regionalen Vertriebsstelle einer Bäckerei untersucht und die räumlichen und sozialen Verflechtungen von Stadt, Landwirtschaft und Logistik kritisch reflektiert. Feldforschung, Interviews, Fotografien, Zeichnungen und Mappings machen die oft unsichtbaren Strukturen hinter der alltäglichen Warenversorgung sichtbar. Daraus entwickelt die Arbeit Ansätze für eine stärkere Verbindung von Stadt und landwirtschaftlicher Produktion.
Der Konrad-Wachsmann-Studienpreis zeichnet herausragende studentische Arbeiten aus, die sich mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Baukultur auseinandersetzen. Im Mittelpunkt stehen innovative und zukunftsweisende Lösungen in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Bauen im Bestand, Kreislauffähigkeit, Nachverdichtung und ressourcenschonendes Planen und Bauen. Der Preis würdigt Arbeiten, die neue Perspektiven auf die Weiterentwicklung von Architektur und Stadt eröffnen. In diesem Jahr setzte sich die Jury zusammen aus: Frau Jun.-Prof. Miriam Hamel, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Herr Prof. Joachim Andreas Joedicke, Hochschule Wismar sowie Herr Prof. Markus Bader, Universität der Künste Berlin.
Quelle: Bauhaus-Universität Weimar