Darmstadt (pm) – Der BDA Darmstadt zeichnet drei studentische Arbeiten der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt mit dem BDA Studienpreis des BDA Hessen aus.
Der BDA Darmstadt lobte im Wintersemester 2025/26 den BDA Studienpreis unter dem Titel „Kirchenräume gemeinsam nutzen“ als Ideenwettbewerb aus. Am Beispiel der Johanneskirche in Darmstadt untersuchten Studierende der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt, wie sakrale Bestandsräume angesichts veränderter kirchlicher und gesellschaftlicher Nutzungen weiterentwickelt werden können. Der Wettbewerb wurde in Kooperation mit der Architekturlehre beider Hochschulen durchgeführt.
Die Arbeiten fragen danach, wie Kirchenräume künftig geöffnet und neu im Alltag verankert werden können: als prägende Orte im Stadtgefüge, als Räume gemeinschaftlicher Nutzung und als baukulturelles Erbe, das nicht museal bewahrt, sondern weitergedacht wird.
Die Preise wurden am 28. Mai 2026 in der Johanneskirche Darmstadt im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Kirchenräume gemeinsam nutzen“ verliehen und überreicht. Gezeigt wurden alle sieben eingereichten Arbeiten. Im Anschluss an die Preisverleihung folgten Impulsvorträge von Karin Berkemann und Arno Klinkenberg sowie eine von Christian Holl moderierte Diskussion. Die Ausstellung war Teil von „Öffentlich“, dem Beitrag des BDA Hessen zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.
Die Jurysitzung fand am 10. Februar 2026 an der Hochschule Darmstadt statt. Der Jury gehörten Katrin Bialucha, Ute Günzel, Fabian Luttropp, Sven Sabary und Markus Schwieger an. Zur Auswahl standen sieben Arbeiten, davon sechs von Studierenden der Hochschule Darmstadt und eine von der Technischen Universität Darmstadt. Die Jury vergab drei gleichrangige Preise, jeweils dotiert mit 600 Euro, sowie vier Anerkennungen, jeweils dotiert mit 50 Euro.
Auszeichnung
Jonas Lang, Technische Universität Darmstadt






Jonas Lang wurde für seinen Entwurf einer als „Schatzkiste“ beschriebenen Struktur ausgezeichnet. Der zweigeschossige Einbau stellt sich separat und introvertiert in den Kirchenraum ein. Er schafft räumlichen Abstand zum Kirchenbau und setzt sich zugleich durch seine Struktur und Oberflächen bewusst von ihm ab. Je Ebene sind sechs kammerartige Räume vorgesehen, ausgestattet mit jeweils zwei kontemplativen Sitzplätzen und mit Blick in den Kirchenraum. Öffnungen, teils variabel ausgebildet, schaffen unterschiedliche Blick- und Raumbeziehungen.
Die bestehende Erschließung des Kirchenbaus bleibt unberührt. Im Eingangsbereich markiert eine Stele einen Treffpunkt, zum Altarbereich hin ist eine Wendeltreppe an der Außenwand des Einbaus angeordnet. Die Jury würdigte die konsequente und stringent konstruierte Grundrissstruktur, die neu gedacht ist und dennoch durch ihre Ordnung Bezug auf den Kirchenraum nimmt.
Auszeichnung
Elias Leopold, Hochschule Darmstadt






Elias Leopold wurde für einen Entwurf ausgezeichnet, der mit einer expressiven Formensprache einen starken Kontrast zur geordneten Hülle des Kirchenbaus setzt. Die fast spielerisch wirkende Struktur erscheint als leichter Innenausbau, der sich an die vorhandene Ordnung anbindet. Konvexe und konkave Bauteile, Schalen und skeletthafte Elemente formen den Raum, lassen ihn fließen und erzeugen wechselnde Raumqualitäten.
Die Ordnung des Kirchenschiffs wird gebrochen, der Kirchenraum bleibt jedoch als Ganzes ablesbar. Grundlegende Funktionen wie Altarbereich und vorgelagerte Bestuhlung bleiben erhalten. Die Jury hob den gut erarbeiteten Kontrast zwischen Bestand und neuer Intervention sowie die überzeugende Darstellung in Modell und Plänen hervor. Entwurf und Darstellung bilden ein konsequent erarbeitetes Ensemble und formulieren einen bemerkenswerten Lösungsansatz für das Problem einer sich verändernden Kirchennutzung.
Auszeichnung
Kathrin Scheifmann, Hochschule Darmstadt






Kathrin Scheifmann wurde für einen Entwurf ausgezeichnet, der die im ersten Obergeschoss vorhandenen Galerien in den Seitenschiffen nutzt und durch neue, den hohen Kirchenraum flankierende Boxen erweitert. Dadurch bleibt der Eindruck des hohen, offenen Mittelschiffs erhalten, während zusätzliche Raumbereiche mit spannenden Blickbeziehungen gegenüberliegend und in den Kirchenraum hinein entstehen.
Das Konzept ermöglicht verschiedene gleichzeitige Nutzungen und entwickelt daraus eine lebendige, marktähnliche Atmosphäre mit unterschiedlichen Aktivitäten. Die Jury würdigte den Ansatz, verschiedene Nutzungen im Kirchenraum gleichzeitig zu ermöglichen und diese auch im äußeren Erscheinungsbild sichtbar werden zu lassen.
Hintergrund
Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA Hessen e. V. lobt jährlich den BDA Studienpreis aus. Der Preis ist ein Förderpreis für den Architekt*innennachwuchs und bietet jungen Studierenden die Möglichkeit, sich zu profilieren und zu positionieren. Der regional in den einzelnen Gruppen des BDA Hessen organisierte Studienpreis richtet sich an die Architekturfakultäten in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Kassel und Mittelhessen.
Mit der Auslobung verweist der BDA auf die Verantwortung der Architekt*innenausbildung als Grundlage für die künftige Qualität der gebauten Umwelt.
Ziel des Preises ist es, junge Talente frühzeitig zu fördern, wegweisende architektonische Ideen sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Hochschullehre und beruflicher Praxis zu stärken. Die kulturelle Bedeutung des Planens und Bauens sowie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Baukultur sollen dabei bewusst gemacht werden.
Quelle: BDA Darmstadt