23. Oktober 2020

Stimmen zur EU-Renovierungswelle

Baugewerbe zur EU-Renovierungswelle: Anreize für mehr Gebäudesanierung schaffen

Berlin (pm) – Zu den vorgestellten Plänen der EU-Kommission zur Renovierungswelle erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe:

„Es ist richtig, dass die EU-Kommission den Gebäudesektor ins Zentrum der Debatte um ein klimaneutrales Europa bis 2050 rückt. Eine höhere Sanierungsquote im Gebäudebestand wird einen wichtigen Beitrag leisten, damit Europa langfristig seine Klimaziele erreicht. Wir begrüßen daher, dass die Kommission mit weiteren Investitionsmitteln die Gebäudesanierung ankurbeln will.

Gleichzeitig laufen die besten Vorsätze ins Leere, wenn sie sich nicht praktisch umsetzen lassen. Die Anforderungen an die energetische Modernisierung von Gebäuden müssen daher praxistauglich und wirtschaftlich gerechtfertigt sein. Überzogene Auflagen würden die Nachfrage hemmen und wären damit kontraproduktiv. Hier ist die Kommission aufgefordert, sich bei der Entwicklung der Mindeststandards mit Augenmaß an der tatsächlichen Baupraxis zu orientieren. Zudem muss die Bereitstellung der Mittel auf die bereits bestehende Förderkulisse in den Mitgliedstaaten abgestimmt sein.

Das Baugewerbe als wichtiger Konjunkturmotor in der Corona-Krise steht bereit, die Renovierungswelle in Deutschland umzusetzen. Die vielen mittelständischen Bauunternehmen haben die Expertise und bauen weiterhin ihre Kapazitäten aus, damit die Sanierungsquote erheblich erhöht werden kann. Nun braucht es wirksame Anreize, die die Nachfrage nach Sanierungsleistungen steigern.

Quelle: Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB)

EU-Renovierungswelle: Für sozialverträglichen und wirtschaftlichen Klimaschutz sind wirksame staatliche Zuschüsse notwendig

Berlin (pm) – Die Europäische Kommission hat ihre Strategie über eine EU-weite Renovierungswelle vorgelegt. Danach sollen bis 2030 insgesamt 35 Millionen Gebäude in Europa energetisch modernisiert werden und die Sanierungsrate damit auf zwei Prozent verdoppelt werden. Die Strategie der EU-Kommission sieht zudem finanzielle Unterstützung unter anderem aus dem Corona-Aufbauplan Next Generation EU vor.

Dazu Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW:

„Die mit der EU-Renovierungswelle geplante Verdoppelung der Sanierungsrate im Gebäudebereich ist extrem ambitioniert. Sie wird sich nur dann sozialverträglich und wirtschaftlich umsetzen lassen, wenn die Wohnungsunternehmen für die notwendigen energetischen Modernisierungen direkte Zuschüsse erhalten. Diese Zuschüsse dürfen für die Unternehmen keine Beihilfe darstellen. Darauf weisen auch die europäischen Vermieter- und Mieterverbände bereits seit mehreren Monaten gemeinsam und mit Nachdruck hin.

Für Gebäude, in denen Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen wohnen, sind dabei Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Modernisierungskosten notwendig. Die Bundesrepublik muss deshalb die finanziellen Mittel in Milliardenhöhe, die die EU-Kommission für die energetische Modernisierung zur Verfügung stellt, auch vollständig für entsprechende Zuschüsse verwenden.

Die Energiewende als Ganzes wird nur Erfolg haben, wenn sie nicht zum sozialen Spaltpilz wird. Um die hoch gesteckten, gesellschaftlich und politisch gewollten Klimaziele zu realisieren, ist deshalb wirksame finanzielle Unterstützung unabdingbar. Andernfalls wird Klimaschutz beim Wohnen gleichbedeutend mit Mieterhöhungen bis hin zu Verdrängung. Die europäischen Vorstellungen verbindlicher energetischer Mindeststandards lösen das Problem mangelnder Wirtschaftlichkeit und Mietzahlungsfähigkeit nicht. Sie würden aber dazu führen, dass bezahlbare Wohnungen ‚wegsaniert‘ werden.

Für mehr und vor allem bezahlbaren Klimaschutz beim Wohnen brauchen wir deshalb einen Paradigmenwechsel: Zunächst muss analysiert werden, warum trotz hunderter Milliarden von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung in den vergangenen Jahren der Raumwärmeverbrauch und die CO2-Emissionen bei Wohngebäuden nicht abnehmen. Dann benötigen wir eine Steuerung von Investitionen und Förderung, die sich nach CO2-Emissionen richtet.

Insbesondere muss es Wohnungsunternehmen dann endlich ermöglicht werden, Strom vor Ort durch erneuerbare Energien und als Nebenleistung zur Vermietung zu erzeugen. Neben Mieterstrommodellen sollte die Senkung von CO2-Emissionen mit Blick auf die Zusammenhänge in ganzen Wohnquartieren im Fokus stehen.“

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen vertritt als größter deutscher Branchendachverband bundesweit und auf europäischer Ebene rund 3.000 kommunale, genossenschaftliche, kirchliche, privatwirtschaftliche, landes- und bundeseigene Wohnungsunternehmen. Sie bewirtschaften rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen. Der GdW repräsentiert damit Wohnungsunternehmen, die fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland bewirtschaften.

Quelle: GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.

Renovation Wave der EU-Kommission: Alle Nutzungsklassen mit einbeziehen

Berlin (pm) – Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, unterstützt das Vorhaben der EU-Kommission, mit dem Strategiepapier „Renovation Wave“ die Themen Energiewende und Klimaschutz detailliert und mit Nachdruck voranzutreiben. „Der Gebäudesektor, insbesondere mit seinen Bestandsimmobilien, ist der Schlüssel dazu, die Klimaziele von Paris zu erreichen“, so ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner. „Dabei ist wichtig, dass dies unter den Voraussetzungen von Wirtschaftlichkeit und Technologieoffenheit geschieht und alle Nutzungsklassen mit einbezogen werden. Die zahlreichen im Dossier enthaltenen Initiativen müssen nun genau geprüft und mit der Branche intensiv diskutiert werden.“

Mattner unterstrich die Bereitschaft der Immobilienwirtschaft, Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen. „Seit Jahren sind wir Vorreiter beim Klimaschutz – in keinem anderen Sektor sind die bereits realisierten Emissionsreduzierungen so hoch wie im Bereich der Gebäude: Von 1990 bis 2014 erfolgte eine Reduktion von 209 auf 119 Millionen Tonnen jährlich.“ Der ZIA stehe für Gespräche bereit und werde mit der Expertise seiner Mitglieder seinen Beitrag im konstruktiven Dialog auf nationaler und europäischer Ebene leisten, so Mattner.

Quelle: Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA)

BAUINDUSTRIE begrüßt „Renovierungswelle“ der EU-Kommission

Berlin (pm) – „Mit den Plänen der EU-Kommission könnten in Europa bis 2030 ca. 35 Mio. Gebäude renoviert und somit 160.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft geschaffen werden. Das ist ein gutes Signal für die Bauwirtschaft in Zeiten von Corona“, sagte Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, zur Vorstellung der Kommissionsstrategie zur „Renovierungswelle“. „Zugleich ist es ein wichtiger Schritt, damit die EU ihre klimapolitischen Ziele erreichen kann. Das wird ohne deutliche Anstrengungen im Gebäudesektor nicht funktionieren.“ Die Verknüpfung wirtschaftlicher Anreize mit den Zielen des Klimaschutzes sei richtig, um nachhaltig zu investieren.

Allerdings sei es aus Sicht der BAUINDUSTRIE fraglich, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen wirklich ausreichen, um die fällige Umorientierung der europäischen Gebäudewirtschaft in Richtung Energieeffizienz zu bewirken. „Wir haben in den letzten Jahren bereits Milliarden an Fördermitteln ausgeschüttet, ohne dass die Sanierungsrate auch nur annähernd in den erforderlichen Bereich gebracht werden konnte“, so Babiel weiter. „Offenbar sind die Hemmnisse für Gebäudebesitzer nicht flächendeckend überwunden.“

Vor diesem Hintergrund sei eine grundsätzlich andere Herangehensweise erforderlich. „Gebäudesanierung muss eine leicht erhältliche und leicht umsetzbare Maßnahme werden“, betont Babiel. Unter dem Stichwort „Serielles Sanieren“ müssten Konzepte entwickelt und dafür Förderprogramme umgestrickt werden in Richtung Industrieförderung. „Wir müssen die Kleinteiligkeit der Umsetzung überwinden, wenn wir signifikante Erfolge erzielen wollen.“ Hier müssten endlich wirksame, bauindustrielle Konzepte mit umfassenden Servicepaketen vorangetrieben werden. Bislang seien Förderprogramme zu sehr auf Objektförderung am Einzelgebäude ausgerichtet und überwänden nicht das Hemmnis aufwändiger und kleinteiliger Individualmaßnahmen. Ergänzend müsse die Förderstruktur auf neue, einfache anwendbare serielle Herangehensweisen ausgerichtet werden. Ein systematisches Industrieförderprogramm würde entsprechende Angebotsstrukturen schaffen.

Ausdrücklich befürwortet werde das Aufsetzen einer integrierten Strategie mit sowohl quartiers- wie auch sektorübergreifenden Ansätzen. Weitere Effizienzgewinne würden durch ein konsequentes, ganzheitliches Zusammendenken von Gebäudetechnologie, erneuerbarer Energieversorgung und Digitalisierung (KI) erwartet.

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.