16. September 2026

Start für den European Real Estate Index (EREI): Wohnraumpreise in Deutschland steigen langsamer als in Europa

Halle (Saale) (pm) – Der Kaufpreisanstieg für angebotene Wohnimmobilien in Deutschland bleibt seit Frühjahr 2025 deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. Das zeigt der European Real Estate Index (EREI) des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dieser neue Datenservice analysiert nahezu in Echtzeit 43 Millionen Angebote in Online-Immobilienportalen und macht Kaufpreise und Mieten in 1 154 europäischen Regionen monatlich und zeitnah vergleichbar.

Der EREI beleuchtet die Dynamik regionaler Immobilienmärkte bereits bevor amtliche Immobilientransaktionsdaten vorliegen. Einen ersten Eindruck vermittelt die jüngste EREI-Auswertung (vgl. Abbildung 1): Im Juli 2026 stieg der Angebotspreisindex für das deutsche Kaufsegment gegenüber dem Vormonat um 1,2%, während der EREI im europäischen Mittel um 0,1% nachgab. Seit März 2025 beträgt der Anstieg in Deutschland 2,5% im Vergleich zu 6,6% in Europa. EREI macht diese Preisentwicklungen für 1 154 kleinteilige Regionen in 16 europäischen Ländern sichtbar.

Immobilien sind für Wirtschaft und Finanzstabilität von zentraler Bedeutung, weil sie die Bilanzen privater Haushalte, Banken und Unternehmen miteinander verbinden. Wohnimmobilien machen – je nach Vermögensgruppe – rund 50 bis 72% des Nettovermögens privater Haushalte aus. Zugleich entfielen 2022 fast 40% der Kredite und Forderungen von Banken im Euroraum auf Immobilien. Veränderungen der Immobilienwerte beeinflussen daher Vermögen und Konsum in der Realwirtschaft, gleichzeitig aber auch Kreditsicherheiten und Bankrisiken im Finanzsystem. Da Finanzierung, Wohneigentum und Zinsbindung regional stark variieren, hat somit auch eine einheitliche Geldpolitik in der Eurozone unterschiedliche lokale Folgen. Der neue Datenservice EREI eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, um regional unterschiedliche Transmissionseffekte geldpolitischer Politikmaßnahmen zu untersuchen.

Der EREI basiert auf Online-Inseraten für Wohnimmobilien. Er erfasst monatlich Angebotspreise pro Quadratmeter, die Zahl der Inserate und deren Vermarktungsdauer, sowohl für Kaufangebote als auch für Mietangebote. Die veröffentlichte Zeitreihe beginnt im April 2024. Geprüfte Monatswerte werden in der Regel bereits im Folgemonat bereitgestellt. Damit ergänzt EREI die amtlichen, transaktionsbasierten Preisstatistiken, zum Beispiel den Hauspreisindex der Europäischen Zentralbank (EZB), um schnellere und regional feinere Signale (vgl. Abbildung 2). Ein Vergleich mit amtlichen Transaktionsdaten zeigt, dass der EREI die regionalen Preisniveaus sehr zuverlässig abbildet: In den fünf größten untersuchten Märkten ‒ Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den Niederlanden und Spanien ‒ stimmen die EREI-Daten weitgehend mit den tatsächlich erzielten Immobilienpreisen überein.

„Angebotspreise sind nicht dasselbe wie die tatsächlich gezahlten Kaufpreise. Sie zeigen jedoch früh und auf kleiner regionaler Ebene, wo Wohnen beispielsweise besonders teuer ist und wie sich Märkte auseinanderentwickeln“, sagt Michael Koetter, Leiter der Abteilung Finanzmärkte und Vizepräsident am IWH sowie Mitentwickler des EREI. „Gerade weil nationale Durchschnittswerte große lokale Unterschiede verdecken können, eröffnet EREI neue Möglichkeiten für Forschung und wirtschaftspolitische Analysen auf granularer Ebene.“

IWH-Präsident Reint Gropp begrüßt den neuen Datenservice als Instrument der Politikberatung: „Immobilienpreise berühren Vermögen, Kreditversorgung und Finanzstabilität zugleich. EREI schafft eine öffentlich zugängliche Datengrundlage, mit der regionale Entwicklungen früher erkannt und politische Maßnahmen besser gestaltet werden können.“

Die Daten des European Real Estate Index (EREI) stehen über ein interaktives Dashboard sowie über eine Programmierschnittstelle (API) unter folgendem Link zur Verfügung: erei.iwh-halle.de/dashboard/.

Publikationen

Michael Koetter, Felix Noth, Fabian Woebbeking: European Real Estate Index (EREI) 2026: A Near-real-time European Real Estate Index EREI: Monthly Listing Prices and Rents for Residential Real Estate. IWH Technical Reports 2/2026. Halle (Saale) 2026.

Michael Koetter, Felix Noth, Fabian WoebbekingDo Online Real Estate Listing Prices Gauge Transaction Prices (Well)? Evidence from Novel Near-Real-Time Data. IWH Discussion Papers 13/2026. Halle (Saale) 2026.

Quelle: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)