30. November 2021

Städtebau-Wettbewerb: Jury prämiert Entwurf für das IBA’27-Projekt »Produktives Stadtquartier Winnenden«

Visualisierung aus dem städtebaulichen Entwurf von JOTT architecture & urbanism GbR für das IBA’27-Projekt »Produktives Stadtquartier Winnenden«: Blick auf Freiräume zwischen den Baublöcken (x) JOTT architecture & urbanism GbR

Stutgart (pm) – Das Büro JOTT architecture and urbanism aus Frankfurt am Main hat den offenen Städtebauwettbewerb der Stadt Winnenden und der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) gewonnen. Der Entwurf für ein produktives und lebenswertes Stadtquartier der Zukunft mischt Flächen für Industrie, Gewerbe, Wohnen und Freizeit in neuartigen dichten und urbanen Baublöcken, die in großzügige, gemeinschaftlich genutzte Freiräume eingebettet sind. Der Juryvorsitzende Prof. Tim Rieniets lobt den Entwurf als »ein echtes Pionierprojekt und ein Gewinn für Winnenden und die Region Stuttgart«. IBA’27-Intendant Andreas Hofer sagt, das Projekt sei ein »Meilenstein für die IBA« und versöhne Wohnen mit Produktion und Landschaft in einem urbanen Raum. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth spricht von einem »Glücksfall für Winnenden«, der ein »echtes Vorbild für andere produktive Stadtquartiere in nah und fern« werden könne.

Industriehallen, ein Handwerkerhof und Werkstätten, ein Start-Up-Haus, klassische Büros und Co-Working-Spaces, Labore und Ateliers, eine Kita und ein Mobilitätszentrum, ein Hofladen, ein Café, vielleicht eine Besenwirtschaft. Darüber Dachgärten und Gewächshäuser sowie unterschiedlichste Wohnungen mit Blick ins Grüne. Das alles in sieben gemischten und dicht gebauten Häuserblöcken, in deren innenliegenden Höfen städtische Betriebsamkeit herrscht. Nach außen wenden sich diese »produktiven Cluster«, in denen gearbeitet und gewohnt wird, auf großzügige Freiräume: sie durchziehen das ganze Quartier, verbinden die Häuserblöcke und werden als Allmende gemeinschaftlich genutzt – als Streuobstwiesen beispielsweise oder auch Bolzplätze. An einer lebendigen Hauptachse mit hoher Aufenthaltsqualität reihen sich kleine Plätze und Gemeinschaftseinrichtungen auf, Fußgänger und Radfahrerinnen haben Vorfahrt. Autos finden in zwei Quartiersgaragen am Rand Platz. In Richtung Innenstadt und Bahnhof bildet ein Marktplatz das einladende Entrée.

Dieses Bild zeichnet der Entwurf von Prof. Dr. Janna Hohn und Josh Yates vom Büro JOTT architecture and urbanism (Frankfurt am Main) für das »Produktive Stadtquartier Winnenden«. Das neue Stadtviertel soll auf einer etwa 5,5 Hektar großen Fläche zwischen dem Bahnhof Winnenden und der Bundesstraße B 14 entstehen. Am vergangenen Mittwoch hat das Preisgericht den Wettbewerbsbeitrag des Büros aus insgesamt 34 Einreichungen ausgewählt und einstimmig mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Ausgelobt hatte den offenen Städtebauwettbewerb die Stadt Winnenden zusammen mit der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27). Die teilnehmenden Büros sollten zeigen, wie sich auf dem heute landwirtschaftlich genutzten Areal Gewerbeflächen, Wohnungen und Freizeiteinrichtungen in einem ressourcenschonenden und lebenswerten Quartier der Zukunft ergänzen können. Der zweite Preis ging an ROSA Architekten aus Berlin, den dritten Platz vergab die Jury an eine Einreichung von studio komaba, Nora Walter und Zora Syren (München / Zürich). Das Winnender Stadtquartier ist eines von derzeit 14 offiziellen IBA’27-Projekten in der Region Stuttgart.

Visualisierung aus dem städtebaulichen Entwurf von JOTT architecture & urbanism GbR für das IBA’27-Projekt »Produktives Stadtquartier Winnenden«: Blick auf Freiräume zwischen den Baublöcken (x) JOTT architecture & urbanism GbR

Rieniets: »Hohe bauliche Dichte, ohne auf großzügige Grünräume zu verzichten«

»Politik und Fachwelt sind sich schon seit langem darüber einig, dass Produktion und Gewerbe wieder zurück in die Städte kommen sollen«, erläutert der Juryvorsitzende Prof. Tim Rieniets. »In der Realität ist das aber leider oft nicht der Fall. Überall ist zu beobachten, dass stadtnahe Handwerks- und Produktionsbetriebe lukrativeren Nutzungen wie beispielsweise Wohnprojekten weichen müssen. Das produktive Stadtquartier in Winnenden ist ein echtes Pionierprojekt, weil es exemplarisch zeigen kann, wie Wohnen und Arbeiten in einem attraktiven Stadtquartier verschmelzen.« Der Siegerentwurf zeige auf vorbildliche Weise, wie sich eine hohe bauliche Dichte erreichen lässt, ohne auf großzügige Grünräume verzichten zu müssen, so Rieniets weiter: »Das Preisgericht war davon überzeugt, dass der Entwurf insgesamt die hohen Anforderungen der IBA’27 erfüllt und ein echter Gewinn für die Stadt Winnenden und die Region sein wird.«

Holzwarth: »Städtebauliches Zukunftsmodell, klimafreundlich und sozial vernetzt«

Hartmut Holzwarth, Winnendens Oberbürgermeister, betont: »Seit 1212 ist Winnenden Stadt und hat lange Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und Gemeinschaftsorte in den Funktionen Wohnen, Arbeiten und soziale Begegnung verbunden. Die Moderne trennte diese Funktionen jedoch in räumlich entfernte Bereiche auf. Der vom Büro JOTT entworfene und vom Preisgericht ausgewählte Quartiersplan reintegriert diese Funktionen sensibel in einem schlüssigen städtebaulichen Zukunftsmodell, klimafreundlich und sozial vernetzt. Dieser komplexe neue Ort kann daher ein echtes Vorbild für andere produktive Stadtquartiere in nah und fern werden. Es ist ein Glücksfall für Winnenden, diese herausfordernde Aufgabe im Rahmen der IBA‘27 mit allen Beteiligten angehen zu können.«

Hofer: Ein »Meilenstein für Winnenden und die IBA’27«

Die produktive Stadt, also die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit in dichten und lebenswerten Quartieren, steht im Mittelpunkt der IBA’27. »Für die IBA ist der Wettbewerb ein Meilenstein«, sagt der IBA’27-Intendant Andreas Hofer. »Die Stadt Winnenden hat sich entschlossen, zu zeigen, wie Alternativen zu den ausufernden reinen Gewerbegebieten aussehen können, und dabei gleichermaßen der Flächenknappheit für die Industrie und dem Mangel an bezahlbaren Wohnungen zu begegnen.« Der Entwurf versöhne Wohnen mit Produktion und Landschaft in einem urbanen Raum, so Hofer. »Er erzählt die Geschichte der produktiven Stadt aus den spezifischen Qualitäten der Region und des Standorts heraus: Von der kleinteiligen Selbstversorgerlandwirtschaft in Tradition der ›Stückle‹, über Räume für Garagentüftler, Startups und etablierte Handwerksbetriebe bis hin zu Laboren und Produktionsflächen für die Hightech-Industrie – ergänzt mit vielfältigen Wohnangeboten, die urbanes Leben mit Gemeinschaft und grünen Außenräumen verbinden. Wenn die Kommune den eingeschlagenen Weg systematisch weiterverfolgt, könnte hier ein Vorzeigequartier für die Menschen und Firmen in Winnenden entstehen, auf das im IBA-Präsentationsjahr 2027 die Welt schaut.«

Im nächsten Schritt wird die Stadt Winnenden das Büro JOTT architecture and urbanism auf Grundlage ihres städtebaulichen Entwurfs mit der Rahmenplanung beauftragen. Nach Abschluss der amtlichen Neuordnung der Grundstücke steht fest, für welche zusammenhängenden Baublöcke die Stadt als Eigentümerin Grundstücke zu vergeben hat. Im Rahmen einer Konzeptvergabe werden Grundstücke nicht nach Höchstpreis, sondern nach dem besten Konzept vergeben. Bis zum IBA-Präsentationsjahr 2027 werden erste Bausteine des neuen Winnender Quartiers sichtbar sein.

Pressemitteilung: Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH