31. Juli 2026

Stadtforum Dresden: Neues Verwaltungsgebäude von TCHOBAN VOSS Architekten und Barcode Architects

Hamburg (pm) – Im Zuge der städtebaulichen Neuentwicklung des Bereiches rund um den historischen Ferdinandplatz im Zentrum von Dresden gewann der Entwurf von TCHOBAN VOSS Architekten und Barcode Architects den ersten Preis eines Gestaltungswettbewerbs für das neue Dresdner Verwaltungszentrum „Stadtforum“. Das rund 35.000 m2 große Gebäude konzentriert bisher in der Stadt verstreute Verwaltungsbereiche am neuen zentral erreichbaren Standort. Gegenüber dem historischen Rathaus entstand eine wichtige neue Raumkante zum historischen Stadtkern und in Richtung der östlich angrenzenden, sehr weiträumigen Grün- und Verkehrsflächen. Gleichzeitig dient der Neubau als Pilotprojekt für die weitere bauliche Entwicklung auf der seit 1945 brachliegenden Fläche.

Konzept

Die Gebäudekubatur folgt nordöstlich geradlinig dem Verlauf der umgebenden Straßenzüge und spannt nach Süden einen neuen polygonalen Platz auf. Die Fassade ist horizontal nutzungsspezifisch in Sockel, Mittelteil und Dachzone gegliedert. Über alle Geschosse ist ein vertikales Raster gespannt, das ortstypische vertikale Fensterformate erzeugt und im Versatz gruppiert. Nach Nordwesten ist das Volumen polygonal zugespitzt. Großformatige Fassadenausschnitte prägen als „Stadtfenster“ jeweils eine der drei Seiten des Gebäudes.

Eine über zwei Geschosse verglaste Fassadenöffnung markiert im Süden den Haupteingang am neuen „Ferdinandplatz“. Ein Panoramafenster im ersten Obergeschoss eröffnet an der Nordfassade den Blick auf das gegenüberliegende Rathaus. Der bepflanzte Innenhof mit einer Öffnung vom zweiten bis zum vierten Obergeschoss nimmt Bezug auf die Grünräume östlich des Stadtkerns.

Die gesamte Fassade besticht durch eine wahrnehmbare Plastizität: Im Sockel- und Mittelteil kommt der resultierende Schattenwurf auf hellbeigem Dietfurter Kalkstein besonders zur Geltung. Die graphisch homogene Farbigkeit des Materials wurde in Anlehnung an die Sandsteinfassaden umgebender Leitbauten gewählt. Sowohl im Erdgeschoss, als auch im Mittelteil sind auf Natursteinstürzen und Fensterklappen Stadtwappen als plastisches Relief angeordnet. Sie betonen den Versatz des Fassadenrhythmus, signalisieren die öffentliche Funktion des Gebäudes und stehen in der Dresdner Tradition der reichen bildkünstlerischen Fassadengestaltung öffentlicher Gebäude.

Oberhalb des Natursteinbereiches mit seinen schräg angeordneten Laibungsplatten schließt die orthogonal ausgerichtete, metallische Fassade des fünften und sechsten Obergeschosses an. Im Wechsel angeordnete Glas- und Blindfelder werden dabei von bronzebraun beschichteten Aluminiumlisenen umfasst. Nur in der Frontansicht sind Einblicke in den Innenraum möglich. Mit zunehmender Schrägansicht bzw. bei Bewegung durch den Stadtraum verschmelzen die Geschosse als Dachzone zu einer geschlossenen Schicht genau in der Höhenlage der markanten Dachlandschaft des historischen Rathauses gegenüber.

Nutzung

Im Erdgeschoss befinden sich öffentlich zugängliche Bereiche wie das Foyer mit Information, Restaurant, das städtische Fundbüro und Räume zur Bürgerberatung. Ausstellungsflächen mit Exponaten aus den örtlichen archäologischen Grabungen, dem Stadtmodell sowie das Konferenzzentrum komplettieren die öffentlichen Nutzungen im ersten Obergeschoss. Dieses beinhaltet innerhalb eines hölzern bekleideten Kernvolumens außerdem der Büronutzung zugehörige Besprechungsräume. Öffentliche und halböffentliche Nutzungen der beiden ersten Etagen werden ringförmig über Frei- und Wendeltreppen zu einem informell nutzbaren Aufenthaltsraum mit zusätzlichen Café-, Lounge- und Ausstellungsflächen – der „Agora“ – verwoben. Bis zu 1.200 Personen finden dort Platz.

Die Foyerbereiche knüpfen mit einzelnen bronzefarbenen Elementen und homogen grauem Bodenbelag an die Materialität der Fassade und der Außenanlagen an. Prägendes Element der Räume ist die Lamellen-Wandbekleidung aus Weißtanne. Ihre lichte und heitere Anmutung wird begünstigt durch den großzügigen Lichteinfall und steht im spannenden Kontrast zu dunkelblau gefassten stirnseitigen Wänden, Durchgängen und Nischen. Im Übergang von Foyer zu „Agora“ an der Gebäudespitze im ersten Obergeschoss befindet sich eine ca. 100 m² große, raumhohe Pflanzwand mit automatisierter Bewässerung.

Die fünf darüberliegenden Bürogeschosse sind der rein dienstlichen Nutzung vorbehalten und um zwei begrünte Innenhöfe organisiert, die für natürliche Belichtung und ein angenehmes Arbeitsumfeld sorgen. Im Zusammenspiel mit einer querliegenden Versorgungs- und Erschließungszone werden effiziente Wege und flexibel nutzbare Raumzonen für über 1.000 Arbeitsplätze ermöglicht. Nach dem „Shared-Desk-Prinzip“ gibt es in den neuen Arbeitswelten des Stadtforums keine persönlichen Arbeitsplätze. Auf Grundlage weitestgehend digitalisierter Verwaltungsprozesse kann das Arbeitsumfeld über ein Buchungssystem flexibel aufgabenspezifisch gewählt werden. Neben den regulären Gruppenbürobereichen gibt es interaktive Zonen wie Arbeitsinseln und Chat-Pods sowie Denkräume für konzentrierte Einzelarbeit, Telefonboxen für Online-Meetings und Besprechungsräume zur Teamarbeit in verschiedenen Größen. Besonderes Augenmerk fiel auf die Raumakustik. Die für eine ideale Nachhallzeit vollflächig absorbierend ausgebildete Decke sowie ein spezieller Akustik-Teppich wurden zur Einhaltung höchster Standards um textile Tischabsorber ergänzt.

In den beiden Untergeschossen befinden sich eine öffentliche Tiefgarage, ein Bereich für Dienstfahrzeuge der Landeshauptstadt, ein großer Raum für Fahrräder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Umkleide-, Lager- und Technikbereiche.

Nachhaltigkeit, Sicherheit und Technik

Das Gebäude erfüllt den KfW-55-Energiestandard und ist Träger des Nachhaltigkeitszertifikates BNB Silber. Neben der hochgedämmten Gebäudehülle tragen u.a. die besondere Wärmeversorgung über den Rücklauf des Fernwärmenetzes und eine intelligente Lüftungssteuerung zur bauteilaktivierenden Nachtauskühlung zum effizienten Gebäudebetrieb bei. Das Gründach integriert 376 Photovoltaikmodule in Ost-West-Ausrichtung, und sorgt für einen mikroklimatisch wie entwässerungstechnisch vorteilhaften verzögerten Durchfluss des Niederschlagswassers in unterirdische Rigolen. Alle öffentlichen Bereiche des Stadtforums sind barrierefrei gestaltet. So wurde beispielsweise ein optisch und taktil wahrnehmbares Leitsystem für den geschossübergreifenden Rundgang durch Foyer und Agora realisiert. Alle Etagen sind barrierefrei zugänglich.

Für die Gebäudesicherheit sind nach Vorgaben des Landeskriminalamtes (LKA) u.a. stufenweise Sicherheitszonen sowie entsprechende Zugangskontrollen und Überwachungstechnik eingerichtet, welche durch einen 24-Stunden Sicherheitsdienst unterstützt werden. Eine vollständige Sprinklerung ermöglicht den Entfall von Brandwänden zwischen den Nutzungseinheiten der einzelnen Etagen. Teilbereiche können über ein Netzersatzaggregat mit Notstrom versorgt werden.

Quelle: TCHOBAN VOSS Architekten GmbH