6. Februar 2023

Stadt der Zukunft: Knapp 3.400 Menschen wurden zur Entwicklung der KielHöfe befragt

Kiel (pm) – Der Wettbewerb der Städte erfordert stadtindividuelle Positionierungen: Städte brauchen ihre eigene, unverwechselbare DNA, um sich untereinander abzugrenzen. Für ein tieferes Verständnis von Kiel hat KN Services mit einer Umfrage die Stadtbevölkerung einbezogen. Sie bildete die Basis für den konzeptionellen Ansatz des Stadtquartiers, das sich in die Spezifika der Stadt und ihrer Identität einbettet.

Die Konkurrenz unter den Städten um Unternehmen, Arbeitsplätze und einkommensstarke Haushalte wird schärfer. Verantwortliche geraten zunehmend unter Druck, wenn sie dabei bestehen und gewinnen wollen.

Wer die lokalen Facetten der eigenen Identität stärker für die (Innen-)Stadtplanung und die Immobilienentwicklung nutzt, ist im Vorteil: Dann entstehen einzigartige Angebote, die sich zur Profilierung urbaner Standorte eignen.

Gerade im Erlebnisraum Innenstadt geht es darum, alle Themen sichtbar zu machen, die eine städtische Gesellschaft prägen. Die Menschen wollen Vielfalt und sinnstiftende Anknüpfungspunkte, die über den Kontext von Konsum hinausgehen.

Aber wie schaffen es Stadtplaner und Immobilienentwickler, sich der Identität einer Stadt anzunähern? Und in welcher Entwicklungsphase sollte die „DNA der Stadt“ im Mittelpunkt stehen?

Für die Konzeption des Stadtquartiers KielHöfe hat KN Services die Analyse der Identität von Kiel ganz an den Anfang gestellt. Einer der Grundpfeiler war dabei die Umfrage „typisch Kiel“ unter rund 3.400 Leserinnen und Lesern der Kieler Nachrichten.

 

@Effekt Architects

 

Wie tickt Kiel? – Auf der Suche nach den Identitätsmerkmalen einer Stadt

Herzstück der Umfrage war der sogenannte Repertory Grid aus 17 gegensätzlichen Eigenschaftspaaren. Er geht davon aus, dass Menschen sich über Sprache „outen“. Angewendet auf den Forschungsgegenstand „Stadt“ gibt diese Methode Aufschluss über die soziale Konstruktion von städtischen Wirklichkeiten wie beispielsweise der Identität und ihren Merkmalen.

Aus der Abfrage besonderer Kieler Orte – positiv wie negativ – sollten überdies weitere Erkenntnisse über städtische Qualitäten abgeleitet werden. Außerdem sollte evaluiert werden, ob einige der in diesem Rahmen identifizierten Sehnsüchte und Bedürfnisse der Stadtgesellschaft in der Quartiersentwicklung mitgedacht und umgesetzt werden können.

Im Zuge der Marktforschung wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Wahrnehmung von „typisch Kiel“ in Metaphern wiederzugeben – sie eignen sich gut dafür, komplexe Dinge auszudrücken. Weitere Fragetechniken zielten darauf ab, sich Kiel als Person vorzustellen.

Einig waren sich die meisten Kielerinnen und Kieler über die fünf Eigenschaften von Kiel: Sie lauten „echt“, „entspannt“, „familiär“, „freundschaftlich“ und „offen“. Diese Attribute sollten unter dem Dach des Leitbildes „typisch Kiel“ über alle Ebenen des Quartiers und seiner Entwicklung sichtbar gemacht werden – inhaltlich, baulich und architektonisch.

Die Umfrage-Ergebnisse flossen in ein typisch Kiel-Workbook ein. Es diente den Architekten im städtebaulichen Wettbewerb als Informationsquelle und war Maßgabe für die Entwürfe. Gewonnen haben Effekt Architects aus Kopenhagen – ihr Entwurf wird nun in Kiel umgesetzt.

 

@Effekt Architects

 

„Natürliche Baumaterialien prägen das Quartier und überzeugen mit echter Haptik!“

Die typisch Kiel-Eigenschaft „echt“ spiegelt sich beispielsweise bei den Baumaterialien wider: Das Untergeschoss des Quartiers wird aus unveredeltem Beton bestehen und in seiner rauen Material-Haptik belassen. Die oberen Geschosse werden auf Basis eines Holzhybrid-Ansatzes erstellt, der sich zum größten Teil aus Holz zusammensetzt. Auch die Fassade wird mittels dieses natürlichen Rohstoffes gestaltet.

Echtheit entfaltet sich außerdem auf Handlungsebenen, die über die bauliche Erstellung der KielHöfe hinausgehen. So verfolgt KN Services den Ansatz des Placemakings mit dem Ziel, das Quartier über Angebote und Pop-up-Formate bereits im Entstehungsprozess erlebbar zu machen. Auf dem Foodmarket KielKöken wird ausschließlich jungen, typisch Kieler Food-Akteuren eine Plattform geboten, um auf die spätere Markthalle hinzuweisen: Echter geht es nicht.

Die Attribute „offen“, „familiär“ und „freundschaftlich“ werden gestalterisch ablesbar: Innenhöfe im Quartier laden zum Verweilen ein und bieten Aufenthaltsmöglichkeiten für die gesamte Stadtgesellschaft. Architektonisch wird dieser Charakter beispielsweise über große Fenster in Bogenform symbolisiert. Das schafft fluide Übergänge zwischen Innenhöfen und Gebäuden und lädt zu Entdeckungstouren ein.

Die KielHöfe sollen ein städtebauliches Benchmark für eine neue Form innerstädtischer Bauvorhaben sein und zeigen, was Innenstädte der Zukunft wirklich brauchen: Es wird ein mischgenutztes Quartier, das heterogene User-Gruppen und verschiedene Generationen in Kiel anspricht, den Stadtraum zukunftsweisend belebt und ein breites Angebot aus Arbeit, Gastronomie, Kultur und Produktion bietet. Eben typisch Kiel.

Gastartikel von Michael Dolz, Leiter Immobilienentwicklung der KN Services GmbH & Co. KG

Michael Dolz @ Lorenz Oberdoerster
Michael Dolz @ Lorenz Oberdoerster

Über Michael Dolz

Michael Dolz studierte von 1994 bis 2000 Sozialwissenschaften und Soziologie in Osnabrück und Berlin. Nach Stationen in der Zukunftsforschung und im strategischen Marketing begleitete er unterschiedliche Auftraggeber bis 2019 freiberuflich in allen Assetklassen bei der Entwicklung und Implementierung von Immobilienstrategien. Seit 2020 ist Dolz als Leiter Immobilienentwicklung der KN Services GmbH & Co. KG für die Planung und Entwicklung der KielHöfe in Kiel zuständig.