15. Juli 2024

Sou Fujimoto bei den ICONIC AWARDS 2023: Innovative Architecture ausgezeichnet

Frankfurt (pm) – Die ICONIC AWARDS 2023: Innovative Architecture – ausgelobt vom Rat für Formgebung – prämieren Bestleistungen aus Architektur, zukunftsweisendes Interior- und Produktdesign, herausragende Markenkommunikation sowie einen besonders innovativen Materialeinsatz im Architektursektor. Die diesjährigen Preisträger*innen wurden am 22. September bekanntgegeben. Sie beeindrucken durch gestalterische Exzellenz und inspirierende Lösungen für aktuelle Herausforderungen. Die internationale Experten-Jury betont die Bedeutung visionärer Gestaltung, die nicht nur ästhetisch inspirierend, sondern auch ökologisch und gesellschaftlich einflussreich ist.

Aus 620 Einreichungen aus über 30 Ländern wählte die Jury 62 wegweisende Projekte für die „Best of Best“-Auszeichnung aus. Die mit jeweils 10.000 Euro dotierten Sonderpreise werden von dem Unternehmen dormakaba Holding GmbH + Co.KG und AXOR, eine Marke der Hansgrohe Group, gestiftet und gehen in diesem Jahr an Sou Fujimoto Architects („Architects of the Year“) und an Holzrausch („Interior Designers of the Year“). Der Ehrenpreis „Architects’ Client of the Year“ wird an das norwegische Möbelunternehmen Vestre für die neue Produktionsstätte „The Plus“ verliehen. Die Ehrung der Preisträger*innen findet am 4. Oktober 2023 in der BMW Welt in München statt. 

Einen umfassenden Überblick über alle Gewinnerprojekte erhalten Sie in der Online-Galerie.

Sonderpreisträger der ICONIC AWARDS 2023: Innovative Architecture

Die Auszeichnung „Architects of the Year“ geht an das Architekturbüro Sou Fujimoto Architects. Mit der Auszeichnung ehrt die Jury die herausragende Arbeit des international renommiertenArchitekturbüros aus Japan. Häuser ohne Wände, Dächer, die sich wie flatternde Bänder über eine Landschaft legen, und Fassaden, die von unzähligen kleinen und großen Terrassen umspielt werden. Sou Fujimoto bricht mit Konventionen – und schafft gerade damit etwas, woran es zeitgenössischer Architektur häufig fehlt: Unverwechselbarkeit, spannungsreiche Verhältnisse aus Nähe und Distanz, Gegensätze aus Kleinteiligkeit und Einheitlichkeit, architektonische Formen, die oft ebenso als Skulpturen gelesen werden könnten. „Atemberaubend schön!“, schreibt die Jury über Sou FujimotoArchitects Projekte wie „L‘Arbre Blanc“ und „Flowing Cloud Pavilion“. „Wenn es eines gibt, das Sou Fujimoto Architects wie kein zweites Büro immer wieder eindrücklich beweisen, dann, dass Architektur sich im besten Sinne nicht als Gegenspieler zur Natur, sondern als ihr Verbündeter betrachten lässt. Architektur ist Natur. Natur ist Lebensraum“, so die Jury. 

Den Titel „Interior Designers of the Year“ verleiht der Rat für Formgebung dem Interior Design Studio Holzrausch aus München. Mit einer beeindruckenden Bandbreite von Gestaltungsprojekten, die handwerkliche Exzellenz mit innovativen Planungslösungen verbinden, hat Holzrausch bewiesen, dass sie die Kunst des Interior Designs in höchster Form beherrschen. Ob einzelnes Möbelstück, Küchenplanung oder ein ganzheitliches innenarchitektonisches Konzept, Holzrausch übernimmt alle Entwicklungsschritte, die von der Entwurfsplanung über die Produktion auch den gesamten Einbau erfassen. In einer eigenen Schreinerei im bayerischen Forstern und einer Werkstatt im slowakischen Nižná entstehen die von Funktionalität, Ästhetik und Marktkenntnis geprägten Arbeitsergebnisse. Die Jury zeigte sich besonders begeistert von der gestalterischen Expertise und handwerklichen Perfektion: „Ihre Begeisterung für das Handwerk wirkt ansteckend, ihre Kunstfertigkeit im Entwurf ebenso wie in der Produktion lässt Naturmaterialien lebendig erscheinen und aus der Strenge, die den Projekten von Holzrausch innewohnt, entfaltet sich eine Harmonie, für die dieses Unternehmen einzigartig ist.“

Den Ehrenpreis „Architects‘ Client of the Year“ erhält der norwegische Möbelhersteller Vestre, der mit seiner neuen Fabrik „The Plus“, entworfen von der renommierten Bjarke Ingels Group, ein engagiertes Statement setzt: Das Gebäude verkörpert auf vorbildliche Weise Nachhaltigkeit und Innovation und verbindet eindrucksvoll Vestres klares Bekenntnis zur Umwelt, seinen Mitarbeiter*innen und seiner Markenidentität. Das Herzstück von „The Plus“ ist der offene Innenhof mit einem Ahornbaum im Zentrum des Gebäudes. Es verbindet nicht nur die Produktionsstätten mit den Büroräumen und dem Besucherzentrum, sondern gewährt Besucher*innen und Mitarbeitenden auch Einblicke in die Produktion. „Mit The Plus ebnet Vestre den Weg für das, was möglich ist: wirtschaftliches Wachstum – nicht trotz, sondern dank des Engagements für eine grüne, klimagerechte Zukunft“, so die Jury. „Entstanden ist eine einzigartige, aus den logistischen Anforderungen resultierende Typologie, die dank umlaufender Fensterbänder stets in Kontakt mit dem Wald steht. Ein echtes Plus für Natur, Mitarbeitende und Unternehmen, das sich den Ehrenpreis ‘Architects’ Client of the Year‘ verdient hat.“

Der Trendreport: „Best of Best“-Projekte spiegeln Impulse der Branche wider

Neben den Sonderpreisen zeichnet die Jury herausragende Arbeiten in den Kategorien „Architecture“, „Interior“, „Product“, „Communication“, „Concept“ und der übergeordneten Kategorie „Innovative Material“ aus. Aus den zahlreichen Einsendungen wurden die besten Projekte mit dem Label „Best of Best“ prämiert. Diese Preisträger*innen zeigen ein außergewöhnliches Spektrum an kreativen Gebäudelösungen und innovativen Produktdesigns und zeigen Trends auf, die die Architektur- und Designwelt in ihrer Arbeit vorantreibt. 

Die neuen Stadträume: Unentdeckte Potenziale und neue Nutzungsmöglichkeiten erkennen

Viele der Projekte greifen die gegenwärtigen Herausforderungen des städtischen Lebens auf und bringen eindrucksvolle Antworten hervor. Sie befassen sich mit sozialen Räumen in Großstädten und ermöglichen, Städte durch einen Perspektivwechsel neu zu entdecken. Vorbildhaft dafür ist der „Rooftop Walk“ des niederländischen Architekturbüros MVRDV in Rotterdam: Eine 600 Meter lange und knapp 30 Meter hohe Brücke inszeniert einen spektakulären, unerwarteten Blick auf die Stadt. Die temporäre Installation lenkt den Fokus auf das ungenutzte Potenzial von Dächern und öffnet diese für die Stadtbewohner*innen. Die Initiative schaffe, so lobt die Jury, Aufmerksamkeit und Identifikation mit der Stadt, um zum langfristigen Umdenken zu inspirieren. Auf diese Weise ließen sich in Metropolen, in denen Grund rar und kostspielig ist, hoch oben grüne Ausgleichsflächen für versiegelte Böden schaffen – zum Schutz gegen Wärmeinseln, als Lebensraum für Vögel und Insekten sowie als Begegnungsorte für Menschen. 

Einige Gewinner*innen der ICONIC AWARDS 2023: Innovative Architecture setzen auf flexible Gebäudestrukturen im Bestand und im Neubau sowie auf verdichtetes Wohnen mit belebten Freibereichen. Sie ermöglichen neue Perspektiven auf die Stadt durch geschickte architektonische Lösungen. Und sie setzen auf Klimatisierung der Städte durch multifunktionale Grünräume und auf eine kreative, effiziente Flächennutzung bzw. -umnutzung.

Das Beste zweier Welten: Wie neue Hotelarchitektur den Menschen in die Natur bringt

Ein weiterer Trend ist außerhalb der Stadt in der Hotelarchitektur im ländlichen Raum zu erkennen. Um den wachsenden Belastungen der Großstadtbewohner*innen — durch Verkehr, Lärm, Dichte und Alltagsstress – etwas entgegenzusetzen, entstehen vielerorts Hotels und Wellnessoasen in der Natur. Die ausgezeichneten Projekte dieser Kategorie eint das Bestreben danach, den Gästen den Wunsch nach Naturerlebnissen zu erfüllen und einen echten Perspektivwechsel zu erzeugen. Die Gebäude überzeugen durch ihre Materialauswahl und Formensprache und setzen Orte in Szene, die für Naturerfahrungen samt Ruhe und Reizreduktion geprägt sind. Ein Beispiel ist das neue Spa „ATMOSPHERE by Krallerhof“ im österreichischen Leogang, gestaltet von Hadi Teherani Architects. Das Ziel des Architekturbüros war es, ein puristisches und reduziertes Gebäude zu schaffen, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Sein Dach greift die Formen der Hügel und Berge auf, welche die Umgebung des Krallerhofs prägen. Die neue Spa-Welt schließt sich an das Hotel an und präsentiert sich mit einem spiralförmig angelegten Atrium und einem alpinen Zen-Garten. Eine große Glasfassade, die den Blick auf den Natursee freigibt, ist ein besonderes Highlight. Sie kann zur Gänze in den Boden versenkt werden, so dass das Innere des Hauses mit der Natur zu einer Einheit verschmilzt.

Quelle: Rat für Formgebung