5. August 2021

Solar Decathlon Europe 21: Auf der Suche nach neuen Lösungen im urbanen Kontext

Prof. Andreas Gerber von der Hochschule Biberach betrachtet eine Projektzeichnung für den Biberacher Wettbewerbsbeitrag sde21. Foto: HBC

Biberbach (pm) – Café und Wohngebäude mit Garten, Radwerkstatt und Betreuungsangeboten in einem Haus vereint: Möglichst co2-neutral, ökologisch und sozial nachhaltig. Mit diesem Konzept will das studentische SDE21-Team der Hochschule Biberach (HBC) beim internationalen Gebäudeenergie- und Architekturwettbewerb Solar Decathlon Europe 21 antreten.

Das Team X4S (Extension for Sustainability) wird von Prof. Andreas Gerber, Professor für Bauphysik und Klimagerechtes Bauen, und Lena Frühschütz, Masterstudentin der Energie- und Gebäudesysteme, geleitet. Das Biberacher Team hat sich bei seinem Projektbeitrag ganz der Nachhaltigkeit verschrieben und setzt diesen durch die Planung einer mehrgeschossigen Gebäudeaufstockung des Café Ada mitten in Wuppertal um. Dabei ist nicht nur das Ergebnis gemeinschaftsorientiert, auch der Weg dorthin. Denn je weiter das Vorhaben fortschreitet, desto mehr entwickelt es sich zu einem interdisziplinären Gemeinschaftsprojekt der HBC.

Im Wettbewerbsbeitrag soll das Café Ada, das sich im Mirker Quartier in Wuppertal befindet, um vier Geschosse erweitert werden. Das bedeutet konkret, dass die Nutzfläche insgesamt verfünffacht wird. Damit sich die aus Massivholz geplante Konstruktion perfekt in die Umgebung eingliedert, hat ein Teil des Teams im September eine Exkursion nach Wuppertal unternommen und das Quartier und das Gebäude ins Visier genommen. Das Vorhaben ist anspruchsvoll, denn „aktueller Standard sind Aufstockungen mit maximal einem oder zwei Stockwerken, eine vierstöckige Erweiterung ist eher ungewöhnlich und erfordert in vielen Feldern neue Lösungen“, schildert Lena Frühschütz die Besonderheit. Ein Knackpunkt für das Team: der Brandschutz. Gemeinsam mit dem Brandschutzplanungsbüro Sinfiro, mit Sitz in Balingen, erarbeitet X4S derzeit ein innovatives Brandschutzkonzept, das Sicherheit und Nachhaltigkeit vereint – „das Menschenleben steht natürlich immer im Vordergrund“, so Frühschütz. In einer dreiteiligen Vortragsreihe des Planungsbüros haben Lehrende und Studierende „erlebt, wie man Brandschutz lösungsorientiert angeht.“ Prof. Gerber ist begeistert, welchen Nutzen und welche Lösungsansätze die Teilnahme am SDE21 bringt – für die gesamte Hochschule. Aber auch für Fachleute aus der Praxis, die die Ideen neugierig verfolgen, sind gerade die innovativen Ansätze für den Brandschutz interessant. Je weiter das Projekt fortschreitet, desto deutlicher wird die Komplexität und die Interdisziplinarität des Vorhabens. Das schlägt sich auch im Lehrangebot der HBC nieder: Immer mehr Kurse widmen sich thematisch dem Projekt und unterstützen das X4S-Team in nachhaltigem Bauen und Innovation.

Beispielsweise beschäftigen sich Architekturstudierende im Kurs „Kunst und Design“ mit der Konzeption von Möbeln aus nachhaltigen und recyclebaren Materialien. Dabei geht es darum, Ressourcen zu schonen, Kosten durch Selbstbau einzusparen und für die Bewohner ein gesundes Raumklima zu schaffen. „Die Möbelindustrie hat sich in weiten Bereichen leider dahingehend entwickelt, dass die Möbel sowohl von Design als auch von ihrer Funktionalität nicht mehr auf Zeitlosigkeit ausgelegt sind. Stattdessen ist auch diese Branche, wie viele andere, sehr kurzlebig geworden,“ schildert Architekturstudentin Anna Diemer, die diesem Trend durch die Teilnahme am Kurs entgegenwirken will. Die Studierenden arbeiten hauptsächlich mit den Materialien Holz, Bioplastik und Mycel (fadenförmige Zellen eines Pilzes) und entwickeln Modelle für Tische, Stühle, Regale, Sofas usw., die leicht zu montieren, bequem in der Benutzung und vollständig recycelbar sind.

Das Pilzmycel ist für die Studentin „ein ganz neuer Impuls.“ Es handelt sich dabei um das Fasergeflecht im Boden, aus dem Pilze sprießen. Mit unterschiedlichen natürlichen Rohstoffen und Abfällen, wie z.B. Coffee to go Pappbecher, kombiniert, kann das Mycel gezüchtet werden. Die Masse wird in eine Form gepresst und nach einigen Wochen sind die „Zutaten“ nicht nur getrocknet, sondern miteinander verwachsen – ein robustes Material, aus dem Tischplatten, Stühle aber auch Lampenschirme gefertigt werden können, entsteht. Der große Vorteil des Mycels ist, dass es nach der Nutzung ohne den Einsatz von Energie wieder der Natur zurückgeführt werden kann und vollständig kompostierbar ist. Es bietet einen vielfältigen Anwendungsbereich und stellt eine Alternative dar, die helfen kann, Rohstoffe zu sparen und den Planeten nachhaltiger zu machen. Den Planeten und das Café Ada in Wuppertal.

Pressemitteilung: HBC Hochschule Biberach