15. April 2026

„Schalter sollten nicht stumm sein“

Schalksmühle (pm) – Wie sprechen Räume mit uns? Mit JUNG UNIQUE x Melon Breakers werden Schalter zu Kommunikationswerkzeugen: Farbe und Form schaffen Orientierung, vermitteln Atmosphäre und machen Technik intuitiv verständlich – vom Bildungsbau bis zum Hotel.

Ein Gespräch mit Cathy Figueiredo, Mitgründerin des Kreativstudios Melon Breakers

© JUNG / Henrik Schipper

Wie ist die Kooperation mit JUNG entstanden?

Die Zusammenarbeit ist eigentlich ganz organisch gewachsen. Aus einem Erstgespräch ergaben sich weitere Begegnungen: Meine Partnerin Maria war zunächst bei einem JUNG Architecture Talk in Bangkok dabei, um über Hospitality zu sprechen. Später wurden wir nach Warschau eingeladen, um über Farbe und ihre Wirkung im Interior Design zu diskutieren. Aus diesen Begegnungen ist eine sehr gute Beziehung entstanden – und schließlich die Einladung, gemeinsam eine Kollektion für JUNG UNIQUE zu entwickeln.

Melon Breakers versteht Design als kulturelle Kraft. Wie zeigt sich dieser Ansatz in Ihrer Arbeit?

Wenn wir mit Marken arbeiten, versuchen wir immer zuerst den Kontext zu verstehen und diesen in Gestaltung zu übersetzen. Bei diesem Projekt ging es um Schalter – also um ein Element, das wir ständig berühren, das aber meist kaum wahrgenommen wird. Schalter sind eine stille Schnittstelle zwischen Mensch und Architektur. Unsere Frage war also: Wenn wir etwas jeden Tag benutzen, warum sollte es dann stumm bleiben? Für uns war klar, dass dieses kleine Objekt eine Stimme haben muss. Design kann hier eine Rolle spielen, indem es Orientierung schafft, Atmosphäre vermittelt und die Interaktion mit dem Raum verständlicher macht.

Welche Geschichte erzählt die Kollektion JUNG UNIQUE × Melon Breakers?

Der Ausgangspunkt lag im Bildungsbereich. Dort gibt es eine sehr spannende pädagogische Idee – den sogenannten „Dritten Lehrer“. Der Ansatz stammt aus der Reggio-Emilia-Pädagogik und besagt, dass Kinder von drei Quellen lernen: von ihren Mitschülern, von den Lehrenden und von ihrer Umgebung. Wenn also Architektur – Wände, Licht, Akustik – aktiv zum Lernen beiträgt, haben wir uns gefragt: Warum sollten Schalter dabei stumm bleiben? Können sie nicht ebenfalls Teil dieser Umgebung sein, die Orientierung gibt und Interaktion unterstützt? Genau daraus entstand die Idee, diese kleinen Elemente zu einem starken aktiven Bestandteil des Raums zu machen.

Die Kollektion basiert auf dem Tangram. Warum haben Sie sich für dieses geometrische System entschieden?

Wir wollten ein System entwickeln, das sofort lesbar ist. Menschen – und besonders Kinder – sollen intuitiv verstehen können, was sie sehen. Das Tangram ist eine universelle Formensprache. Es funktioniert kulturübergreifend und ist sofort erkennbar. Wir haben dieses Prinzip allerdings stark reduziert und uns letztlich auf ein zentrales Element konzentriert: das Dreieck. Aus dieser einfachen Form entstand ein visuelles Vokabular, das klar, spielerisch und leicht verständlich ist.

Ist es das, was Sie unter dem Begriff „Proto-Alphabet“ verstehen? 

Ja, genau. Der Begriff beschreibt eine visuelle Sprache. Die Form – in unserem Fall das Dreieck – bildet die Identität des Systems. Die Farbe wiederum transportiert die Funktion. Zusammen entsteht eine Art grafische Grammatik: Menschen erkennen auf einen Blick, welche Funktion ein Schalter hat. Unser wichtigstes Prinzip war dabei die unmittelbare Lesbarkeit. Wenn jemand den Raum betritt, soll er sofort verstehen, wie er ihn nutzen kann.

Schalter und Steckdosen sind sehr kleine Elemente im Raum. Warum ist ihre Rolle trotzdem groß?

Gerade weil sie so klein sind, werden sie oft übersehen. Gleichzeitig sind sie die Punkte, an denen wir mit Architektur tatsächlich interagieren. Wenn man einen Raum betritt und viele unterschiedliche Schalter sieht, kann das schnell verwirrend sein. Unser Ansatz war deshalb, einen klaren Dialog zwischen Technologie und Raum zu schaffen. Wenn Menschen verstehen, wie sie einen Raum bedienen können, entsteht ein Gefühl von Kontrolle und daraus wiederum Komfort und Vertrauen.

In Ihrem Konzept wird Farbe funktional eingesetzt. Wie beeinflusst Farbe die Nutzung von Räumen?

Zu Beginn haben wir uns intensiv mit Bildungsräumen beschäftigt. Kinder reagieren besonders sensibel auf kräftige Farben. Studien zeigen, dass Farbe Aufmerksamkeit lenkt, Wiedererkennung erleichtert und dabei hilft, Räume zu strukturieren. Farbe wird deshalb zu einem kognitiven Werkzeug. Sie hilft Menschen, Funktionen schneller zu erkennen und sich im Raum zu orientieren.

Ursprünglich war die Kollektion tatsächlich ausschließlich für Bildungsräume gedacht. Im Laufe des Projekts haben wir aber gemerkt, dass das System viel flexibler ist. Es funktioniert genauso gut in Hotels, Arbeitswelten oder öffentlichen Gebäuden. Überall dort, wo Menschen Räume intuitiv verstehen und nutzen sollen, kann dieses visuelle System helfen.

Wie können Architektinnen und Architekten die Kollektion JUNG UNIQUE x Melon Breakers nun in ihren Projekten weiterdenken?

Die Kollektion gibt zwei Möglichkeiten: Es gibt sehr expressive Farbvarianten mit starker Persönlichkeit und subtilere Farbsysteme, die sich in ruhigere architektonische Umgebungen integrieren lassen. Unser Ziel war es, einen modularen Baukasten zu schaffen, den Architektinnen und Architekten nun nutzen, integrieren und adaptieren können, um Räume lesbarer zu machen.

Welche Rolle wird Farbe in der Architektur der Zukunft spielen?

Für uns geht es bei Farbe nicht um Trends – und auch nicht um die klassische Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß. Farbe muss immer einen Zweck haben. Wir wählen Farben immer ausgehend von der Identität einer Marke oder eines Ortes. In diesem Sinne ist Farbe für uns immer Teil der DNA eines jeden Projekts.

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Quelle: JUNG