Berlin/Dortmund (pm) – Wer eine möglichst barrierefreie Umwelt will, muss den Bestand weiterentwickeln und kreativ umgestalten. Diese Botschaft stand am Ende der Fachkonferenz „Inklusiv gestalten“, zu der der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen am 15.9. in das LWL-Museum Zeche Zollern nach Dortmund eingeladen hatte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen praxisnahe Lösungsansätze für die barrierearme Anpassung bestehender Gebäude und Infrastrukturen.
„Rund ein Viertel der Menschen in Deutschland mit über 65 Jahren hat eine Schwerbehinderung, insgesamt haben rund 13 Millionen Menschen durch alle Altersklassen hinweg eine Beeinträchtigung. Diese Zahlen sagen eigentlich alles, und doch haben Politik, Gesellschaft und Verantwortliche für Bauplanung und -ausführung lange die Augen davor verschlossen, dass eine barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und Infrastruktur unumgänglich ist, egal, ob es sich um Neubauten oder den Bestand handelt“, so Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. „Ob es sich um ein Wohngebäude handelt oder ob eine Arztpraxis oder ein Büro darin untergebracht ist: Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen des Lebens und damit auch auf gleichberechtigten Zutritt. Wer von gesellschaftlichem Zusammenhalt spricht, muss auch dies gewährleisten.“
„Unsere Gesellschaft wird älter – und damit wächst die Bedeutung eines Gebäudebestands, der Menschen ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht“, so die Vizepräsidentin der Bundesarchitektenkammer, Wiebke Ahues. Da der überwiegende Teil unserer Gebäude bereits existiert, könne Inklusion nicht allein durch Neubau erreicht werden. Entscheidend sei, den vorhandenen Gebäudebestand schrittweise und pragmatisch barriereärmer zu gestalten. „Wir Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen tragen dabei eine besondere Verantwortung: Wir können den Bestand mit kreativen, verhältnismäßigen Lösungen barrierearm weiterentwickeln und zugleich die baukulturelle Qualität bewahren. Genau das zeigt die Regionalkonferenz an konkreten Beispielen: Inklusives Bauen ist wichtiger Teil zukunftsfähiger Baukultur.“
Für die Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Katja Domschky, ist das Ziel einer barrierefreien gebauten Umwelt eine Notwendigkeit, auf die Bauherr:innen und Planende konstruktive Antworten finden müssen. In Nordrhein-Westfalen fließe bereits mehr als die Hälfte aller Bauinvestitionen in den Gebäudebestand. „Dessen barrierefreie Weiterentwicklung kommt allen Bürgerinnen und Bürgern zugute“, unterstreicht die Präsidentin der größten deutschen Architektenkammer. Nordrhein-Westfalen habe mit der Novellierung der Landesbauordnung, die am 1.9.2026 in Kraft getreten ist, die „Oldtimerregelung“ eingeführt, mit der Bestandssanierungen und -erweiterungen baurechtlich einfacher umgesetzt werden können. „Alle Baubeteiligten müssen diese Chance nun aktiv nutzen“, so Katja Domschky.
Nach Impulsen von Jürgen Dusel, Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Britta Gövert, Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, wurden mit Podiumsdiskussionen und der Präsentation gelungener Praxisbeispiele intelligente Planungsansätze dafür veranschaulicht, wie barrierearme Ertüchtigung im Bestand gelingen kann.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Katrin Müller-Hohenstein (ZDF).
Quelle: Bundesarchitektenkammer e. V.