7. August 2022

Reaktionen auf das Bündnistreffen für bezahlbaren Wohnraum

Vorschläge der Bundesingenieurkammer für mehr bezahlbaren Wohnraum

Am 27. April 2022 fand auf dem EUREF-Campus in Berlin das Auftakttreffen des Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum statt, zu dem Bundesbauministerin Klara Geywitz eingeladen hatte. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Verbänden diskutierten dort Vorschläge zur Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum. Auch die Bundesingenieurkammer nahm an dem Spitzengespräch teil.

„Das Bündnistreffen war ein wichtiger und richtiger Auftakt. Dem müssen aber jetzt Taten folgen. Auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine – wie beispielsweise den Mangel an und die Verteuerung von Baustoffen – haben wir derzeit nur bedingt Einfluss. Daher müssen andere Stellschrauben gedreht werden, um zu mehr bezahlbarem Wohnraum zu kommen. Das Reduzieren von Normen und die Vereinheitlichung der Landesbauordnungen sind nur zwei Beispiele. Ich würde mir wünschen, dass Ingenieurinnen und Ingenieure mehr Gestaltungsspielraum erhalten, um ins Tun kommen zu können!“, kommentierte der Präsident der Bundesingenieurkammer Dr.-Ing. Heinrich Bökamp die Ergebnisse des Austauschs.

Vorschläge der Bundesingenieurkammer für mehr bezahlbaren Wohnraum sind unter anderem:

  • Vereinheitlichung der Landesbauordnungen
  • Einführung praxisgerechterer Normungsziele
  • eine verstärkte Auslobung interdisziplinärer Wettbewerbe
  • Stärkung digitaler Planungsmethoden unter Beibehaltung der Unabhängigkeit von Planung und Bau
  • Sicherstellung mittelstandsfreundlicher Ausschreibungs- und Vergabepraxis
  • Modernisierung bestehender modernisierungsfähiger Gebäudesub­stanz
  • Förderung von Maßnahmen, die dem Fachkräftemangel langfristig begegnen, ohne die Qualität in der Ausbildung abzusenken
  • Aufstockung des Fachpersonals in der Verwaltung

„Aus Sicht von Ingenieurinnen und Ingenieuren gibt es eine Reihe geeigneter Maßnahmen, um Wohnen wieder bezahlbar zu machen, ohne die Qualität des Planens und Bauens zu senken. Die gilt es jetzt umzusetzen!“, lautete das Fazit des Präsidenten der Bundesingenieurkammer nach dem Bündnistreffen.

Quelle: Bundesingenieurkammer

 

Wohnungswirtschaft und Bauindustrie legen 10-Punkte-Plan vor

Heute findet in Berlin das Auftakt-Treffen des neuen Bündnisses bezahlbarer Wohnraum auf Einladung von Bundesbauministerin Klara Geywitz statt. Rund 50 Organisationen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind Teil des Bündnisses, darunter auch der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. Angesichts der aktuell extrem widrigen Rahmenbedingungen für den bezahlbaren Wohnungsbau sieht die Wohnungswirtschaft unverzüglichen Handlungsbedarf. Gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hat die Wohnungswirtschaft jetzt einen 10-Punkte-Plan vorgelegt mit Rahmenbedingen, die nötig sind.

Zum heutigen Auftakt des Bündnisses sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW: „Der dringend benötigte Wohnungsbau und die klimaschonende Sanierung stehen in Deutschland kurz vor dem Erliegen. Die massiven Lieferkettenprobleme seit der Coronakrise dauern an, es herrscht Chaos bei der Förderung für bezahlbaren, klimaschonenden Wohnungsbau und der Krieg gegen die Ukraine führt zu weiteren massiven Baupreissteigerungen und Lieferengpässen. Die andauernde Mangelsituation bei Fachkräften und Material verschärft sich, die Zinsen steigen und die Energiekosten für Mieter und Vermieter gehen durch die Decke. Diese toxische Mischung von Problemen lässt die Wohnungsbau- und Sanierungspläne der sozial orientierten Wohnungsunternehmen regelrecht implodieren. Die Situation ist dramatisch, wie erste Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage in der Wohnungswirtschaft zeigen: Fast alle Neubau- oder Modernisierungsprojekte müssen entweder zurückgestellt oder ganz aufgegeben werden, wenn sich die Preisdynamik der vergangenen Monate weiter fortsetzt. Preissteigerungen schlagen bei mehr als zwei Drittel aller Modernisierungs- und rund der Hälfte aller Neubauprojekte zu Buche. Auf drei Viertel der Baustellen kommt es bei den Wohnungsunternehmen bereits jetzt zu Verzögerungen. Die politische Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen jährlich, darunter die dringend benötigten 100.000 neuen Sozialwohnungen, ist angesichts der aktuellen Lage absolut illusorisch. Wir brauchen jetzt schnelles und pragmatisches Bündnis-Handeln: Baulandkapazitäten müssen aktiviert, regulatorische Baukostentreiber vermieden und die Potenziale des seriellen und modularen Bauens stärker genutzt werden. Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnungsbau braucht zudem umgehend eine verlässliche, planbare und transparente Förderung. Ansonsten sind die Wohnungsbau- und Klimaziele in Deutschland nicht zu erreichen.“

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Zu wenige Wohnungen, zu teure Mieten: Die dramatische Situation auf dem Wohnungsmarkt ist seit langem bekannt. Es ist gut, dass das Bündnis jetzt seine Arbeit aufnimmt. Die Zeit drängt. Das Ministerium muss allerdings einen klaren Fokus auf das Thema Neubau legen, dies sollte das Kernanliegen des Bündnisses sein. Denn: Weder über eine reine Mietenpolitik noch über die Sanierung des Bestandes allein können wir die Wohnungsnot in den Ballungsräumen lösen. Zwar sind beide Themen wichtig, Bauen im Bestand schafft aber in der Regel nicht genug neuen Wohnraum. Wer also Entlastung auf dem Mietwohnungsmarkt schaffen möchte, muss neue Wohnungen bauen. Neben einer belastbaren Förderkulisse sowie der Entschlackung von Vorschriften brauchen wir hierfür einen Planungs- und Genehmigungsbooster. Das alles im Kontext des Ukraine-Kriegs, dessen Folgen mit voller Wucht auch die Baustellen hierzulande treffen: Zwar hat die Bundesregierung das Risiko steigender Preise erkannt und einen Bundeserlass zum Einsatz von Stoffpreisgleitklauseln veröffentlicht – ein weiteres Problem ist aber der Mangel diverser Baustoffe. Preisanstiege und Lieferengpässe schrecken wiederum öffentliche und private Investoren immer mehr ab. Wir gehen deshalb davon aus, dass es zu einem Rückgang beim Wohnungsneubau und in letzter Konsequenz auch bei der Baukonjunktur insgesamt kommen kann. Das muss das Bündnis wissen, denn die ambitionierten Wohnungsbauziele der Bundesregierung stehen damit zumindest in Frage.“

Den 10-Punkte-Plan finden Sie hier.

Quelle: GdW / Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.

 

Ziele des „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ richtig und wichtig

Der BFW Bundesverband begrüßt den heutigen Auftakt des „Bündnisses bezahlbarer Wohnraum“. Am Spitzentreffen mit Bundesbauministerin Klara Geywitz in Berlin wird auch BFW Präsident Andreas Ibel teilnehmen. „Das Bündnis kommt keinen Tag zu spät. Die Branche steht vor immensen Herausforderungen, die wir nur in einem großen gemeinsamen Kraftakt bewältigen können“, erklärte Andreas Ibel vor dem Gespräch.

„Das Bündnis verfolgt das richtige und wichtige Ziel, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen und damit bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen. Der Bedarf an neuen Wohnungen ist groß. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Klimaschutz, Kosten explodieren, Lieferketten sind gestört. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, braucht es als Erstes verlässliche politische Rahmenbedingungen. Dazu gehört vor allem, nicht noch mehr Ordnungspolitik, sondern Planungs- und Genehmigungsprozesse zu verschlanken und Bürokratie nachhaltig abzubauen“, so Ibel weiter.

„Im Bündnis bezahlbarer Wohnraum müssen nun alle Beteiligten zügig an dem Ziel arbeiten, neuen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die unterschiedlichen Interessenvertreter im Bündnis müssen hier an einem Strang ziehen. Wir werden als Bundesverband ein verlässlicher Partner sein“, sagte der BFW Präsident.

Quelle: BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen

 

Förderpolitik des Bundes verunsichert Verbraucher

Anlässlich des heutigen Gipfelauftaktes des Bündnisses für bezahlbares Wohnen mahnt der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg insbesondere mehr Verlässlichkeit bei der Wohnraumförderung an. „Allein der Stopp der KfW-Neubauförderung vergangene Woche für das Effizienzhaus 40 nach nur wenigen Stunden aufgrund der viel zu geringen Fördersumme zeigt doch, wie wenig zuverlässig die Förderpolitik des Bundes im Moment ist. Eine erneute Hiobsbotschaft nach dem plötzlichen Komplettstopp im Januar. So verspielt man einmal mehr das Vertrauen der Bauwilligen, die durchaus auf klimafreundliches Bauen setzen, dabei aber auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.“ Thomas Möller erwartet deshalb neben verbesserten Rahmenbedingungen von der Politik vor allem eins: Verlässlichkeit, Verlässlichkeit, Verlässlichkeit!

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen will erklärtermaßen die Förderkulisse für den Wohnungsbau in Deutschland schnellstmöglich ausbauen und vorantreiben. Ein weiteres ambitioniertes Ziel im Rahmen der angekündigten Wohnraumoffensive ist der Bau von bundesweit zusätzlich 400.000 Wohnungen. Für Baden-Württemberg bedeutet das anteilig jährlich rund 50.000 neue Wohnungen, gut 13.000 mehr als im Moment gebaut werden. Neben den bereits verkündeten Fördermaßnahmen wie etwa das ab 2023 geplante Programm „Klimafreundliches Bauen“ fordert Möller außerdem eine Erhöhung der degressiven Abschreibung, die Beschleunigung von langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die zügige Ausweisung von ausreichend Bauland insbesondere in der Peripherie von Ballungsräumen.

Quelle: Bauwirtschaft Baden-Württemberg

 

Bundesarchitektenkammer: Wohnungsbau wagen!

Die Bundesarchitektenkammer beteiligt sich am neuen Aktionsbündnis „Bezahlbarer Wohnraum“ der Bundesregierung und begrüßt die zentrale Kooperationsplattform für eine soziale und nachhaltige Wohnungsbaupolitik.

Viele gute Lösungsansätze sind in der Bündniserklärung bereits enthalten. Mehr Umbau, mehr Aufstockung und Umnutzung zu fordern, ist der richtige Weg. Bis zum Herbst 2022 sollen konkrete Meilensteine vorliegen: Für eine neue Umbauordnung, für mehr Experiment und Variabilität. Steigenden Baukosten kann mit gestalterisch innovativen und baukulturell wertvollen Lösungen begegnet werden. Wettbewerbe und Vergabeverfahren sind dabei ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung für gute, bezahlbare Lösungen.

„In unserer Geschichte gab es immer wieder Phasen großer Wohnungsnot. Diese Bauaufgaben bieten gerade mit den Erkenntnissen von heute große Chancen,“ sagt die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer Andrea Gebhard. „Wir müssen die Frage des Wohnraums verknüpfen mit der Frage der Nachhaltigkeit und der kulturellen Einbindung dieser Themen. Wir können Quartiere durch Wohnnutzung stärken, geeignete Grünräume und Wasserflächen für Erholung und städtischen Natur- und Artenschutz entwickeln, neue Typologien und Materialeinsatz etablieren. Die gesellschaftlichen Bauaufgaben müssen mit den Klimaschutzzielen verknüpft werden. Wir müssen den Umfang der DIN-Normen und die Überregulierung unserer Planungs- und Bauprozesse auf den Prüfstand stellen. Die Umbaukultur fördern und Hemmnisse wie die Stellplatzverordnung abschaffen. Auch hierzu hoffe ich auf konkrete Lösungen, damit die Wohnungsbauziele erreicht werden können.“

Quelle: Bundesarchitektenkammer