13. Juli 2024

Prix Meret Oppenheim 2024

Bern/CH – Das Bundesamt für Kultur (BAK) verleiht den Prix Meret Oppenheim zum 24. Mal seit seiner Gründung im Jahr 2001 an herausragende Schweizer Kunstschaffende. Auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission (EKK) zeichnet die Ausgabe 2024 die Kunsthistorikerin Jacqueline Burckhardt, das Architektenduo Marianne Burkhalter und Christian Sumi sowie die Künstlerin Valérie Favre aus. Das BAK gratuliert den Preisträgerinnen und dem Preisträger und dankt den Mitgliedern der Jury herzlich.
Sie werden am 10. Juni 2024 zusammen mit den Preisträgerinnen und Preisträgern der Schweizer Kunstpreise (Swiss Art Awards) in Basel geehrt. Die Laudationen anlässlich der Preisverleihung halten Philip Ursprung (Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich und Prix-Meret-Oppenheim-Preisträger 2017), Martina Voser (Landschaftsarchitektin und Professorin an der ETH Zürich) und Carina Plath (Kuratorin am Sprengel Museum Hannover).

«Wir spürten Künstler und Autorinnen auf, deren Interessen und Fragestellungen wir relevant fanden, vertrauten Hinweisen von kompetenten Leuten, flochten unser Beziehungsnetz. Als ein transatlantischer Brückenschlag der Kunstbetrachtung erschien Parkett zweisprachig, deutsch-englisch. Wir hatten ein Büro in Zürich und eines in New York, arbeiteten immer direkt mit den Künstlern.»

MARIANNE BURKHALTER & CHRISTIAN SUMI

«Wir haben versucht, den Holzbau zu aktualisieren, zu modernisieren und ihm eine architektonische Kraft zu geben.» – Christian Sumi

«Plötzlich war es möglich, Architektur nicht mehr nur vertikal, sondern auch horizontal, in Schichten zu denken.» – Marianne Burkhalter

Das Architektenduo Marianne Burkhalter und Christian Sumi sind Pioniere des modernen Holzbaus. Sie erlangten in den 1980er und 1990er Jahren internationale Anerkennung durch eine innovative Form- und Farbsprache im Umgang mit vorgefertigten Bauelementen und Holz. Die Arbeiten von Burkhalter Sumi sind immer auch programmatische Aussagen, indem sie soziale und kulturelle Dynamiken der Gebäudeumgebung berücksichtigen. Im Zentrum steht der Raum wie beispielsweise beim spiralförmigen Anbau des Hotel Zürichberg 1995.

Auf unterschiedlichen Wegen fanden die beiden zur Architektur: Marianne Burkhalter ist gelernte Hochbauzeichnerin und setzte sich über ihre Erfahrungen bei Superstudio in Florenz sowie Studio Works in Los Angeles / New York mit interdisziplinären Arbeitsweisen der damaligen Avantgarde in Italien und Amerika auseinander. Genauso wie Christian Sumi interessierte sie sich für grundlegende Konstruktionsfragen.

Sumi forschte Anfang der 1980er Jahre am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich über die Moderne, Otto Rudolf Salvisberg und Le Corbusier. 1984 gründeten Marianne Burkhalter und Christian Sumi ihr eigenes Büro.

Geprägt durch die politischen Fragen der 1970er Jahre, die Zusammenarbeit mit Ökologen und eigene Recherchen zu Energiefaktoren, begannen sie, mit Holz, möglichst schlanken Strukturen und wenig Material zu bauen. Als die Holzbauindustrie in den 1990er Jahren neue Technologien entwickelte, eröffnete das auch ihnen neue Möglichkeiten.

Beeinflusst durch Architekten wie Hans Fischli und Emil Roth, aber auch Konrad Wachsmann, amerikanischer Pionier des industriellen Bauens, Le Corbusier, Frank Lloyd Wright u. a. m. wurden sie Teil einer Architekturszene, die seit den 1970er Jahren im Aufbruch begriffen war. Autoritäre Strukturen wurden hinterfragt, städtische Freiräume und weibliche Mitbestimmung eingefordert sowie erstmals Umweltzerstörung thematisiert.

Burkhalter Sumi verfolgen in ihren Arbeiten eine Strategie der typologischen Differenzierung je nach Ort und funktionalem Zweck des Eingriffs, denn eine Wohnung ist niemals nur ein leerer Raum. Sie beziehen sich in ihren Entwürfen oft auf Modelle der Moderne, die sie zeitgemäss interpretieren, wie beispielsweise die Überbauung Sunnige Hof in Zürich (2012). Schon früh befassten sie sich mit Fragen des Adaptive Reuse, wie bestehende Gebäude in ihren Strukturen nachhaltig umgeformt und so erhalten werden können. Zum Beispiel beim Umbau eines ehemaligen Festsaales für die Büros von Schweiz Tourismus in Zürich (2019).

2021 wurde ein von ihnen im Jahr 1986 gebautes Einfamilienhaus mit Atelier in Langnau am Albis per Bundesgerichtsurteil als «schützenswert als hochstehender Zeuge durch architektonische Entwicklung im Holzbau» deklariert. Gerade fertig gebaut wurde die privat initiierte Kunsthalle Göschenen mit Werken der Künstler Hans Op de Beeck und Subodh Gupta (Eröffnung 2024). 2014 und 2018 nahmen sie an der Architekturbiennale teil. 2008 bis 2016 unterrichteten sie in einer gemeinsamen Professur an der Accademia di architettura in Mendrisio. Hinzu kommen verschiedene Forschungsprojekte wie beispielsweise die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Alpenraum als Verkehrslandschaft in ihrer Untersuchung Der Gotthard / Il Gottardo. Landscape, Myths, Technology (Park Books 2016) oder die Recherche zum Citroën DS (The Goddess – La Déesse, Lars Müller Publishers 2020). Über hundert ihrer handgefertigten Modelle (1984–2020) für Projekte und Lehre wurden 2021 in das gta Archiv der ETH Zürich aufgenommen.

Marianne Burkhalter, geboren 1947 in Thalwil, und Christian Sumi, geboren 1950 in Biel, gründeten 1984 das gemeinsame Büro Burkhalter Sumi. 2021 übergaben sie es an die langjährigen Partner Yves Schihin und Urs Rinklef (heute Oxid Architektur Zürich). Seither eigenes Atelier in Zürich. 2008 bis 2016 lehrten sie an der Accademia di architettura in Mendrisio. Sie leben in Zürich.

Quelle: Swiss Art Awards