26. Oktober 2021

„Preissteigerungen bei Baumaterialien drücken auf die Ertragslage. Geringere Investitionen nun die größte Gefahr“

BAUINDUSTRIE zu den Konjunkturindikatoren im April 2021

Wiesbaden (pm) – „Wir erleben eine spürbare Eintrübung der Baukonjunktur“, erläutert Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen e. V. (BIV), die aktuellen Ergebnisse im Bauhauptgewerbe für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten. Die veröffentlichten Konjunkturindikatoren für den Monat April bestätigen den Trend des 1. Quartals 2021. So ist der Auftragseingang in Hessen um 6,4 Prozent auf 1,632 Mrd. €, der Umsatz sogar um 6,8 Prozent auf 1,439 Mrd. € zurückgegangen. In Thüringen ist der Auftragseingang zwar um 2,1 Prozent auf 702.258 Mio. € gestiegen, aber die Umsätze sind um 13,4 Prozent auf 522.805 Mio. € gesunken.

Am stärksten betroffen vom Umsatzrückgang war der Öffentliche Bau. Der Umsatz in diesem Segment sank in Hessen um 8,6 Prozent auf 447,32 Mio. Euro, in Thüringen um 10,4 Prozent auf 265,82 Mio. Euro. „Wir befürchten, dass durch ausbleibende Investitionen der öffentlichen Hand eine nachhaltige Bau-Krise entsteht“, schätzt Burkhard Siebert ein. „Der Konjunkturmotor Bau droht durch explodierende Preise bei Baumaterialien und durch anhaltende Lieferengpässe noch spürbarer ins Stocken zu geraten. Auf kommunaler Ebene gehen Einnahmeausfälle immer direkt zu Lasten der Investitionen, aber das ist die größte Gefahr.“ Die größte Herausforderung in der Pandemie für die Baubranche bestand im deutlich erhöhten Organisationsaufwand. Laut Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB, hier Teil B § 4 Abs. 1) muss der Auftraggeber für die Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung auf der Baustelle sorgen. Dem entsprechend hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat bereits im Juni 2020 in einem Erlass klargestellt, dass der Bund für seine Baumaßnahmen die coronabedingten Mehrkosten trägt. „Das Land Hessen und der Freistaat Thüringen haben diese Regelung für seine Baumaßnahmen übernommen und wendet sie an. Die Landkreise, Städte und Kommunen in Hessen und Thüringen tun dies allerdings nicht, sie antworten entweder zögerlich oder überhaupt nicht auf unsere diesbezüglichen Anfragen. Die Unternehmen tragen die Mehrkosten allein, obwohl sie durch zusätzliche, von ihnen vorfinanzierte Maßnahmen die Fortführung der Baustellen ermöglicht haben“, kritisiert Dr. Burkhard Siebert.

Im Wohnungsbau wurden in Hessen 342,5 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet, das waren 9,0 Prozent weniger als im Jahr zuvor. In Thüringen lag das Minus sogar bei 15,2 Prozent bei 62,79 Mio. Euro Umsatz im Wohnungsbau.

Im Wirtschaftsbau Hessen erreichte der Umsatz 649,2 Millionen Euro und verfehlte damit das Vorjahresergebnis um 4,2 Prozent. In Thüringen ging der Umsatz im Wirtschaftsbau um 16,8 Prozent auf 194,1 Mio. Euro zurück. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe (in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten) blieb in Hessen mit 36.000 (plus 0,5 Prozent) und Thüringen mit 14.390 (minus 0,2 Prozent) stabil.

Pressemitteilung: Bauindustrieverband Hessen-Thüringen e.V.