15. August 2022

Podium ‹The Future of Concrete›

Foto: Graffiti ‹I long for betong›, Zürich. Foto Gertrud Vogler, Februar 1981. Schweizerisches Sozialarchiv

Basel (pm)  – Die Podiumsdiskussion ‹The Future of Concrete› findet am Donnerstag, 27.1.2022, 19 Uhr im Foyer Public, Theater Basel statt und kann zeitgleich als Zoom-Webinar besucht werden. Die Ausstellung ‹Beton› im S AM Schweizerisches Architekturmuseum thematisiert die Geschichte des Baustoffs, das Veranstaltungsprogramm diskutiert mit unterschiedlichen Podien und Führungsformaten die Zukunft des Betons.

Bauen mit Beton hat den Ruhm der Schweizer Architektur begründet, wie die aktuelle Ausstellung im S AM Schweizerisches Architekturmuseum an vielen Beispielen aus dem 19. und 20. Jahrhundert eindrucksvoll demonstriert. Fragt sich nur, wie lange noch.

Zement ist für 8% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, aber dennoch ist Beton immer noch der meistverwendete Baustoff der Welt. Kann man also überhaupt noch mit Beton weiter bauen? Das ist für viele heute die Gretchenfrage der Architektur. Und dieser möchten wir in der Podiumsdiskussion ‹The Future of Concrete›, Donnerstag, 27.1.2022, 19 Uhr kontrovers und mit exzellenten Expert*innen auf den Grund gehen.

Aufgrund der Klimadiskussion aufgeschreckt, arbeitet die Betonindustrie derzeit mit Hochdruck daran, nicht nur das Image, sondern vor allem die ökologische Performance des Betons zu verbessern. Edelio Bermejo, Leiter Forschung und Entwicklung beim weltgrössten Zementhersteller Holcim, ist davon überzeugt, dass Beton CO2 neutral hergestellt werden kann. Die Produkte existieren bereits, jetzt gehe es nur noch darum, dass die Architekt*innen sie auch anwenden.

Doch bevor wir an Neubau denken, sollten wir erst einmal die bestehenden Bauten nutzen, fordert Friederike Kluge. In ihren Projekten zeigt die Basler Architektin, wie man Bauten durch Umbauten zukunftsfähig machen kann. Je weniger wir abreissen, um so weniger müssen wir auch neu bauen, erklärt die Initiantin von Countdown2030, die an der Hochschule Konstanz Baukonstruktion und Entwerfen lehrt. Aber wenn wir wirklich neu bauen, sollten wir den handelsüblichen Ortbeton nur dort benutzen, wo es keine klimafreundlicheren Alternativen gibt. Denn dieses Baumaterial hat nicht nur ein C02-, sondern auch ein Abfall- sowie Ressourcenproblem.

Bauen wir jetzt also alles aus Holz? Undenkbar, das wäre reine Augenwischerei, hält Philippe Block vom Institut für Technologie der ETH dagegen. Holz ist nur in seiner natürlichen, rohen Form wirklich klimafreundlich. Das meiste beim Bauen verwendete Holz ist jedoch ein Hightech-Material mit vielen Zuschlagstoffen wie z.B. Leim und kann nicht mehr natürlich abgebaut, sondern nur noch verbrannt werden. Der belgische Bauingenieur, der für Stararchitekten wie Norman Foster und Zaha Hadid Architects bahnbrechende konstruktive Innovationen entwickelt hat, glaubt im Gegenteil, dass wir nur mit Beton die Klimakrise des Bauens bewältigen können –
indem wir effizienter und klüger mit Beton bauen.

Effizienz ist sicher wichtig, löst aber nicht das globale Ressourcenproblem von Beton, kontert Dirk Hebel, Dekan der Architekturfakultät am KIT. In absehbarer Zeit werden unsere natürlichen Reserven knapp werden. Wir können es ökologisch, ökonomisch und ethisch kaum mehr vertreten, die eingesetzten Materialien – im Beton Sand, Kies und Zement – nicht mehr in ihrer natürlichen Form zurückzugewinnen. Gleichzeitig laufen unsere Mülldeponien über. Deswegen arbeitet der Architekt mit seinem Team in Karlsruhe an Lösungen, wie man alle unsere Baumaterialien so einsetzen kann, dass sie auch zukünftigen Generationen noch zur Verfügung stehen.

Christine Binswanger, Senior Partnerin bei Herzog & de Meuron, hält den Fokus der Debatte auf Architektur für verengt. Egal wie nachhaltig wir die baukulturell ambitionierte Bautätigkeit gestalten, sie macht nur einen kleinen Teil des Bauens insgesamt aus. Eine wirklich klimarelevante Veränderung der Ökobilanz des Betons lässt sich vor allem da erreichen wo Beton im grossen Massstab, in den rasch wachsenden und sich erneuernden Regionen unserer Welt verwendet wird. Wir brauchen neue Lösungen für den Grundstock des Bauens.

Der Abend verspricht also spannend zu werden. Den Auftakt bilden kurze Impulsreferate von Edelio Bermejo, Dirk Hebel und Philippe Block, danach wird im Panel diskutiert, wobei auch das Publikum vor Ort und live an den Bildschirmen zu Hause zur regen Beteiligung eingeladen ist.

Moderation:Die Moderation der Debatte im Saal leitet Andreas Ruby, Direktor S AM, die Moderation der Onlinedebatte mit dem Publikum des Zoom-Webinars liegt bei Andreas Kofler, stellvertetender Künstlerischer Leiter des S AM.
Sprache: Englisch
Anmeldung erforderlich unter: event@sam-basel.org
Ort: Foyer Public, Theater Basel, Eintritt frei
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln des BAG, sowie die Zertifikatsregel 2G und Maskenpflicht.

Pressemitteilung: S AM Schweizerisches Architekturmuseum