Hannover (pm) – Wie sieht das Pflegeheim der Zukunft für die Boomer-Generation aus? Diese Frage stand im Zentrum eines Seminars an der Hochschule Biberach (HBC). Architektur-Studierende entwickelten neue Konzepte für ein bestehendes Seniorenheim in Hannover. Gleichzeitig untersuchten sie, wie sich Pflegeeinrichtungen besser in das Quartier integrieren lassen.
Das Gebäude aus den 1970er Jahren ist sanierungsbedürftig. Zudem ist es zu klein und entspricht nicht mehr modernen Anforderungen an Pflege und Wohnen. Deshalb erarbeiteten die Studierenden verschiedene Entwürfe für eine Transformation im Stadtteil Linden.
Pflegeheim der Zukunft im Quartier gedacht
Die Ergebnisse präsentierten die Teams vor Ort. Dabei diskutierten sie ihre Ideen gemeinsam mit Bewohnenden, Pflegekräften und Verantwortlichen der AWO. „Die Debatte über unser Projekt Boomer-Care war angeregt, das Feedback war begeistert – was bleibt ist eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten“, erläutert Professorin Julia Siedle.
Zunächst analysierten die vier Teams umfassend die Situation. Sie untersuchten Vergleichsprojekte, führten Interviews und begleiteten den Pflegealltag. Dadurch entstand ein klares Bild der Bedürfnisse.
Dabei zeigte sich unter anderem: Es fehlen Plätze für betreutes Wohnen. Außerdem gibt es viele Doppelzimmer, dunkle Flure und lange Wege für das Personal.
Neue Entwürfe für ein modernes Seniorenheim
Insgesamt entstanden vier unterschiedliche Konzepte. Alle Entwürfe setzen auf Sanierung, Erweiterung und Öffnung zum Quartier. Zudem schaffen sie Begegnungsorte für Jung und Alt.
So integrieren die Studierenden Grünflächen, Aufenthaltsbereiche und Räume für Kinder. Geplant sind unter anderem Horte und Kindergärten, die das Areal beleben.
„Alte Mauern – Neues Leben“: Weiterbauen im Bestand
Ein Entwurf von Ines Lehmann und Lauryn Schopp trägt den Titel „Alte Mauern – Neues Leben“. Hier bleibt das bestehende Gebäude weitgehend erhalten. Gleichzeitig wird es architektonisch weiterentwickelt.
Die Anlage gliedert sich in vier Baukörper. Dadurch entstehen klare Funktionsbereiche für Pflege, betreutes Wohnen und ein Gesundheitszentrum. Zusätzlich ist ein Friseur sowie ein Hort im ehemaligen Schwimmbad vorgesehen.
„Hier haben viele Menschen aus dem Quartier schwimmen gelernt, es war ein Treffpunkt, den wir erhalten wollen, auch wenn das Schwimmbad selbst nicht zu retten ist“.
Durch Aufstockungen in Holzbauweise entsteht zusätzlicher Raum. Außerdem sorgen Lufträume und ein Atrium für mehr Licht und Austausch. Im Innenhof planen die Studierenden ein Café als Treffpunkt für das Quartier.
„Laubengänge, die verbinden“: Grün und Begegnung
Tobias Bischoff und Anna Kriwizki setzen auf ein anderes Konzept. Ihr Entwurf stellt die Laubengänge in den Mittelpunkt und verbindet diese mit intensiver Begrünung.
„Obwohl es schon Herbst war, war dort am meisten Leben“, erinnert sich Tobias.
Deshalb entwickeln sie die Laubengänge weiter und ergänzen Dachgärten sowie einen begrünten Innenhof. So entsteht eine grüne Insel mitten im Quartier.
„Das Erdgeschoss und die Terrassen bilden das Herzstück und schaffen Begegnungsorte“, so Tobias.
Zusätzlich planen sie einen Veranstaltungsraum. Diesen können Bewohner und Menschen aus dem Quartier flexibel nutzen.
Für die Bepflanzung wählten sie gezielt geeignete Arten aus. „die das ganze Jahr über grün sind, deren Duft, wenn sie im Sommer blühen, die Sinne stimulieren, aber nicht giftig sind, denn in dem Heim werden auch Demenzkranke betreut“, erläutert Anna.
Impulse für das Pflegeheim der Zukunft
Die AWO bewertet die Entwürfe positiv. Sie liefern konkrete Ansätze für den geplanten Umbau. „handfeste Ideen für den anstehenden Umbau des Hauses“, so Prof. Julia Siedle.
Die Arbeiten werden aktuell ausgestellt. Ort ist die ehemalige AWO Welle Hannover. Damit wird das Gebäude erneut zum Treffpunkt im Quartier.
Quelle: Hochschule Biberach